Friedrichshafen Musik nicht nur zum Advent mit Weltpremiere

Beim Konzert im Karl-Maybach-Gymnasium präsentieren Chöre und Ensembles ein abwechslungsreiches Programm – erster Auftritt der "Streichhölzer"

Der Weihnachtsbaum leuchtet in der KMG-Aula, hektisch suchen die letzten Besucher ihre Plätze, da legt der MIO-Chor schon los. Solistin Greta Hartleb startet nachdenklich: "There are times when you might feel aimless". Leise und gelassen kommen die anderen Sänger dazu. Ihre Stimmen, in denen sich Kindliches und Jugend mischen, machen Stephanie Mabeys "Glorious" auf besondere Weise wahrhaftig: "It's like a symphony just keep listenig, and pretty soon you'll start to figure out your part." Sie wissen, wovon sie singen. Auch der Queen-Song "Bohemian Rhapsody" beginnt ganz leise. Hell flüsternd fragen sie "Is this the real life, is this just fantasy?" Dunkler folgt der Weckruf: "Open your eyes look up to the skies and see". Mühelos wechseln sie unter einladender Leitung von Esther Meuth-Binder zwischen Rock und Melancholie, Sologesang und Tutti, mal singen nur Jungen "I'm just a poor boy, nobody loves me". Am Ende sinken die Töne in sich zusammen: "nothing really matters..."

Auf den originallen Namen "Streichhölzer" taufte sich das frisch gegründete Unterstufenorchester des KMG. Geleitet wird es von der Schülerin Leonie Schmidt.
Auf den originallen Namen "Streichhölzer" taufte sich das frisch gegründete Unterstufenorchester des KMG. Geleitet wird es von der Schülerin Leonie Schmidt. | Bild: Corinna Raupach

Danach erlebt das Publikum im Casino des KMG eine Weltpremiere: die "Streichhölzer" haben ihren ersten Auftritt. Sie sind das neu gegründete Unterstufenorchester. Lehrerin Verena Witzig steht am Bass, vor den Kindern steht Leonie Schmidt aus der K1. Sie selbst spielt Bratsche, hat eine Musikmentorenausbildung gemacht und dirigiert, als hätte sie nie etwas anderes getan. In aller Ruhe schlägt sie den Takt, gibt Einsätze und hält mit aufmerksamen Blicken alle zusammen. Die 13 kleinen Streicher folgen ihr hoch konzentriert. Sie spielen drei englische Weihnachtslieder, sauber, durchsichtig und sehr feierlich.

Chopins Klavieretüden wurden schon die "Magna Charta des Klavierspiels". Sabeth Gersak lässt in der c-moll-Etüde aus dem zweiten Zyklus stürmische Wogen einen dunklen Gedanken umrauschen. Ein sanfteres Thema schleicht sich ein, dann tost, sprüht und funkelt es bis zum Schlussakkord.

Knackige Trompeten geben den Ton an, die Saxophon-Fraktion legt die Melodie von Maurice Whites "September" darunter. Posaunen liefern Kommentare und von hinten befeuern gleich mehrere Schlagzeuger und ein solider Bass den Rhythmus – die Big Band legt los. So wenig Bewegungen Peter Haas beim Dirigieren macht, so viel Temperament und Tempo kommt von der Bühne. Leichtfüßig und gut gelaunt werfen sie sich in Frank White Meachams "American Patrol" die Themen zu, das Schlagzeug mischt sich mit kleinen Soli ein. Im Blues-Brothers-Hit "Everbody needs somebody to love" quirlen sie flott und präzise umeinander.

Die Blechbläser der Big Band spielen "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit".
Die Blechbläser der Big Band spielen "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit". | Bild: Corinna Raupach

Das Rezept gegen Adventsstress präsentiert der Unterstufenchor mit der Alpen-Rumba. Mit frischen Stimmen und in schönstem Schweizerdeutsch emfpehlen sie: "Reg di nit uf" und singen mit Vergnügen und passender Choreographie "Chlungi, Halunki, Ribeli Rabeli Räbeli Robeli Böll!" Michel Sardous Chanson "Je vole" singen sie wohltuend unsentimental, als freuten sie sich schon auf die künftige Freiheit. Bei "Mary, rock your little Baby" wippt der Chor hin und her. Renate Schulz animiert ihre Sänger regelrecht, sie singt und tanzt ihnen zu, so dass sich neben den Kindern auch die Eltern mitreißen lassen und mitklatschen.

Mit der "Harlekin-Ouvertüre" von Jürgen Löchter erzählt Jenny Zipprick Geschichten eines Clowns auf dem Akkordeon. Er ist traurig und weiß nicht, wohin mit seinen Tönen, wagt ein Tänzchen und probiert sich in tiefen Experimenten, eher er sich endlich zu einem Walzer aufrappelt.

Das Streicherensemble des KMG wächst langsam aber stetig zu einem Orchester heran. Beim Adventskonzert sind neben dem Schlagzeug auch Flöten und eine Oboe dabei. Beim ersten Stück bleiben sie kammermusikalisch: die Stimmführer der Streicher geben die Pastorale aus Corellis Weihnachtskonzert. Weich wiegend umspielen sie einander, lassen einer dem anderen den Vortritt und zeichen ein Bild tiefen Friedens. Auch die Orchesterversion von "Shrek" bleibt freundlich. Zwischen pizzicati der Celli, sanften Linien der Bratschen und zartem Flirren der Geigen entspinnt sich das Märchen vom guten, aber hässlichen Shrek und seiner Fiona. Ein fetziges Intro vom Schlagzeug und mit "Christmas in the Caribbean" leiten die Musiker über zum letzten Programmpunkt: Wie jedes Jahr singen Sänger, Musiker und Publikum zusammen "Macht hoch die Tür", mit dem das Konzert seinen adventlichen Ausklang findet.

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