Friedrichshafen Riesenereignis für Geocacher im Zeppelin-Hangar

Mehrere tausend Geocacher aus aller Herren Länder sind übers Wochenende anlässlich der Aktionstage "Project Let's Zeppelin" in Friedrichshafen gewesen.

Noch ist sie mit einem schwarzen Tuch bedeckt. Die Handys im Fotomodus, die Kameras im Anschlag, drängeln sich am Samstag um Punkt zwölf Uhr Hunderte von Besuchern des Geocaching-Events "Project Let's Zeppelin" um die Tribüne neben dem Zeppelin-Hangar. Dann geht ein Raunen durch die Menge, als Jeff Holliday (USA) sowie Ralf Blase vom Organisationsteam den heiligen Gral der Geocacher enthüllen: Die "Original Can of Beans", kurz OCB genannt, ist wie eine Reliquie mit einer Plexiglashaube geschützt. Die durchgerostete Bohnendose ist zum ersten Mal in Deutschland zu sehen und versetzt die Fans in Entzücken.

Jeff Holliday und Ralf Blase präsentieren zum ersten Mal in Deutschland den heiligen Gral der Geocacher – eine rostige Dose. Bild: Anette Bengelsdorf
Jeff Holliday und Ralf Blase präsentieren zum ersten Mal in Deutschland den heiligen Gral der Geocacher – eine rostige Dose. Bild: Anette Bengelsdorf | Bild: Anette Bengelsdorf

"Ich habe sie mit mehreren Lagen Rostschutzmittel behandelt, aber sie rostet weiter", sagt Jeff mit Cowboyhut, der sie in verbeultem Zustand ausgegraben hat, in kehligem Amerikanisch. Sie war das erste Objekt, das der Erfinder des Geocachings Dave Ulmer 2000 in Oregon vergraben hat. Mit GPS-Geräten oder Handys mit entsprechender App suchen inzwischen etwa drei Millionen Menschen weltweit nach verborgenen Schätzen in Form einer Plakette mit GC-Code. Tippt man auf einen der mehr als 5000 grünen Punkte, die auf dem Display rund um Friedrichshafen zu sehen sind, erfährt man seine Koordinaten und wie schwer der Geocache zu erreichen ist. Stabmagnete, Taschenlampen, die reichlich im Angebot sind, sowie Leitern, Gummistiefel oder Wathosen helfen beim Finden. "Manche Leute wollen auf Bäume oder unter Brücken", sagt Andreas Uhlmann, ein professioneller Industriekletterer, der nebenbei Kurse für Geocacher anbietet und Schwindelfreien zeigt, wie sie sich mit Klettergurten und Seilen bis zur Decke der 34 Meter hohen Luftschiffhalle hocharbeiten können.

Sportlich geht es zu bei diesem Hobby, das erkennt man schon an der Kleidung der Besucher aller Altersgruppen. Outdoor-Kleidung dominiert, ein Händler bietet Wanderschuhe an. Und so mancher erwandert sich im Urlaub die aufregendsten Regionen. Das Team Rotfrosch fand seinen "Petling", die wasserfeste Dose für das Logbuch, über einer Höhle mit unterirdischem See. So aufregend ist das Geocachen, dass Charly Essenwanger aus Kaufbeuren einen Krimi dazu geschrieben hat, in dem der Protagonist seinen Gegner durch Geocachen in die Falle lockt und brutal ermordet. Aber eigentlich sind sie friedlich und kommunikativ mit einem Hang zum Spielen.

Professionelle Industriekletterer zeigen schwindelfreien Geocachern wie sie zur 35 Meter hohen Decke der Luftschiffhalle klettern können. Bild: Anette Bengelsdorf
Professionelle Industriekletterer zeigen schwindelfreien Geocachern wie sie zur 35 Meter hohen Decke der Luftschiffhalle klettern können. Bild: Anette Bengelsdorf | Bild: Anette Bengelsdorf

Im Froschhort sitzen dutzende quietschegrüner Plüschfrösche mit gelber Antenne auf dem Kopf, viele bekleidet – Nacktfrösche sind bei manchen verpönt – und warten, dass sie von ihren Eltern wieder abgeholt werden. Der Antennen-Frosch, "Signal" genannt, ist das Maskottchen der Geocacher, die Verbindung zwischen Natur und Technik, ist immer dabei und kann bei Wolfgang Lederer für die Dauer der Veranstaltung zur Betreuung abgegeben werden. Dosen, die wie ein chinesisches Puzzle zu öffnen sind und sogenannte Pfostendosen, wasserdicht und "muggelsicher", sind nicht für Außenseiter gedacht. Auch nicht eine skurrile MPU für Geocacher. "Muggel", so das kritische Ärzteteam unter Leitung von "Dr. F. Legel", könnten weder die Fragen des theoretischen Teils beantworten, noch die praktischen Aufgaben lösen. Muggel, das sind all jene, die keine Geocacher sind. Für die ist wohl auch die Aufschrift auf den T-Shirts gedacht: "Don't call it Schnitzeljagd – Nenn' es nicht Schnitzeljagd".

Wolfgang Lederer kümmert sich um die Maskottchen der Geocacher, die "Signals". <em>Bild: Anette</em> Bengelsdorf
Wolfgang Lederer kümmert sich um die Maskottchen der Geocacher, die "Signals". Bild: Anette Bengelsdorf | Bild: Anette Bengelsdorf

Kontakte

Geocaching ist nicht in fixen Vereinsstrukturen organisiert. Die Gründung des Vereins Geocachingfreunde Oberschwaben-Bodensee diente 2016 dem Zweck, das "ProjectLet's Zeppelin" in Friedrichshafen zu organisieren. Wer sich für Geocaching interessiert, erstellt ein kostenloses Benutzerkonto auf www.geocaching.com und erhält eine Liste der Stammtische rund um den Bodensee sowie alle Infos zum Hobby. Bei Fragen: info@gcfob.de

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