Friedrichshafen Messerstecherei: Verteidiger wollen Reduzierung der Anklagepunkte

Noch nicht entscheiden will die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg zwei Anregungen der Verteidigung zur Reduzierung der Anklagepunkte gegen ihre Mandanten im Prozess um die Messerstecherei gegenüber der Friedrichshafener Feuerwache.

In die siebte Runde ging am Montag der Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg gegen zwei 23 und 27 Jahre alte Brüder wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie einen 26-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen. Noch keine Bewertungen wollte die Kammer dabei zu den Ansinnen der Verteidiger Daniel Mahler und Achim Ziegler vornehmen.

Mahler bezweifelt, dass der 27-jährige Angeklagte sich am 19. September 2016 auf dem Parkplatz gegenüber der Häfler Feuerwache wegen der Stichverletzungen am Arm eines versuchten Totschlags an dem 23-jährigen "Shisha Rapper" schuldig gemacht hat. Die Stiche habe nach jetzigem Stand nur der jüngere Bruder ausgeteilt. "Die Problematik sehen wir durchaus und auch die Frage: Welchen Vorsatz hat er gehabt?", meinte der Vorsitzende Richter Jürgen Hutterer.

Ziegler sieht nach der bisherigen Beweisaufnahme für den 26-jährigen Angeklagten nur eine gemeinschaftliche Körperverletzung, die wegen geringer Schuld mit Auflagen und Weisungen eingestellt werden könnte. "Es ist unmöglich, dass wir eine tiefergehende Würdigung an dieser Stelle machen", entgegnete Hutterer.

Am Verhandlungstag wurden Teile der Gesprächsprotokolle zwischen den drei "Shisha Rappern", also dem 24-jährigen Hauptopfer, dem auch verletzten 23-Jährigen und dem vor der Auseinandersetzung gegangenen 25-Jährigen, über WhatsApp mit Gesprächsaufnahmen und Bildschirmfotos der Konversation zwischen dem 24-Jährigen und dem jüngeren Bruder sowie Nachrichten des 24-Jährigen mit dem 34-jährigen Begleiter der "Shisha Rapper" verlesen, abgehört und angesehen. Unmissverständlich ist bei der "Shisha-Rapper"-Unterhaltung, dass sie sich in eine Aggression gegen den 23-jährigen Angeklagten und den 25-Jährigen, der in der Nacht zuvor eine Auseinandersetzung mit dem 24-Jährigen vor einer Häfler Disco hatte, in teilweise drastischen Worten hineinsteigern und diesen gerne eine Abreibung verpassen würden. Klar ist aber auch, es gibt keine Verabredung für den Tatabend.

Beim Urteil relevant werden die Vorstrafen der Angeklagten sein, die verlesen wurden. Der jüngere Bruder steht Anfang 2010 erstmals wegen Körperverletzung vor Gericht, Ende 2010 wegen fahrlässiger Körperverletzung, als er ein damals achtjähriges Mädchen umfährt, das an einem Übergang die Straße überqueren will, 2011 greift er in Tettnang mit anderen mehrfach Polizisten an und verprügelt Teilnehmer einer Abschlussfeier. Da erklärt er laut Protokoll: "Das sei seine Stadt." Was damit gemeint sein könnte, wird bei weiteren Schlägereien deutlich. Er hat, das wurde im Prozess deutlich, wie sein Bruder eine Black-Jackets-Vergangenheit und diese prügeln sich in Tettnang mit der "Lake Constance Crew", Unterstützern der Hells Angels Singen.

Mehrfache Gewaltausbrüche gibt es laut Akten auch bei seinem älteren Bruder, teilweise gemeinsam. Bei diesem kommen noch unerlaubter Handel mit Dopingmitteln hinzu. Das Vorstrafenregister des 26-jährigen Angeklagten ist dagegen lupenrein.

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