Friedrichshafen Kluftern im Wanderfieber

Rieseninteresse bei der Grenzsteinwanderung zwischen Baden und Württemberg am Samstag.

Irgendwie schien der Tag dafür wie gemacht zu sein: Mit der Grenzsteinwanderung ist dem Geschichtsverein Kluftern ein Auftakt ins Jubiläumsjahr gelungen, wie er besser nicht hätte sein können. Alle Kluftinger im Wanderfieber? Bei rund 150 interessierten und begeisterten Teilnehmern konnte man sich dieses Eindrucks wirklich nicht erwehren. Dass sich die dreieinhalb Stunden an der frischen Luft und auf Schusters Rappen lohnten, dafür sorgte aber nicht nur das gute Wetter, sondern vor allem auch die kompetente Führung durch Walter Eiermann, der nicht nur historische Fakten sondern auch manch nette Episode parat hatte.

„Wer ist überhaupt an dem ganzen Schlamassel schuld“, will Eiermann gleich zu Beginn von seiner mitmarschierenden Gruppe wissen. Wer wohl? „Natürlich Napoleon. Der war nämlich dafür verantwortlich, dass sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die politischen Grenzen mal wieder verschoben haben.“ „Ziemlich spannend“, sagt auch der neunjährige Fabian, der mit seiner ganzen Familie gekommen ist. Dass die württembergische Seite mit „Grüß Gott“, die badische mit einem nicht weniger standesgemäßen „Guate Tag“ begrüßt wird, ist sowieso klar. Jetzt aber los, um die Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden um dem Königreich Württemberg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Vom Bahnhof Kluftern geht's über Feldwege nach Landholtshof, in östlicher Richtung bis Weiherberg und Oberraderach, nach Hugenloch und am späteren Nachmittag wieder zurück zum Ausgangspunkt. Gut beraten, wer festes Schuhwerk mitgebracht hat. Man braucht auch nicht lange zu warten, bis die ersten, teilweise sehr gut erhaltenen Grenzsteine, die aus dem Jahr 1888 datieren, in Augenschein genommen werden können. „Viele sind allerdings in der Zwischenzeit verschwunden“, erklärt Walter Eiermann und weist darauf hin, dass in den durchnummerierten Grenzsteinen auch die Jahreszahlen und am Kopfende auch der Verlauf der Grenze eingraviert sind. Zwischendurch immer wieder mal todesmutig einen Bach zu überspringen, auch das ist im Wanderprogramm kostenlos enthalten. A propos todesmutig: Das war auch die schöne Rosa, Tochter des edelmütigen Ritters von Tannenburg, als sie den kleinen Sohn des Ritters von Fichtenburg aus einem Brunnen rettete – und das, obwohl besagter Fichtenburg eigentlich der Erzfeind des guten Tannenburg war. Dass somit aus Feindschaft wurde, auch diese Sage aus dem finsteren Mittelalter weiß Walter Eiermann am historisch korrekten Standort in Raderach zu erklären. Wieder was gelernt und wieder die Erkenntnis gewonnen, dass das Jubiläum 1250 Jahre Kluftern sicher noch viel zu bieten hat. Jetzt aber erst mal eingekehrt und sich die verdiente Vesper so richtig schmecken lassen.

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