Friedrichshafen Medizin-Campus-Chef Johannes Weindel: „Wir managen den Mangel“

Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg bekommen in diesem Jahr mehr Geld, aber nicht genug, um beispielsweise steigende Personalkosten auszugleichen. Auch der Medizin Campus Bodensee muss straff rechnen.

Vor drei Wochen entschied eine Schiedsstelle nach drei erfolglosen Vermittlungsversuchen, wie viel Geld die Kliniken in Baden-Württemberg von den Krankenkassen in diesem Jahr erhalten. Mit am Tisch saß Johannes Weindel, Geschäftsführer am Medizin-Campus Bodensee, der mit dem Schiedsspruch alles andere als zufrieden ist. Zwar gibt es mehr Geld für Klinikleistungen, aber nicht genug, um im Schnitt drei Prozent höhere Personalkosten auszugleichen. „Wir managen den Mangel“, sagte Johannes Weindel bei einem Pressegespräch.

Der Unmut entzündet sich am Landesbasisfallwert, der Grundlage für die Vergütung von Krankenhausleistungen in Baden-Württemberg ist. Jedes Jahr wird dieser Preis zwischen Kassen- und Klinikverbänden neu verhandelt. Die Kassen sitzen dabei am längeren Hebel, sagt Weindel, denn verteilt werde in diesem „gedeckelten System“ nur das, was sie an Einnahmen haben. Bundesweit sollten die Kliniken in diesem Jahr 2,95 Prozent Mehreinnahmen bekommen. Das hätte allein für den Klinikverbund am Bodensee ein Plus von 1,6 Millionen Euro ausgemacht. Doch der Landesbasisfallwert wurde mit dem Schiedsspruch auf 1,4 Prozent heruntergerechnet, weil die Krankenhäuser 2015 mehr Patienten behandelt und damit mehr Leistungen abgerechnet haben. „Für alle Krankenhäuser im Land ist das eine Katastrophe“, klagt Weindel. Die Wirtschaftspläne vieler Kliniken, die mit Mehreinnahmen von 2,95 Prozent kalkuliert haben, seien Makulatur. Friedrichshafen hingegen habe sehr konservativ gerechnet, kann Weindel diesem „Desaster“ wenigstens noch etwas Positives abgewinnen.

Insgesamt erhalten die Krankenhäuser im Land 8,2 Milliarden Euro von den Krankenkassen, rund 190 Millionen Euro mehr als 2015. Die Hälfte davon zahlt die AOK Baden-Württemberg. Hier räumt der Vorstandsvorsitzende sogar ein, dass die Absenkung des Landesbasisfallwerts „hinterfragbare Kostensteigerungen“ eingerechnet habe. „Uns ist die finanzielle Schieflage mancher Krankenhäuser durchaus bewusst. Strukturelle Probleme in der Krankenhausversorgung in Baden-Württemberg sind aber nicht durch immer mehr Geld zu lösen“, teilte AOK-Landeschef Christopher Hermann nach dem Schiedsspruch mit. Nötig seien konsequente Strukturreformen – womit er beispielsweise die Schließung unren tabler Kliniken meint.

Auf Bundesebene wird noch schärfer argumentiert. Die Krankenhäuser bekommen nach Darstellung des Bundesverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) 2016 eine Milliarde Euro mehr als notwendig. „Personalkosten inklusive Tarifabschlüsse werden durch die Krankenkassen voll und ganz getragen. Die von den Krankenhausverbänden beklagte Tarifschere ist ein Märchen, das den Fakten nicht standhält“, sagt Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des GKV-Spitzenverbandes. Für Johannes Weindel sind solche Kommentare nicht verwunderlich. „Der Interessenkonflikt zwischen Kassen und Kliniken ist doch vorprogrammiert.“ In den 1980er-Jahren hätten die Krankenhäuser ihre Tarife noch mit örtlichen Krankenkassen verhandelt. Heute würden Kosten bundesweit über einen Kamm geschert, obwohl es regional allein bei den Personalkosten – größter Posten im Budget jeder Klinik – große Unterschiede gebe. In Baden-Württemberg seien die Personalkosten höher als im Bundesschnitt – und der Landesbasisfallwert ja deutlich abgesenkt. Jammern allerdings hilft nichts. Der Medizin-Campus will mit allen drei Krankenhäusern trotz der schwierigen Rahmenbedingungen bis 2019 die schwarze Null schreiben.

 

Medizin-Campus

Der Medizin-Campus Bodensee wurde vor etwa sieben Monaten nach langer Vorbereitung gegründet. Das Klinikum Friedrichshafen hatte nach dem Kauf des Krankenhauses 14 Nothelfer in Weingarten auch die Klinik Tettnang von den Waldburg-Zeil-Kliniken übernommen. Das Ergebnis ist der Medizin-Campus, ein regionaler Klinikverbund, der kommunal getragen wird. Zusammen bündeln die drei Krankenhäuser medizinische Leistungen in zwölf Kompetenzzentren, von der Grund- bis zur Spezialversorgung. Geschäftsführer ist Johannes Weindel. (kck)

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