Friedrichshafen Krimi mit erschossenem Gartenzwerg

Kriminacht bei Ravensbuch in Friedrichshafen mit Autor Georg Haderer und Peter Köstlinger von der Kripo

Sein Humor ist köstlich und die Lesung fantastisch. Der österreichische Krimiautor Georg Haderer aus Wien las in der Buchhandlung Ravensbuch in Friedrichshafen aus seinem aktuellen Kriminalroman „Es wird Tote geben“. Der Profi im Hintergrund – Polizeihauptkommissar Peter Köstlinger aus Friedrichshafen – amüsierte sich ebenso prächtig wie das restliche Publikum.

Kein Wunder: Protagonist Major Peter Schäfer erweist sich in seinem nunmehr fünften Fall einmal mehr als gleichermaßen genial wie abgedreht. Der Superermittler aus Wien wurde in die Provinz versetzt und versucht sich mit der ländlichen Ruhe zu arrangieren. Doch mit der ist es spätestens vorbei, als ein deutsches Filmteam auftaucht, um ausgerechnet in seinem Zuständigkeitsbereich den Pilotfilm zu einer deutschen Krimiserie mit dem vielversprechenden Titel „Schrot und Korn“ zu drehen. „In Österreich entschuldige ich mich immer für den Zynismus gegenüber der österreichischen Provinz“, meint Haderer schmunzelnd und entschuldigt sich beim Publikum für die Vorurteile „seines“ Majors gegenüber den Deutschen. Unnötig eigentlich. „Erstaunlich: diese Menschen sahen wirklich so aus, wie man sich landläufig die Verantwortlichen einer zweitklassigen deutschen Filmserie vorstellte. Zudem hatte sie die Raucherlaubnis in diesem Kirschholz-Separee offensichtlich über jedes gesunde Maß hinaus begeistert.“

Haderer schreibt ausgezeichnet. Mit zwei Nebendarstellern, einem Raben und einer Katze, liefert er fabulöse Einsprengsel.

Er verfügt zudem über bemerkenswert gute Sprecherqualitäten. Während der Lesung setzt er so die von ihm geschaffenen Charaktere lebendig und kraftvoll in Szene. Angefangen bei seinem skurrilen und psychisch labilen Helden, ausgestattet mit einer verkorksten Vergangenheit: Schäfer, der Superbulle, der Retter in der Not und „Hüter der Lebensqualität“. Über seine Kollegen bei der örtlichen Polizei, einen orientierungslosen Bürgermeister und das schräge deutsche Filmteam bis hin zu der Mutter, die ihr seit elf Jahren vermisster Sohn Sascha zuerst in die Verzweiflung und dann in den Wahnsinn getrieben hat. Nicht zu vergessen die beiden hässlichen Gartenzwerge, die zwar nicht reden könne, die Schäfer jedoch „erschießen“ muss, um einen aufgrund amtlicher Bauvorschriften rasend gewordenen Anwohner zur Vernunft zu bringen.

„So einen wie Schäfer gibt es in der Realität nicht“, zieht Köstlinger im Anschluss an Haderers Lesung den Vergleich zur Wirklichkeit. Denn da gilt: „Du musst ein Team sein.“ Während viele Beziehungstaten oft schnell aufgeklärt seien, sorgten bei den schwierigeren und somit wirklich interessanten Fällen vor allem Manpower und Zufälle für deren Aufklärung. Doch Wirklichkeit hin oder her: „Der Schäfer, der gefällt mir so gut, weil er einfach anders ist“, sagt Köstlinger und erzählt beeindruckend offen seine eigene Geschichte. Krimis hat er schon immer gern gelesen. Mit 20 wurde er Vater, brauchte ein festes Einkommen und wurde Polizist. Mit 27 wechselte er von der Schutzpolizei zur Kripo. Während seiner Tätigkeit als Ermittler sah er auch viel Grausames. Das Flugzeugunglück in Überlingen vor zehn Jahren mit 71 Toten zeigte ihm die Grenzen seiner persönlichen Belastbarkeit auf. Ihm wurde klar: „Ich kann das nicht mehr machen.“ Köstlinger fand in der Prävention sein neues Aufgabenfeld, dem er sich ganz und gar verschrieben hat. „Sie haben bei uns einen Vortrag gehalten...“, beginnt ein Kapitel in Haderers Buch, aus dem der Autor extra für Köstlinger liest. Schäfer soll einen Vortrag vor Gymnasiasten halten: „Wie wollte er, der Bulle, der Feind, diese verlorene Jugend denn mit einem Vortrag bekehren?“ Kriminalhauptkommissar Peter Köstlinger berichtet aus erster Hand von seinen eigenen Vortragserfahrungen.

Er geht in Schulen, spricht vormittags vor Schülern und abends vor deren Eltern. Er klärt über Internetkriminalität auf und versucht, Straftaten im Internet vorzubeugen. Zwar zeige das Konzept Erfolg, doch Köstlinger sieht die ernste Sachlage: „Die Kinder sind völlig unbedarft. Für die Eltern gehört eine ordentliche Wissenserweiterung her!“ Haderer blieb eine Karriere bei der Polizei verwehrt, denn mit 18 fiel er bei der Musterung durch. Als Autor ist Haderer längst kein Unbekannter mehr. Seine Karriere scheint gesichert. Auf jeden Fall stehen er und sein Protagonist offenbar in einem regen Dialog, bei dem sich keiner vom anderen die Butter vom Brot nehmen lässt. Schäfers sechster Fall ist also schon in Sicht.

Georg Haderer: Es wird Tote geben, 328 Seiten, Haymon-Verlag 2013, 19,90 Euro

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