Friedrichshafen Publikumspreis für „Grobe Technik im 21. Jahrhundert“ an Peter Lindenberg

Bei der Finissage des internationalen Skulpturentreffens „Grobe Technik im 21. Jahrhundert“ im Paulinengarten in Friedrichshafen wurde die Lieblingsskulptur des Publikums bekannt gegeben: die Kapuzinerkresse von Peter Lindenberg.

„Mit der Kettensäge habe ich die Schlitze in den Weidenstamm gemacht“, beschrieb eine zierliche Dame mittleren Alters die Entstehungsgeschichte ihrer Skulptur, „dann hat sie sich Schritt für Schritt weiterentwickelt.“ Um es witterungsbeständig zu machen, flämmte sie das Holz und ließ es anschließend mit Leinöl und rotem Pigment ein. „So kann man gut die Kettensägenspuren sehen“, sagte die Künstlerin Gesine Smaglinsky aus Uhldingen-Mühlhofen. Wie alle Anwesenden war sie gespannt, welcher der zwölf ausstellenden Künstler zum Publikumsliebling gekürt werden würde.

Mit Hilfe von Wahlkarten und in vielen Gesprächen mit Besuchern des internationalen Skulpturentreffens „Grobe Technik im 21. Jahrhundert“ hatte Uwe Petrowitz während der drei Monate dauernden Ausstellung den Sieger unter den verschiedenartigen Skulpturen ermittelt. „Die einen mögen es figürlich, die anderen lieber abstrakt“, sagte Petrowitz. „und das Gesamtpaket hat für jeden etwas geboten.“

„Die Kapuzinerkresse, ein grünes, sympathisches ‚Unkraut' und Heilpflanze, steht für mich als Symbol für nachhaltiges und umweltfreundliches Wirtschaften“, schreibt Peter Lindenberg, Schöpfer der leuchtend grünen, auf verwegen langen, dünnen Stängeln balancierenden Blätter, die seit Juni weithin sichtbar im Paulinengarten wuchsen. Auch unterschiedliche Charaktere sowie den Ausdruck von Abneigung oder Zuneigung schrieb er seinen Kressestielen zu und verlieh ihnen damit eine menschliche Dimension. Eigentlich eine übermenschliche, denn das in Wirklichkeit eher kleinwüchsige Kraut überragte den Betrachter hier um ein Vielfaches.

So wurde die Kresse zum Publikumsliebling und zum Gewinner des mit 500 Euro dotierten Publikumspreises. Peter Lindenberg, 1965 in Braunschweig geboren, lebt seit 1995 als Maler und Bildhauer in Berlin und damit leider zu weit vom Bodensee entfernt, um den Preis persönlich entgegenzunehmen.

An zweiter Stelle in der Gunst des Publikums stand der monumentale, zum Sprung ansetzende Tiger von Mirko Siakkou-Flodin, dessen Reifengummi-Fell in starkem Kontrast zu seinem glänzend glatten Metallkörper stand.

„Die Pferdchen sind spontan entstanden, als mir ein Buschelbinder über den Weg gelaufen ist“, sagte Hans Aberham, der den dritten Platz erreichte. Auf der Suche nach Altmetall für seine Skulpturen stieß er auf ein altes bäuerliches Instrument, mit dem früher Reisig gebündelt wurde. Mit seinen vier Beinen und der geschwungenen, zangenartigen Form erinnerte ihn das Werkzeug an ein Pferd. Doch Pferde sind Herdentiere und so wurden es, trotz langer Suche nach weiteren Buschelbindern, mit Hilfe von Elektroschweißgerät und Flex, schließlich drei filigrane Tiere, die die Herzen der Besucher eroberten. „Uwe, das hast du toll gemacht“, rief eine Stimme aus dem Publikum und der anschließende Applaus gab ihr Recht.

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