Friedrichshafen Naturwart versteht Debatte um Begriff "Negerbad" nicht

Durch einen Beitrag auf der Online-Plattform "Sag's doch" wurde eine öffentliche Diskussion über die Bezeichnung "Negerbad" entfacht, wie manche den Strand am Bodensee-Ufer bei Manzell und Fischbach nennen. Es wurde gar ein Aufruf gestartet, neue Namensvorschläge zu machen. Die Naturwarte, die den Strandabschnitt seit zehn Jahren betreuen, verstehen die Debatte nicht: Der Strandabschnitt heiße schon sehr lange offiziell Manzeller Hölzle.

Das Bodenseeufer in Manzell und Fischbach ist ein besonders schöner Platz. Schon seit Jahren trägt Naturwart Julius Pietruske zusammen mit seinem Kollegen Friedemann Mauthe viel dazu bei, dass die Natur hier gedeihen kann und viele Menschen daran ihre Freude haben können. Über die Diskussion um die heute von vielen als rassistisch eingestufte Bezeichnung "Negerbad" für den Sandstrand wundert sich Pietruske – noch mehr darüber, dass zur Findung eines neuen Namens aufgerufen wurde: "Dieser Strandabschnitt heißt doch schon sehr lange Manzeller Hölzle."

Er selbst verwende den Begriff nicht, erzählt der Naturwart bei einem Spaziergang am Strand. Aber natürlich wisse er, was gemeint sei, wenn jemand nach dem "Negerbad" frage. "Wenn ich von den offensichtlich nicht Ortskundigen wissen möchte, wie sie auf diesen Begriff kommen, höre ich als Antwort meistens: Das haben wir aus dem Internet." Wo er die Leute hinschicke? "Ich frage, ob sie lieber auf einer Wiese oder auf Sand liegen möchten", sagt Pietruske, "dann empfehle ich entweder das Freizeitgelände oder das Manzeller Hölzle." Etwas Ähnliches schlägt er vor, um die richtigen Namen bekannter zu machen: Vielleicht wäre es hilfreich, an den Zugangswegen zum Strand Schilder aufzustellen, auf denen Freizeitgelände oder Manzeller Hölzle stehe.

Viel lieber als über Namen spricht der Naturwart über die positiven Veränderungen, die zehn Jahre Arbeit am Ufer bewirkt haben. Im Hölzle zeigt er, wie sich in einem jetzt von Barrieren umgegebenen Bereich die Natur prächtig entwickelt hat. Vor zehn Jahren habe es hier noch viele Trampelpfade und wild angelegte Feuerstellen gegeben, berichtet Pietruske. "Viele haben hier gefeiert und anschließend auch viel Müll hinterlassen." An manchen Stellen sei der Boden großflächig verbrannt gewesen. Noch glimmende Reste von Lagerfeuern seien besonders für kleine Kinder, die im Sand spielten, eine Gefahr gewesen. Schließlich seien die Kinder aus den Kindergärten gar nicht mehr an den Strand gekommen.

Um die Trampelpfade verschwinden zu lassen, haben die Naturwarte hunderte von Sträuchern und Bäumen gepflanzt. Das habe anfangs längst nicht allen gefallen. Auch die Leute, die hier gern am Lagerfeuer feierten, waren anfangs nicht leicht davon zu überzeugen, keine Feuer mehr anzuzünden. Das habe sehr viele Gespräche benötigt. Inzwischen hinterlassen die Strandbesucher kaum noch Müll, freut sich Pietruske über einen weiteren Fortschritt. Es gebe aber trotz aller Bemühungen immer noch Menschen, denen es zu viel Aufwand sei, etwa 20 Meter zur nächsten Mülltonne zu laufen. So liegen an diesem Tag am Waldrand schmutzige Babywindeln. Nicht weit entfernt haben dieses Jahr Schwäne, Haubentaucher und Blesshühner gebrütet – und Kinder im Sand gespielt.

 

Der Begriff "Negerbad"

Derzeit gibt es in Sozialen Medien eine kontroverse Diskussion über die im Volksmund verwendete Bezeichnung "Negerbad" für den Sandstrand am Manzeller Ufer. Auslöser ist, dass ein Teilnehmer bei der Online-Plattform "Sag's doch" den Antrag gestellt hat, einen neuen Namen für den Strand zu finden. Begründet wurde dies damit, dass der Begriff Menschen verletze, die dunkle Haut haben. In ihrer Stellungnahme dazu teilte die Stadt mit, dass das Gelände offiziell Freizeitgelände Manzell heiße und von der Verwaltung so genannt werde. Eine Zeitung hatte den Antrag zum Anlass genommen, Namensvorschläge für den Strand zu machen.

Der Begriff "Negerbad" sei auf jeden Fall vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden, hat Naturwart Julius Pietruske von alten Fischbachern erfahren. Über den Ursprung der Bezeichnung gibt es etliche Theorien. Diejenige, die Pietruske für die glaubwürdigste hält, hat mit dem dunklen Sediment zu tun, das sich damals in dicken Schichten im noch fast geschlossenen Schilfgürtel am Ufer absetzte. Wer ins Wasser wollte, musste durch, wer wieder raus wollte, ebenso. Deshalb seien zumindest die Beine der Badenden immer braun gewesen, manchmal auch der ganze Körper. Dann habe mancher wohl gesagt: "Jetzt siehst Du aus wie ein Neger." Neger war zu dieser Zeit der einzige Begriff, der für Menschen mit dunkler Hautfarbe gebräuchlich war.

 

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