Friedrichshafen Pläne für Elektrifizierung: Südbahn wartet auf das Baurecht

Die Südbahn wartet auf Geld und Strom für die geplante Elektrifizierung. Derzeit laufen die Planstellungsverfahren. Die Elektrifizierung soll bis Ende 2019 beendet sein, wobei die Kosten auf 226 Millionen Euro geschätzt werden.

Zwei Verkehrsthemen sind in Friedrichshafen und der Bodenseeregion allgegenwärtig. Das ist die Frage nach dem Stand der Verwirklichung der B-31-Umgehung zwischen Friedrichshafen und Immenstaad. Und das Thema Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau. Dieses seit vielen Jahren diskutierte Projekt ist jetzt für den betroffenen Bereich im östlichen Bodenseekreis in eine entscheidende Planungsphase getreten. Seit dieser Woche läuft das Anhörungsverfahren für den vierten von insgesamt fünf Abschnitten, der von Meckenbeuren über Friedrichshafen und Eriskirch, Langenargen sowie Kressbronn bis an die bayerische Grenze reicht. Betroffen davon ist auch die Stichstrecke zwischen dem Stadtbahnhof und dem Hafenbahnhof. Wenn alle Planungen aufgehen, soll Ende 2019 die erste Elektrolok auf dieser Strecke fahren.

 
Fakten zur Südbahn mit Elektrifizierung
  • Geschichte: Seit 1850 kann der Bodensee von Ulm aus auf der Schiene direkt erreicht werden. Friedrichshafen war schon 1847 ans Gleisnetz angeschlossen, allerdings zunächst nur von Ravensburg aus. Als dann die restlichen Abschnitte zwischen Ulm und Biberach und dann nach Ravensburg fertig waren, dampften die Lokomotiven direkt an den See. Es folgte die Verbindung nach Lindau. Zwischen 1905 und 1913 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut.
  • Befürworter der Elektrifizierung: Dem 2006 gegründeten Interessenverband Südbahn gehören alle Städte und Gemeinden entlang der Strecke, zwei Industrieund Handelskammern, fünf Landkreise und zwei Regionalverbände an.
  • Planung: Die Pläne für die Elektrifizierung der Südbahn sind in fünf Abschnitte aufgeteilt. Ziel ist es, dass bis Ende 2014/Anfang 2015 für alle Abschnitte der Planfeststellungsbeschluss vorliegt. Dann kann gebaut werden. Die Fertigstellung kann bis Ende 2019 erfolgen. Die Projektkosten stiegen von zunächst 140 auf jetzt 226 Millionen Euro.
  • Technik: Für die Elektrifizierung auf 253 Kilometer Gleislänge werden mehr als 3000 Oberleitungsmasten aufgestellt. An einigen Straßenüberführungen müssen die Gleise abgesenkt werden. Vier Brücken müssen neu gebaut werden, drei werden stillgelegt.
  • Auswirkungen: Nach der Elektrifizierung der Südbahn wird die Fahrzeit zwischen Ulm und Lindau rund 60 Minuten betragen. Damit sollen alle Anschlüsse in Friedrichshafen und Ulm sicher erreicht werden, ist die Zielvorstellung. Damit werden die Verbindungen vom See nach Stuttgart deutlich attraktiver.


Im Verlauf der Jahre stiegen die errechneten Kosten für die Elektrifizierung der Südbahn von zunächst 140 auf jetzt 226 Millionen Euro. Umso wichtiger ist es, dass die Planfeststellung für alle fünf Abschnitte möglichst bis Ende dieses Jahres abgeschlossen ist. Damit erlangt das Projekt Baurecht, wie Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben und profunder Kenner des Südbahn-Projekts im Gespräch mit dem SÜDKURIER erläuterte. Aus heutiger Sicht sei die Erteilung dieses Baurechts Ende des Jahres, spätestens Anfang 2015 realistisch. „Wir streben mit aller Macht an, diese Termine einzuhalten“, bekräftigt Franke, der auch Geschäftsführer des Interessenverbands Südbahn ist. Die Eile hat ihrem Grund. Immer noch steht eine verbindliche Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Bund aus. Der Bund wiederum will erst dann einen entsprechenden Vertrag unterschreiben, wenn das Baurecht gesichert ist. Da aber 2015 die Fortschreibung des Verkehrswegeplans ansteht, in der die Dringlichkeit von Projekten im Straßen- und Schienensektor festgelegt wird, ist Eile geboten. Denn alle bis dahin nicht formal begonnenen Bauvorhaben werden neu bewertet. „Deshalb ist es unser oberstes Ziel, bis Ende des Jahres das Baurecht zu haben“, blickt Franke in die Zukunft.
 

Beim Südbahnprojekt geht es darum, von Ulm bis Friedrichshafen beide Gleise mit Stromleitungen zu versorgen. Auf der Bodenseegürtelbahn bis Lindau soll das einzig vorhandene Gleis künftig für Lokomotiven mit Elektroantrieb ausgebaut werden. Insgesamt sind 278 Grundstückseigentümer von den Planungen direkt betroffen. Das sind Privatleute, aber auch die Bahn sowie Kommunen. In Friedrichshafen sind es 27, in Meckenbeuren 31, in Eriskirch 20, in Langenargen 114 und in Kressbronn 86. Der Neubau der Oberleitungen erfolgt grundsätzlich im Bereich der Gleise auf Grundstücken der Bahn. In einzelnen Streckenabschnitten ist es erforderlich, Masten auch außerhalb der Bahngrundstücke aufzustellen.

Jeder Bürger hat das Recht in den Rathäusern der betroffenen Gemeinden die Planungsunterlagen einzusehen. In Friedrichshafen ist dabei Jessica Westphal zuständig, Sachbearbeiterin in der städtisch en Bauverwaltung. Sie erledigt diese Arbeiten im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen als Planungsbehörde. Sie kann und darf zwar keine Beurteilung zu den Plänen abgeben. Möglich ist aber, Anregungen oder Einwände zur Niederschrift bei ihr abzugeben. Diese Schriftstücke werden dann nach Tübingen weitergeleitet.

Auswirkungen hat die Elektrifizierung der Südbahn auch auf die Bodensee-Oberschwaben-Bahn. Sie wird ihre Triebwagen ebenfalls auf Elektrobetrieb umstellen müssen. Nicht unerheblich dürften die Kosten für die Stichstrecke zum Hafenbahnhof sein.


Anhörung zur Südbahn

Der Plan zur Elektrifizierung der Südbahn mit allen Planunterlagen und den Dokumenten zur Umweltverträglichkeit liegt noch bis einschließlich 21. Mai im Technischen Rathaus an der Charlottenstraße im Zimmer 238 in Friedrichshafen aus. Die Pläne können zu folgenden Zeiten eingesehen werden: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr. Außerdem an den Montagen von 14 bis 16 Uhr, Dienstag und Mittwoch 14 bis 15.30 Uhr sowie donnerstags 14 bis 18 Uhr.

 

Bei der Einsicht der Pläne sind Fachauskünfte nicht möglich. Diese gibt es beim Regierungspräsidium Tübingen. Einwendungen können schriftlich bis 4. Juni eingereicht werden. (gut)

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