Friedrichshafen Kurz vor dem Auswendigsingen

Camerata Serena führt am 13. März unter der Leitung von Nikolaus Henseler das Deutsche Requiem von Brahms auf

Die Arme gehen nach oben, die Schultern kreisen und ein langes fffff fliegt zum Fenster hinaus. Die Beine schulterbreit, Quinten rauf, Quinten runter. „Oben nicht so scharf ansetzen“, sagt Nikolaus Henseler und beobachtet seine Gesangssportler beim lockeren Aufwärmtraining im Schloss Hersberg. „Wir machen insgesamt nur acht Chorproben“, sagt er, „das ist sehr sportlich, aber die Sänger der Camerata Serena kamen gut vorbereitet an“. Auch mit dem Probenwochenende in Ochsenhausen war er mehr als zufrieden. „Wir sind jetzt in der luxuriösen Situation, dass wir nur noch an den Stellen arbeiten müssen, die mir aufgefallen sind.“ Und das macht er akribisch.

Ruhig aber sehr bestimmt optimiert Henseler Details. „Ich bin auf den Chor aufmerksam geworden, da er eine wundervolle Klangfarbe hat“, sagt Sigrid Haas, die ganz neu dabei ist und die Altstimme singt. „Als Atem-, Sprach- und Stimmlehrerin habe ich selten einen Chor erlebt, der so an der Sprache, an Vokalen und Konsonanten feilt. „Ich bin seit 1990 in der Camerata“, sagt Sopranistin Gabriele Renz. „Das Brahms-Requiem war mein erstes Werk, jetzt singe ich es zum dritten Mal und finde es spannend, wie Nikolaus Henseler das Werk sieht und interpretiert“.

Die Achtelgruppen im vierten Satz will er ganz locker. Das sei ein bisschen wie alte Musik und damit typisch für Brahms, erklärt er. Denn Komponisten wie Bach und Händel hatten einen großen Einfluss auf den Komponisten des späten 19. Jahrhunderts, der sich zeitlebens dem Vergangenen verpflichtet fühlte und trotzdem ein ganz eigenständiges Werk schuf. So verabschiedete er sich im Deutschen Requiem nicht nur von der lateinischen Sprache sondern auch vom bisher üblichen Kanon der traditionellen Totenmesse und widmete seine Texte, die er sowohl dem Alten, als auch dem Neuen Testament der Lutherbibel entnahm, in erster Linie den Lebenden zum Trost. Auf Christus, den Erlöser verzichtete der religiöse Freigeist dabei komplett.

Als das Werk 1868 mit zunächst sechs Sätzen uraufgeführt wurde, war Brahms 35 Jahre alt und hatte nach vielen Klavierstücken und Liedern sein erstes großes Werk geschaffen, das ihm endlich zum Durchbruch verhalf. Ein Jahr später komponierte er einen weiteren Satz und setzte diesen an die fünfte Stelle. „Der sechste Satz fordert stimmlich am meisten“, sagt Henseler und sieht die größte methodische Herausforderung darin, den Chor nicht zu überlasten. Doch Tenor Wendelin Weber, 58, der bereits mit sechs Jahren zu singen begann, ist da ganz anderes gewohnt. Mit dem Bregenzer Festspielchor singt er Verdi, Puccini und Bizet. Aber auch Brahms hat Dramatisches zu bieten. Als Henseler an einer rhythmisch anspruchsvollen Stelle den Text nur sprechen lässt, macht das Gänsehaut. „Da wird man im Konzert mitgerissen“, sagt er, „da hat man keine Chance auf kühlen Kopf und kaltes Blut“.

„Ich suche mir Chöre, wo ich gefordert bin und es darum geht, mit guten Leuten auf musikalisch hohem Niveau zu arbeiten“, sagt Arno Kleiß. Der 61-Jährige Bassist hat Gesang studiert und schon in verschiedenen Kammerchören gesungen. Schön findet er, dass mit Nikolaus Henseler viele engagierte ZU-Studenten zur Camerata kamen und diese mit ihren teilweise einmaligen, jungen Stimmen bereichern.

Nach dem „Ausdauertraining“ kommen auf der Zielgeraden das Orchester „La Banda“ und die Solisten Mechthild Bach, Sopran und Thomas Gropper, Bariton dazu. Der Zieleinlauf, die Aufführung, findet am 13. März um 18 Uhr im GZH statt.

Karten sind im Vorverkauf im Graf-Zeppelin-Haus für 32, 28, 24 und 18 Euro erhältlich. Eintritt für Schüler und Studenten ist jeweils um 10 Euro ermäßigt.

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