Friedrichshafen Sahra Wagenknecht auf Wahlkampftour in Friedrichshafen

Rund 200 Zuhörer kommen zum Auftritt der Linken-Politikerin auf dem Adenauerplatz

Auch die prominente Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht traf es: Ihr Auftritt in Friedrichshafen verzögerte sich, weil durch einen Unfall ein Stau auf der B 31 entstanden war. Eine dreiviertel Stunde später erschien sie schließlich gegen 14.15 Uhr auf dem Adenauerplatz – begleitet vom Beifall der rund 200 Häfler, die ihre Ausführungen zur Bundespolitik hören wollten – trotz einsetzenden Regens. Sahra Wagenknecht ist Politprofi – ihr großes Oberthema ist die soziale Gerechtigkeit, die "Deutschland mehr als verdient" habe. Sie zitierte das Ergebnis einer Studie des Deutschen Wirtschaftsinstitutes, das festgestellt habe, dass 40 Prozent der Bevölkerung weniger Einkommen haben als noch Ende der 90er Jahre. "Diesen sozialen Abstieg haben die Regierungsparteien der letzten 20 Jahre zu verantworten", so Wagenknecht und erntete dafür Applaus und Bravo-Rufe.

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei ihrem Wahlkampfauftritt auf dem Adenauerplatz.
Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei ihrem Wahlkampfauftritt auf dem Adenauerplatz. | Bild: Kerstin Mommsen

Insgesamt standen aber weniger die Thesen der Linken im Vordergrund, als der Versuch, die Politik von SPD und CDU zu kritisieren. "Die SPD ist insgesamt völlig unglaubwürdig geworden", erklärte die Politikerin. Und die Wahlversprechen der CDU ebenfalls. "Die CDU verspricht Steuerentlastungen, aber wie diese finanziert werden sollen, darüber steht im Wahlprogramm kein Wort", informiert Sahra Wagenknecht die Menge. Sie arbeitet sich dann an den großen Themen ab: Leiharbeit, Niedriglöhne, Rente, Steuer- und Rüstungspolitik. "Wir wollen das Geld da abholen, wo der Schotter liegt: Bei Reichen und den Unternehmen", erklärt sie und fordert einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent oberhalb der Einkommensgrenze von einer Million Euro und eine Vernögensteuer, um mit diesem Geld Bildung, Pflege und Gesundheit zu finanzieren.

Sahra Wagenknecht verabschiedet sich vom Häfler Publikum mit dem Versprechen, Parteispenden zu verbieten. "Wir sind die einzige Partei, die keine Spenden von Auto- oder Rüstungskonzernen oder Banken erhalten hat – also wählen Sie uns." Viel Applaus bekommt sie, nach ihrem Auftritt stürmen viele zu Sahra Wagenknecht, um ein Autogramm zu bekommen oder ein Selfie mit ihr zu machen. "Sie ist richtig toll und spricht klare Worte", meinte Heiko Döhler nach Wagenknechts Auftritt. Auch Paul Kirschmann war begeistert: "Sie ist überzeugend, denn wir brauchen eine andere Steuer-, Rüstungs- und Wirtschaftspolitik."

Sahra Wagenknecht

Die 48-Jährige Politikerin ist seit 2009 Abgeordnete der Partei "Die Linke" im Deutschen Bundestag. Ab 2011 war Sahra Wagenknecht dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion. Im Oktober 2015 löste sie zusammen mit Dietmar Bartsch, einem Vertreter des als gemäßigt geltenden Parteiflügels, den bis dahin amtierenden Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi ab und rückte damit zur Oppositionsführerin des Bundestags auf. Gebürtig stammt Wagenknecht aus Jena. Seit Anfang der 90er Jahre hatte sie maßgebliche Funktionen in verschiedenen Vorstandsgremien der PDS inne. Wagenknecht gilt als Protagonistin des linken Parteiflügels. Ein ausführliches Interview mit Sahra Wagenknecht erscheint am Freitag, 15. September, im SÜDKURIER. (mom)

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