Friedrichshafen Private Zeppelin-Uni bangt nicht nur um Promotionsrecht - Zahl der Studienbewerber stark rückläufig

Die private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen bangt weiter um die Verlängerung des Promotionsrechts, das im Sommer ausläuft. Stiftung und Stadt geben sich zu Fragen einer Neuausrichtung der Hochschule, deren Bewerberzahlen stark rückläufig sind, zugeknöpft.

Vor einer Woche war Insa Sjurts, Präsidentin der Zeppelin-Universität (ZU), zum Gespräch in Stuttgart. Es geht um die Verlängerung des Promotionsrechts, das zum 30. Juni dieses Jahres ausläuft. 2011 hatte die ZU als erste und bisher einzige private Hochschule in Baden-Württemberg das Recht erhalten, Doktortitel zu verleihen. Nun stand die Re-Akkreditierung an. Ob der deutsche Wissenschaftsrat diese empfohlen hätte, ist jedoch fraglich. Denn auf eine fachliche Empfehlung verzichtet das Wissenschaftsministerium und zog den Auftrag an das Sachverständigengremium für eine Expertise kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses zurück. Denn das Land steht hinter der ZU, Baden-Württemberg will das langfristige Promotionsrecht für die Uni sichern. Doch über das Wie schweigen sich die Beteiligten aus. "Für diese Gespräche wurde Vertraulichkeit vereinbart", teilt ZU-Pressesprecher Rainer Böhme auf Nachfrage mit.

Von Seiten der ZU-Stiftung, die die Uni trägt und finanziert, will derzeit keiner unbequeme Fragen beantworten. Ist die Stiftung bereit, der privaten Hochschule mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um notwendigerweise in Professuren und wissenschaftliche Expertise zu investieren? Wie steht die Stiftung zu einer profilierenden Neuausrichtung der ZU, um sie auf dem großen "Uni-Markt" wieder attraktiver zu machen? Deren Vorstandsvorsitzender Thomas Sigi, bis September 2017 einer von sieben Vorständen bei Audi, lässt mitteilen, dass er zu diesen Fragen keine Stellung nehmen möchte, da diese in den Aufgabenbereich von Senat, Geschäftsführung und Präsidium der ZU gehören.

Auch bei der Stadt Friedrichshafen und Oberbürgermeister Andreas Brand sind solche Fragen deplatziert. Zu den Finanzen heißt es nur: Mehr Geld für die Uni ist zumindest von Seiten der städtischen Zeppelin-Stiftung derzeit nicht im Plan. Im Haushalt für 2018/19 steht ein jährlicher Zuschuss von 1,1 Millionen Euro – genau so viel wie 2016 und 2017. Und wie verhält sich die Stadt dazu, dass die ZU ihren Universitätsstatus verlieren könnte, was ohne Promotionsrecht zwangsläufig der Fall wäre? "Die Stadtverwaltung beteiligt sich nicht an Spekulationen. Keine Stellungnahme", teilt Stadtsprecherin Monika Blank mit.

Für die ZU steht allerdings mehr auf dem Spiel als das Promotionsrecht. 86 Erstsemester – inklusive Gaststudenten – haben im Januar ihr Studium begonnen. Die Zahl der Bewerber hat sich seit 2014 (853) fast halbiert, die Zahl der Studierenden ist seither stetig rückläufig. "Die ZU leidet zunehmend unter der Kleinheit ihrer Studiengänge, die zur wissenschaftlichen Abschottung neigen", sagt Nico Stehr, Professor für Kulturwissenschaften und Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls an der ZU. Der 65-Jährige ist einer der renommiertesten Wissenschaftler in Friedrichshafen, lehrt seit 2004 an der ZU und wurde 2011 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste berufen. Er macht sich Sorgen: "Die Qualität der Lehre der Zeppelin-Universität und damit die Attraktivität der Universität insgesamt muss langfristig besser gesichert werden. Dies ist gegenwärtig nicht der Fall", schreibt er in einem Konzept, das er im Frühjahr 2017 der Geschäftsführung vorgestellt hatte.

Seine Initiative "zur Sanierung der Reputation von Lehre und Forschung der ZU" sei da allerdings "auf keine Gegenliebe gestoßen". Sein Vorschlag: eine vierte, naturwissenschaftlich-technische Fakultät aufzubauen.

Private Hochschule

Die Zeppelin Universität (ZU) wurde 2003 gegründet. Aktuell rund 1200 Studierende werden zu Führungskräften in Wirtschaft, Kultur und Politik ausgebildet. Gesellschafter ist die ZU-Stiftung, die von der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen, die ZF Friedrichshafen AG sowie die Zeppelin GmbH getragen wird. Präsident war bis September 2014 Stephan A. Jansen. Er trat unter dem Vorwurf zurück, über Jahre hinweg Provisionen ohne Wissen der Spender kassiert zu haben. Die Ermittlungen der Staatanwaltschaft Ravensburg wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Bestechlichkeit dauern nach wie vor an. (kck)

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Aktuelles zur Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen: Die Zeppelin Universität (ZU), früher Zeppelin University, ist eine private, staatlich anerkannte Universität in Friedrichshafen. Die ZU erhielt im September 2011 als erste Privat-Uni in Baden-Württemberg das Promotionsrecht.
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