Friedrichshafen Schrilles Treiben in Lack und Leder im Hafen von Friedrichshafen

Das Motorschiff München legt zur Fetischparty ab und zahlreiche Schaulustige bewundern am Hafen die heißen Outfits der Partygäste.

Friedrichshafen – Zwei Stunden vor dem Viertelfinale der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Italien regnet es in Friedrichshafen in Strömen. Wie gemütlich wäre es doch zuhause auf dem Sofa, kühles Bier und Kartoffelchips bereitgestellt, in freudiger Erwartung eines heißen Spiels. Aber hier am Hafen von Friedrichshafen, vor der Anlegestelle des Motorschiffs München, dem Torture Ship, auch bekannt als Sadomaso-Schiff, ist es heißer, und statt kühlem Bier sorgen frische Böen für die nötige Abkühlung.
 

Ein Sklave im strassbesetzten Tangaslip und einem geschmiedeten Ring um den Hals heizt den Schaulustigen bereits mächtig ein. "So", ruft er fröhlich in die Menge, "jetzt drehen wir den Spieß mal um", und fotografiert biedere Regenmäntel, Fanbekleidung in Schwarz-Rot-Gold, Schirme und Kinderwägen. Zur Belohnung haut ihm eine Domina mit Zylinder die Reitgerte auf den Po. "Wollt ihr mitfahren?", ruft er den Schaulustigen zu, "wir sind auch ganz brav". Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Das Fußballspiel scheint jetzt verlockender als das Programm der Fetischparty, obwohl das harmloser geworden sei, seit es den so genannten Darkroom nicht mehr gibt.

Etwas verschämt steht eine ganz und gar nicht fromm wirkende "Nonne" mit langen blonden Haaren am Rand. "Das Lächeln fürs Foto habe ich mir jetzt gespart", sagt ganz trocken ein Hüne im Faltenrock, der sein Gesicht hinter einem schwarzen Tuch verborgen hält. Pinkfarbener Latex, schwarz kann schließlich jeder – ein "Steinbock" mit riesigen roten Hörnern und ein Mann in türkisgrünem Ganzkörper-Lykra mit einem neckischen Gasmaskentäschchen über seinem strategisch wichtigsten Teil, besteigen jetzt das Schiff, von dem plötzlich schrille Schreie zu hören sind. "Wollt ihr nicht mitfahren?", fragt eine Mutter ihre drei Töchter im Grundschulalter, "da gibt es sicher Häppchen". Die Kinder, die ihre helle Freude an dem schrillen Treiben haben, schütteln trotzdem den Kopf. "Es stört mich nicht, dass hier so viele Leute zuschauen", sagt eine offenbusige Dame, "das gehört schließlich dazu". Ein verspäteter Gast zieht hastig und laut scheppernd seinen Rollkoffer die Gangway hinauf. Über dessen Inhalt lässt sich im Publikum trefflich spekulieren. Deutlicher zeichnet sich da der Inhalt bei einem Herrn mit wilder Lockenperücke im knallengen, grün-rosafarbenen Unterrock ab. So genau wollte es dann doch keiner wissen. Bum, bum, bum untermalen die monotonen Bässe der Technomusik das Geschehen an Bord. Mit dem Begrüßungssekt in der Hand winken die Partygäste den Zuschauern zum Abschied. "Ciao bis zum nächsten Mal", ruft der Sklave mit dem Stahlring um den Hals und freut sich auf sein Abendprogramm. Das der meisten Zuschauer beginnt in einer Stunde vor dem Fernseher, um das Viertelfinalspiel der deutsche Elf zu sehen.

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