Friedrichshafen/Tettnang/Immenstaad Ran an die edlen Stangen: Warum in diesem Jahr die Qualität der Spargelernte stimmt

Auf Flächen des Tettnanger Spargelhofs Geiger sowie des Immenstaader Ferienhofs Raither wird derzeit kräftig Spargel geerntet. Auf den Anbauflächen beider Betriebe herrscht Hochbetrieb. SÜDKURIER-Mitarbeiter Georg Wex hat sich vor Ort umgesehen.

Es ist Spargelzeit. Besonders beliebt ist in Deutschland Spargel aus der Region, der Bodenseekreis macht da keine Ausnahme. Hochbetrieb herrscht deshalb beim Spargelhof Geiger in Tettnang, der ab Hof und auf den Märkten in Friedrichshafen, Markdorf, Überlingen und Wangen verkauft sowie auf dem Ferienhof Raither in Immenstaad-Kippenhausen, der im kleinen Hofladen Spargel anbietet. Zwei Betriebe, die sehr unterschiedlich strukturiert sind. Beide sind zwar Familienbetriebe, bei Geiger ist der Spargel jedoch das Hauptgeschäft für seinen Betrieb, bei Raither dagegen Nebenerwerb.

Thomas Geiger, Chef des gleichnamigen Spargelhofes in Tettnang, an der Wasch- und Sortiermaschine zusammen mit Mitarbeiterin Monika Swierczynska.<em> Bild: Georg </em><em>Wex</em>
Thomas Geiger, Chef des gleichnamigen Spargelhofes in Tettnang, an der Wasch- und Sortiermaschine zusammen mit Mitarbeiterin Monika Swierczynska. Bild: Georg Wex

Spargelanbau als wirtschaftliche Perspektive

Ausgangspunkt für den Einstieg in den Spargelanbau war bei Thomas Geiger und Seniorchef Walter Raither, seit 2007 wird der Ferienhof von Andreas Raither geleitet, die Frage: "Wie kann ich meinen Hof wirtschaftlich weiter betreiben?" Milchwirtschaft, Äpfel und Zwetschgen hätten sich nicht mehr gelohnt, erzählt Geiger. 1989 begann er mit dem Spargelanbau als Alternative, nachdem er einen Ostfriesen kennengelernt hatte, der sich mit diesem Geschäft auskannte. 1999 gab es die erste Ernte. Heute baut Geiger auf rund 20 Hektar Spargel an. Bei Raithers in Kippenhausen wurden in den neunziger Jahren vor allem Erdbeeren angebaut, berichtet Andreas Raither. Die Pflanzen holte der Betrieb aus Holland. Dort wird auch Spargel angebaut. Für den Eigenbedarf nahm die Familie zunächst Spargelpflanzen mit, ab 2003 wurde er dann vermarktet. Heute wird Spargel auf eineinhalb Hektar angebaut.Preise reichen von 5 bis 11,50 Euro je Kilogramm

Insgesamt 20 Saisonarbeiter aus Osteuropa sind während der Spargelsaison bei Geiger beschäftigt und stechen das Gemüse, bei Raithers sind es zwei. <em>Bild: Georg </em><em>Wex</em>
Insgesamt 20 Saisonarbeiter aus Osteuropa sind während der Spargelsaison bei Geiger beschäftigt und stechen das Gemüse, bei Raithers sind es zwei. Bild: Georg Wex

Beide Betriebe sind Direktvermarkter. Ihre Preise bewegen sich aktuell für erste Qualität bei 11 bis 11,50 Euro pro Kilogramm. Preiswerter geht es natürlich auch: Ab 5 Euro pro Kilogramm gibt es Bruchspargel. Die Spargelsaison begann dieses Jahr wegen des zunächst etwas feuchteren Wetters Mitte April etwas später. "Da fehlen ein paar Verkaufstage", sagt Geiger. Aber inzwischen sei dies durch das wärmere Wetter fast schon wieder aufgeholt. "Wir haben in diesem Jahr sehr gute Qualitäten", berichtet der Tettnanger. Nur zu warm dürfe es jetzt nicht werden, sonst würden die Köpfe "blumenkohlmäßig".

Eine Saisonarbeiterin sticht Spargel aus dem Boden. <em>Bild: Georg Wex</em>
Eine Saisonarbeiterin sticht Spargel aus dem Boden. Bild: Georg Wex

Weißer Spargel deutlich beliebter als grüner

90 Prozent der Ernte sind der bei den Deutschen beliebte weiße Spargel, zehn Prozent grüner, erläutern Raither und Geiger. "Der Rest der Welt isst grünen Spargel", sagt Geiger. Nach seiner Beobachtung seien trotzdem 50 Prozent der Rezepte für grünen Spargel. Der Unterschied bei den Pflanzen ist, der weiße Spargel bleibt bis zur Ernte in der Erde und ist mit Folie bedeckt, der grüne wächst aus dem Boden heraus und kommt an die Sonne.

Spargelsaison endet am 24. Juni

Es gibt verschiedene Sorten, die beispielsweise "Ravel", "Backlim" oder "Gijnlim" heißen. Das sei in erster Linie eine Frage des Bodens und der Reifezeit, meinen die beiden Spargelanbauer, Unterschiede zu schmecken, sei eher schwierig. Ende der Saison habe der Spargel mehr Zucker, was schon eher herauszuschmecken sei – "vorausgesetzt, man kippt nicht einen Liter Hollandaise drüber", so Geiger. Offizielles Ende der Spargelsaison in Deutschland ist traditionell am Johannistag, 24. Juni.

Mitarbeiterin Barbara Pruska schält bei Geiger Spargel für die Kunden. <em>Bild: Georg Wex</em>
Mitarbeiterin Barbara Pruska schält bei Geiger Spargel für die Kunden. Bild: Georg Wex

Spargel ist im Trend

Spargel ist flächenmäßig mit 2780 Hektar das bedeutendste Gemüse in Baden-Württemberg, berichtete das Statistische Landesamt Baden-Württemberg für das Jahr 2017. Drei bis sechs Tonnen Rohware werden pro Hektar, je nach Bodenqualität, bei den beiden Höfen geerntet. Spargel war in den 60ern sehr beliebt, insbesondere in Tettnang, wie Thomas Geiger erzählt. Dann verloren die Menschen das Interesse. Unter anderem wegen günstiger Frisch- und Dosenimporte und besserer Verdienstmöglichkeiten in der Industrie, wie es in einem Beitrag des Landesamts heißt. Erst seit den 90ern stieg die Produktion wieder, was mit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu tun hatte – und mit der Möglichkeit, Saisonarbeiter aus Osteuropa zu beschäftigen. Heute werde Mindestlohn bezahlt, erklärt Geiger. Die Produktionsfläche hat sich im Land seit 1992 vervierfacht. (wex)

Ihre Meinung ist uns wichtig
☀ Einzigartige Sonnenstücke vom See ☀
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Ravensburg/Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen