Friedrichshafen/Konstanz Neue Herzen für den Katamaran

Die drei Doppelrumpfschiffe bekommen bei einer technischen Revision in der Friedrichshafener BSB-Werft neue Motoren, Propeller und Rußpartikelfilter. Die Technik soll den Verbrauch und ganz nebenbei auch Bilanzen verbessern.

Neue Herzen für Constanze, Fridolin und Ferdinand: Die drei Bodensee-Katamarane werden zur Zeit technisch überholt. Ziel ist es, den Verbrauch und damit die Ökobilanz zu verbessern. Außerdem soll der geringere Verbrauch zum wirtschaftlichen Betrieb der Doppelrumpfschiffe beitragen, die 2018 erstmals nach mehr als einem Jahrzehnt in die schwarzen Zahlen fahren sollen.

Derzeit ist Fridolin zur Revision in der BSB-Werft in Friedrichshafen. Drei Wochen dauern die Umbauarbeiten, in deren Zuge neue Motoren, Propeller und Rußpartikelfilter eingebaut werden. Die größte Maßnahme ist der Einbau der neuen Schiffmotoren. "Die alten Achtzylinder-Motoren werden durch Sechszylinder-Motoren mit je 13 Litern Hubraum ersetzt", erklärt Werftleiter Dieter Ehinger. Beide Aggregate stammen wie bisher von der Münchner Firma MAN.

Neue Motoren und Propeller: Reederei-Geschäftsführer Christoph Witte und Werftleiter Dieter Ehinger erklären die technischen Veränderungen am Schiff. Die neuen Propeller stammen von einer Firma aus Potsdam.
Neue Motoren und Propeller: Reederei-Geschäftsführer Christoph Witte und Werftleiter Dieter Ehinger erklären die technischen Veränderungen am Schiff. Die neuen Propeller stammen von einer Firma aus Potsdam. | Bild: Felix Kaestle/Katamaran-Reederei Bodensee

Die Reihensechszylinder haben mit 560 PS zwar knapp 200 Pferdestärken weniger. Dennoch können die Schiffe auch weiterhin ihre zulässige Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h erreichen. "Die Schiffe haben immer noch mehr als genug Leistung", so Ehinger. Im Alltag ist die Geschwindigkeit auf 32 km/h gedrosselt. "Wir legen nur manchmal ein paar km/h drauf, um Zeit gutzumachen", sagt Christoph Witte, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei.

Die neuen Motoren sollen mit ihrer Common-Rail-Einspritztechnologie wesentlich dazu beitragen, den Verbrauch zu senken. Das Schwesterschiff Constanze fährt bereits mit den neuen Motoren, die laut Reederei mit 373 Litern Diesel auf 100 Kilometer elf Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Aufs Jahr gerechnet sollen so mehr als eine Million Liter Diesel eingespart werden.

Der Katamaran Fridolin wird nicht nur innen, sondern auch außen in Schuss gehalten. Alle zwei Jahre bekommt er auf den Flächen unter der Wasserlinie einen neuen Anstrich aus dunklem bewuchsabweisendem Lack.
Der Katamaran Fridolin wird nicht nur innen, sondern auch außen in Schuss gehalten. Alle zwei Jahre bekommt er auf den Flächen unter der Wasserlinie einen neuen Anstrich aus dunklem bewuchsabweisendem Lack. | Bild: Kevin Rodgers

Genau wie bei neuen Autos werden auch in den Katamaranen Rußpartikelfilter eingebaut, um die Abgase zu reinigen. "Der Ruß aus den Abgasen wird komplett verbrannt", erklärt Dieter Ehinger mit Blick auf den grau lackierten MAN-Motor. "Zurück bleibt nur noch Asche."

Eine weitere technische Neuerung sind die beiden Propeller unter dem Heck der Katamarane. Die fünfblättrigen Rotoren haben einen Durchmesser von genau einem Meter und wurden von einer Firma aus Potsdam gebaut. "Die Propeller sollen noch einmal acht Prozent Spritersparnis bringen", erläutert Christoph Witte und zeigt auf die beiden Schiffsschrauben.

Blick ins Dock: Drei Wochen bleibt Fridolin in der BSB-Werft, bevor er wieder zwischen Konstanz und Friedrichshafen pendelt.
Blick ins Dock: Drei Wochen bleibt Fridolin in der BSB-Werft, bevor er wieder zwischen Konstanz und Friedrichshafen pendelt. | Bild: Kevin Rodgers

Der Einbau neuer Technik soll dazu beitragen, dass die Katamarane weiterhin vergleichsweise zuverlässig fahren. Von 10 000 Überfahrten sind im Jahr 2016 laut Reederei 108 Fahrten ausgefallen, was einer Zuverlässigkeit von etwa 99 Prozent entspricht.

Technische Ausfälle der knapp 34 Meter langen Schiffe gebe es ohnehin nur selten, so Geschäftsführer Witte. "Meistens ist das Wetter der Grund für einen Ausfall. Wenn die Wellen etwa während eines Sturmes zu hoch sind, kann der Katamaran nicht auslaufen", so Witte. Die leichten Katamarane werden schneller zum Spielball von Wind und Wellen als die großen Kursschiffe. Deshalb muss der Katamaran ab einer Wellenhöhe von 1,5 Metern im Hafen bleiben.

Ob sich das technische Update auch bei Katamaran Fridolin bewährt, zeigt sich am Mittwoch, wenn das Schiff wieder aus der Werft gleitet und zu einer Probefahrt in See sticht. Katamaran Ferdinand kommt als Dritter im Bunde im April 2018 zur Revision in die Werft.

 

Der Katamaran in Zahlen

Die Schiffe sind 33,60 Meter lang, 7,60 Meter breit und haben einen Tiefgang von 1,40 Metern. Der Katamaran benötigt für die 24 Kilometer zwischen Konstanz und Friedrichshafen 52 Minuten und verbraucht 90 Liter Diesel. 2016 meldete die Katamaran-Reederei mit 451 437 Passagieren einen Rekord. Das Defizit lag bei 30 000 Euro. Eine Einzelfahrt kostet 10,50 Euro. (kbr)

 

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