Friedrichshafen Neue Tempo-30-Zone in Hirschlatt: Anwohner sind erleichtert

Die Anwohner der Prälat-Lutz-Straße in Hirschlatt sind froh über die neue Tempo-30-Zone. Fußgänger fühlen sich durch die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Ortsdurchfahrt sicherer.

Vor allem morgens bemerkt Sandra Reith jetzt schon eine Verbesserung in Ettenkirch-Hirschlatt. „Die Autos fahren deutlich langsamer, das ist sehr angenehm“, sagt sie. Ihr Sohn geht in die erste Klasse, jeden Morgen um halb acht bringt sie ihn zur Bushaltestelle – mitten im Berufsverkehr. Melanie Gesslers Tochter geht in die zweite Klasse, auch sie ist täglich mit ihr unterwegs. „Wenn die Autos hier langsausen und noch der Bus kommt, ist sie schon richtig zusammengezuckt“, erzählt sie. Tempo 30 sei eine merkliche Erleichterung. Abends führen viele Autos zwar noch zu schnell, aber tagsüber habe sich die Situation entspannt. „Wir haben ja keinen Gehweg“, sagt Gessler. Die Prälat-Lutz-Straße in Hirschlatt ist schmal, gewunden und nicht gut einzusehen. „Wenn der Bus Gegenverkehr hat, muss er auf die Privatgrundstücke ausweichen“, sagt Anwohner Martin Hepp.

Die Hirschlatter sind sich einig: Sie freuen sich über die Tempo-30-Zone, vor allem weil sie sie als Sicherheitsfaktor für die Kinder begreifen. 18 Kinder zwischen null und zwölf Jahren zählt Reith auf, die in der Straße wohnen. Weitere zehn Kinder nutzen sie auf dem Weg zum Kindergarten oder zum Bus. „Uns geht es nicht um Lärmschutz, sondern um Personenschutz“, sagt sie.

Klares Zeichen: Diese Puppe mit Kinderwagen fordert die Autofahrer am Ortseingang zum Bremsen auf. Seit Kurzem gilt hier Tempo 30.
Klares Zeichen: Diese Puppe mit Kinderwagen fordert die Autofahrer am Ortseingang zum Bremsen auf. Seit Kurzem gilt hier Tempo 30. | Bild: Kevin Rodgers

„Es ist wirklich klasse, dass die Stadt jetzt so schnell reagiert hat, und dass auch die Geschwindigkeit für die Verbindungsstraße und die Galleyenstraße in Ettenkirch-Eggenweiler heruntergesetzt wurde“, sagt Hepp. „Mit einer Bürgerstunde hat es angefangen, der Gemeinderat hat schon früher Tempo 30 gefordert“, erinnert sich Hirschlatterin Jasmin Baumann. Sie ist froh, dass es diesmal geklappt hat und dass ihr Engagement sich gelohnt hat.

Proteste von außen nehmen die Anwohner daher gelassen. Ein Autofahrer etwa hupt täglich vom Ortsschild bis zur Kreuzung, andere haben wütende Kommentare auf Facebook hinterlassen: Tempo 30 sei Schikane, „Gören“ könne man an die Hand nehmen und die Straße sei zuerst da gewesen. „Meine Kinder sind die vierte Generation in Hirschlatt“, sagt Reith. Auch Hepp und Baumann sind hier aufgewachsen. „Richtig schlimm wurde der Verkehr erst mit der Neuen Messe“, erinnert er sich. „Die Straße wird als Ausweichstrecke genutzt, wenn Ailingen und Kehlen verstopft sind.“

Baumann rät allen, hier einmal während der Stoßzeiten entlang zu laufen. „Am Besten sollten sie dabei einen Kinderwagen schieben und ein Kind an der Hand halten“, sagt sie – so wie sie es regelmäßig tut. Noch steht eine Puppe mit Kinderwagen, Reflektor-Jacke und warnend erhobener Hand am Ortseingang – mitgenommen sieht sie aus, weil sie oft umgefallen ist oder umgestoßen wurde. Eine weitere Puppe, die auf einem Bobbycar saß, wird gerade repariert, sie verschwand mehrfach und tauchte im Gebüsch oder in anderen Stadtteilen wieder auf. Bei weiter guten Erfahrungen mit Tempo 30 können die Puppen bald zu Hause bleiben.

Neue Regeln

Seit Dienstag gilt in der Prälat-Lutz-Straße in Hirschlatt und in der Galleyenstraße in Eggenweiler Tempo 30. Zudem dürfen Autofahrer auf der Verbindungsstraße zwischen Hirschlatt und Eggenweiler nur noch 70 statt bisher 100 Stundenkilometer schnell fahren. Die Stadt hat die neuen Tempo-30-Zonen auf Anregung des Ortschaftsrats Ettenkirch eingerichtet. Die Anwohner der Prälat-Lutz-Straße hatten die Geschwindigkeitsbegrenzung gefordert. Zur Verdeutlichung ihres Anliegens stellten sie Puppen am Straßenrand auf, die den Durchgangsverkehr zum Bremsen auffordern sollten. Die Straße ist so schmal, dass gerade zwei Autos nebeneinander passen, Rad- oder Gehwege gibt es nicht. Die Straße führt durch ein reines Wohngebiet, wird aber von vielen als Ausweichstrecke zwischen Ravensburg und Messe genutzt.

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