Friedrichshafen Maulart rockt die Teuringer Mühle

Chanson, Schlager und Rap: alles auf Schwäbisch, ganz ohne „Hochdeitsch“ in der Teuringer Mühle

Schwäbisch total war angesagt beim Maulartkabarett – alias Wolfgang Engelberger und Siegfried „Siege“ Schock in der Teuringer Mühle. Letzterer hoißt au no „MuSiegfried“, was vielleicht der schwäbischen Sparsamkeit an Silben geschuldet ist, aber auf jeden Fall auf sein musikalisches Talent hinweist. „Jo gohts no!“ heißt das Programm der beiden gschtandenen Mannsbilder, und nach diesem Abend kann man nur sagen: „Und wia!“ Sie pflegen die Tradition des feinen schwäbischen Humors, der nur vom Klang der Mundart etwas derb daherkommen mag, aber fast immer oberhalb der Gürtellinie angesiedelt ist und für den vor zwanzig Jahren schon der selige Manfred Hepperle stand. Sie schlüpfen in viele Rollen auf der Bühne. Mal als Frau Bott, die Herrn Krattemacher über gesunde Ernährung und „Palaststoffe“ aufklärt, als Mann, der dank Therapeut („Den zahlt d'Krankekass und so sieht er au aus“) zu seinem Hund Harald gekommen ist „en Goldenretrieverpudeldackelspitz“, oder als Hausmeister im Rathaus, der beim Kulturreferent einen Bilderrahmen ohne Inhalt aufhängen muss und von ihm belehrt wird: „Die nihilistische Darstellung des Nichts ist der faktische Beweis für das Sein“. Der Hammer ist das Ehepaar Paula und Erwin vor dem Fernseher. Er will Fuaßball gucke, sui en Rosamunde-Pilcher-Film: „Fuaßball macht aggressiv! So viele Seckel und Grasdackel vertoilscht sonscht it in drei Stund!“

Übertroffen werden die szenischen Darstellungen nur noch von den musikalischen Einlagen. Mit der Hand auf dem Herzen stehen sie auf der Bühne und schmettern voller Inbrunst die von ihnen getextete Schwaben-Hymne – „Liebe Badner Freunde, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein“ – auf die Melodie des Badner-Liedes: „Glückauf, Glückauf mein Schwabenland!“ Sie können auch von französischen Chansons inspiriert melancholisch daherkommen – wenn auch nicht lang – und schunkelschlagerbierzeltmäßig vom Vollmond über Mochawanga singen. Die Leidenschaft der beiden für Flohmarktbesuche erklären sie im Refrain: „I gang so gern auf d'r Flohmarkt, weil da alles billig isch!“ Das Publikum singt mit, klatscht mit und begrüßt jede Pointe. Der Text ist ja auch einfach, nur ein Buchstabe „U-U-U-U-U“ und schon ist die Begleitung fertig für das vermeintliche „Knocking on Heaven's Door“, das sich zu den Lachtränen der Gäste als „Nacket am Frauentor“ entpuppt. Geradezu hitverdächtig ist der Bodensee-Rap. Das Publikum ersetzt die Rhythmusmaschine für den richtigen Hip-Hop-Sound, eine dunkle Sonnenbrille und eine schräge Kappe bilden das perfekte Outfit, die Körperhaltung haben sie aus einem orthopädischen Lehrbuch abgeschaut: „Sieht bschisse aus, aber g'hert so!“ Und dann geht's los: „Mir räpped bis d'Hos am Fidla beppet!“ Noch gibt's ihn nicht auf CD, aber man kriegt diesen Sound nicht mehr aus dem Ohr, „des isch der Bo dr Bo, dr Bodeseerap!“

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