Friedrichshafen Ortsdurchfahrt Hirschlatt große Gefahr für Fußgänger

Die Anwohner der Prälat-Lutz-Straße fordern ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern und einen Gehweg. Die aktuelle Situation ist vor allem für Kinder sehr gefährlich. Jetzt ermahnen zwei Puppen die Autofahrer zum Bremsen.

Friedrichshafen-Hirschlatt – Nein, alleine dürfen ihre Kinder schon lange nicht mehr draußen spielen. Knapp 30 Hirschlatter Bürger haben sich am Mittwochnachmittag versammelt, um auf ein Sicherheitsrisiko aufmerksam zu machen. Überall toben kleine Kinder herum. Sie spielen mit Puppen und einem kleinen Kiesbagger, stets unter den wachsamen Augen der Eltern. Unbeaufsichtigt im Freien spielen darf kein Kind entlang der Prälat-Lutz-Straße.

Der Grund: Auf der engen Dorfstraße, auf der kaum zwei Autos aneinander vorbeikommen, gilt ein Tempolimit von 50 km/h. Das Fehlen eines Gehwegs verschärft die Situation zusätzlich. Deshalb fordern die Anwohner schon seit Längerem, das Tempolimit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Um ihren Protest deutlich zu machen, stehen in Hirschlatt seit einigen Tagen zwei Puppen am Straßenrand, die den Durchgangsverkehr zum Bremsen auffordern. Am südlichen Ende des Ortes steht ein rotes Bobbycar mit einem Mädchen am Straßenrand, das auf die Straße zu rollen scheint. Neu hinzugekommen ist in diesen Tagen eine Schaufensterpuppe in einem leuchtend orangefarbenen Anorak, die einen Kinderwagen vor sich her schiebt. An der aktuellen Situation ändern die Puppen jedoch wenig, die Autos rauschen immer noch durch den Weiler.

Vorsicht spielende Kinder: Diese Puppe auf einem Bobbycar soll den Autofahrern bewusst machen, dass es in Hirschlatt viele spielende Kinder gibt.
Vorsicht spielende Kinder: Diese Puppe auf einem Bobbycar soll den Autofahrern bewusst machen, dass es in Hirschlatt viele spielende Kinder gibt. | Bild: Kevin Rodgers

"Wir nehmen unsere Kinder grundsätzlich an die Hand", erklärt Anwohnerin Sandra Reith. Trotzdem hat sie die Sorge, dass irgendwann ein Unfall geschieht. "Es muss ja nur einmal ein Ball auf die Straße rollen, dann kann niemand mehr rechtzeitig bremsen. Das ist nicht nur für kleine Kinder lebensgefährlich", so Reith. Weitere Anwohner pflichten ihr bei. "Hirschlatt hat sich in den letzten Jahren verändert. Es sind viele Familien mit kleinen Kindern hinzugekommen", sagt Ortschaftsrat Manuel Gessler. Vor allem im Berufsverkehr und bei Nacht wird die Prälat-Lutz-Straße zur Gefahr für die Anwohner. Fahren zwei Autos aneinander vorbei, bleibt praktisch kein Platz für Fußgänger. "Die Straße ist einfach nicht für Tempo 50 ausgelegt", sagt Gessler.

Mittlerweile ist das Problem auch in der Kommunalpolitik angekommen. Der Ettenkircher Ortschaftsrat unterstützt die Forderung der Hirschlatter und tritt außerdem für ein Tempolimit von 70 km/h und einen Geh- und Radweg an der Verbindungsstraße zwischen Hirschlatt und Ettenkirch ein. Einen Gehweg in Hirschlatt anzulegen, ist wegen des fehlenden Platzes kompliziert. Die Anwohner müssten dazu Flächen abtreten... Ortschaftsrat Manuel Gessler meldete sich am vergangenen Montag in der Bürgerfragestunde im Häfler Gemeinderat zu Wort. Dort versprach ihm der Erste Bürgermeister Stefan Köhler eine Ortsbegehung, allerdings ohne konkreten Termin. In Hirschlatt ist man derweil skeptisch, ob sich etwas ändert.

Gruppenbild mit Puppe: Schon seit längerer Zeit fordern die Einwohner von Hirschlatt ein Tempolimit von 30 km/h auf der Prälat-Lutz-Straße. Vor allem im Berufsverkehr und bei Nacht entstehen rings um Hirschlatt häufig gefährliche Situationen. <em>Bilder: Kevin Rodgers</em>
Gruppenbild mit Puppe: Schon seit längerer Zeit fordern die Einwohner von Hirschlatt ein Tempolimit von 30 km/h auf der Prälat-Lutz-Straße. Vor allem im Berufsverkehr und bei Nacht entstehen rings um Hirschlatt häufig gefährliche Situationen. Bilder: Kevin Rodgers | Bild: Kevin Rodgers

Eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf der Prälat-Lutz-Straße sei laut Stadtverwaltung vorerst nicht machbar, sagt Tobias Stadler, der ebenfalls im Ettenkircher Ortschaftsrat sitzt. Der Geh- und Radweg von Hirschlatt nach Ettenkirch müsse jedoch realisiert werden, so Stadler. „Die Straße ist eine Zubringerstraße zur Messe und wird von vielen Pendlern als schnelle Ausweichstrecke genutzt. Das Problem ist die Verkehrsdichte und die zu hohe Geschwindigkeit.“ Deshalb müsse das Tempo zwingend auf 30 km/h reduziert werden.

Raserei scheint indes nicht das Problem zu sein. Bei einer Probemessung der Stadt wurden die Geschwindigkeiten von mehr als 500 Autos erfasst. Nur eine Handvoll lag über den erlaubten 50 Stundenkilometern. Das Problem liegt viel mehr an der Prälat-Lutz-Straße selbst, die sowohl in Hirschlatt, als auch außerorts in Richtung Ettenkirch keine Markierungen hat und rund 5 Meter breit ist. Wird das Ortsschild passiert, darf sogar mit 100 Stundenkilometern gefahren werden. Viele Autofahrer nehmen dieses Recht auch in Anspruch, zulasten der Verkehrssicherheit. Ein Anwohner berichtet, dass Fußgänger auf der Straße durch die hohen Geschwindigkeiten zu spät erkannt würden. Er habe sich mehrfach mit einem Sprung ins Gebüsch retten müssen: "Die nehmen einfach keine Rücksicht auf uns."

Klares Zeichen: Diese Puppe mit Kinderwagen fordert die Autofahrer am Ortseingang zum Bremsen auf.
Klares Zeichen: Diese Puppe mit Kinderwagen fordert die Autofahrer am Ortseingang zum Bremsen auf. | Bild: Kevin Rodgers

Verkehr in Hirschlatt

Dass eine Anpassung der Tempolimits in der Prälat-Lutz-Straße und weiter auf der Verbindungsstraße in Richtung Ettenkirch notwendig ist, wird beim Befahren offensichtlich. Die Prälat-Lutz-Straße ist etwa fünf Meter breit und hat keinerlei Markierungen. Der Belag ist vor allem außerorts in mäßigem Zustand. Dazu kommt, dass das Gelände sehr hügelig ist. Durch die vielen Kurven entsteht ein Streckenverlauf, der viele schlecht einsehbare Stellen aufweist. Trotzdem gilt auf dieser Straße das allgemeine Tempolimit von 100 Stundenkilometern außerorts und 50 km/h innerorts. Die Hirschlatter fordern, das Limit innerorts auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Der Ortschaftsrat Ettenkirch plädiert zudem dafür, die Geschwindigkeit außerorts auf 70 km/h zu begrenzen. Außerdem fordert der Ortschaftsrat einen Fußgänger- und Radweg zwischen den beiden Ortschaften, damit der Autoverkehr räumlich getrennt wird. In Hirschlatt selbst ist das Anlegen eines Bürgersteiges kompliziert, da alle Anlieger einen Teil ihrer Grundstücke dafür abtreten müssten. (kbr)

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