Friedrichshafen Projekt von Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und Tanzschule fördert Integration

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und die Tanzschule No. 10 feiern ihre fünfjährige Kooperation mit einem Fest.

Grimmig blickende Soldaten in Camouflage-Hosen bewegen sich über die Bühne. Zu „You're in the Army now“ von Status Quo robben sie über den Boden, rollen sich ab, springen auf und imitieren Kick-Box-Gesten. Plötzlich fallen alle wie niedergemäht auf den Boden. Wenig später haben sich die Protagonistinnen in japanische Geishas verwandelt, die mit kleinen Schritten über die Bühne trippeln und graziöse Figuren mit Lackfächern zeichnen.

Die kleineren Tänzerinnen hüpfen erst als lustigen Fliegenpilze durcheinander und stülpen später als Außerirdische ihre Tellerröckchen über puschelige Antennen. Eine weitere Gruppe rockt in goldenen Hemden und Jeansshorts zu „She's got the look“ ab, um in der nächsten Szene als zarte Blumenblätter umeinander zu schweben, während Kate Bush „Army Dreams“ dazu haucht. Die Tänzerinnen der Kreativtanzgruppen an der Tanzschule No. 10 sind frei nach Jules Verne mit Mister Fogg und seinem Diener Passepartout auf einer musikalischen Reise um die Welt. Das Projekt ist ein Ergebnis der fünfjährigen Zusammenarbeit der Tanzschule mit der Ortsgruppe der Landsmannschaft der Deutschen in Russland.

„Tanz ist Integration in alle Richtungen“, sagt Tanzschul-Chef Thomas Schütze. Fünf Jahre sei es her, dass Vertreter der Landsmannschaft mit dem Wunsch nach einer Kindertanzgruppe an ihn herangetreten seien, mittlerweile gehören sie fest dazu. Jetzt feiert auch die Schule eine Premiere: „Ein Tanztheater haben wir in 30 Jahren noch nicht gehabt“, sagt er.

Jede Musik, jede Choreografie ist anders: energisch, humorvoll oder verträumt, eine Mischung aus Ballett, Jazztanz und Pop. Die Tänzerinnen spielen mit Requisiten, drehen Pirouetten oder schlagen Räder. Trainerin Natalya Slobodska hat in der Ukraine eine Ausbildung zur Choreografin und Tanzkollektivleiterin absolviert. „Tanzen ist meine Leidenschaft“, sagt sie. Bevor die Kooperation mit der Tanzschule begann, übte sie mit Kindern in einer Wohnanlage.

Jetzt sitzt Erzählerin Dana Urbach in eine Decke gehüllt vor einem Globus. „Wow, was ist denn das, ein neues altes Buch?“, sagt sie und beginnt zu lesen. Fogg und Passepartout verschlägt es per Zeitmaschine in einen Wald, wo sie von Feen begrüßt werden und Sonnenstrahlen über das Gras streifen. Sie landen auf einem Poptanzfestival, fliehen aber vor der Rockmusik. In der Stadt des Tanzes lässt sich Fogg von lateinamerikanischen Rhythmen mitreißen. Ihre letzte Station ist Paris: Zu einer Pop-Version von Jacques Offenbachs „Can Can“ wirbeln die Tänzerinnen voller Temperament, schwingen Beine, Hüften und rot-schwarze Röcke, bis ein Konfettiregen über sie niedergeht.

Für Wilhelm Müller, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, ist die Kooperation mit Einrichtungen oder Vereinen ein guter Weg für die Integration. „Als wir vor 30 Jahren nach Deutschland kamen, haben alle gefragt, wo sollen wir hin mit über 200 000 Deutschen aus Russland? Jetzt sind wir von Hilfesuchenden zu Leistungsträgern geworden“, sagt er. „So kann Integration gelingen, wenn man das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen als Normalität lebt und begreift“, sagt die Häfler Integrationsbeauftragte Natascha Garvin.

Die Kooperation

Die Kooperation der Landsmannschaft der Deutschen in Russland mit der Tanzschule No. 10 begann vor fünf Jahren. Mittlerweile nehmen 30 Mädchen an drei Tanzgruppen teil, die zum offiziellen Programm der Tanzschule gehören. Ihre Trainerin ist Natalya Slobodska, die auch für Musikauswahl, Choreographie und Kostümbild verantwortlich ist. Zweimal in der Woche trainiert jede Gruppe, die Gruppen sind für Kinder ab drei, ab sechs und ab neun Jahren.

Die Ortsgruppe Friedrichshafen/Bodensee der Landmannschaft der Deutschen in Russland wurde 1990 gegründet mit dem Ziel, die Integration von Spätaussiedlern in das Gemeindeleben zu fördern. Dazu bietet sie Beratung und Seminare an, beteiligt sie sich am kommunalen Leben, veranstaltet Feste und hilft bei der Freizeitgestaltung. (cor)

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