Friedrichshafen Klinikum Friedrichshafen richtet Palliativzimmer ein

Todkranke und Sterbende sollen im neuen Palliativzimmer des Häfler Klinikums die letzten Tage ihres Lebens verbringen und sich in Würde von ihren Angehörigen verabschieden können.

Immer wieder steht Kardiologe Detlev Jäger am Bett von schwerstkranken Patienten. Von manchen weiß er, dass sie das Krankenhaus nicht lebend verlassen werden. "Das betrifft nicht nur Tumorpatienten, sondern auch solche mit Herzinsuffizienz. Das kann einen Tag dauern, es kann auch vier Tage dauern.

Patienten aus dem Klinikalltag rausnehmen

In einem Dreibettzimmer kann man so einen Patienten nicht angemessen betreuen", sagt der Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Friedrichshafen. Er regte die Einrichtung eines Palliativzimmers an, das jetzt dank des Engagements des Fördervereins Wirklichkeit geworden ist. "Hier können wir den Patienten aus dem Klinikalltag rausnehmen und ihn für die letzten Tage allein in Ruhe oder mit seiner Familie unterbringen", sagt Jäger.

Ohne Krankenhausatmosphäre

Warme Holztöne an den Wänden und auf dem Boden, frische Blumen und zeitlos elegante Sessel geben dem Raum eine freundliche Atmosphäre. Die Wand, auf die der Patient schaut, ist in warmem Rot gestrichen. "Die Aufgabenstellung war, einen ruhigen Raum zu schaffen, ohne Krankenhausatmosphäre, der auch für Angehörige angenehm ist", sagt Architekt Marcus Brinkmann. Um die Wohnzimmeratmosphäre nicht zu stören, hat er die kleine Teeküche im Schrank versteckt. In einem anderen Schrank steht ein Liegesessel, auf dem Angehörige auch übernachten können.

Für die letzten Tage ihres Lebens

"Wir haben uns abgestimmt bei der Ausgestaltung und Möblierung", sagt Hans-Joachim Simmendinger, der Vorsitzende des Fördervereins. "Wir wollten einen Raum, in dem Todkranke und Sterbende die letzten Tage ihres Lebens verbringen und sich in Würde verabschieden können. Das hängt eng mit der Umsetzung eines Behandlungskonzepts zusammen." Seit einem halben Jahr verfolgt das Klinikum einen ganzheitlichen Ansatz in der Palliativtherapie.

Hospizdienst hilft bei Betreuung

Schwerstkranke bekommen nach Möglichkeit ein Einzelzimmer. Fach- und Schmerzmediziner, Psychologen, Krankengymnasten, ein Maltherapeut und der ehrenamtliche Hospizdienst arbeiten bei der Betreuung zusammen. "Wir treffen uns einmal in der Woche, um uns abzustimmen oder etwa den Übergang in ein Hospiz besser vorzubereiten", sagt Mona Schmidt, Oberärztin für Innere Medizin. "Wir freuen uns, dass wir ein schönes Zimmer haben, in dem ein würdevolles Sterben möglich ist. Aber wir brauchen auch Schwestern, die ausgebildet sind und Zeit haben."

Schmerztherapie gehört dazu

Das Klinikum Friedrichshafen hat daher den Stellenschlüssel für die Station angehoben. "Palliativpatienten brauchen eine spezielle Pflege. Schmerztherapie gehört dazu. Wir behandeln auch Symptome wie Atemnot", sagt Evelyn Schneider, kommissarische Pflegedirektorin am Medizin Campus Bodensee. Speziell ausgebildete Schwestern prüfen individuell, ob pflegerisch etwas verbessert werden kann, bei der Ernährung etwa. Manchmal tut auch eine Massage gut oder ein Fußbad. "Wir arbeiten eng mit dem ambulanten und dem stationären Hospizdienst zusammen," sagt Evelyn Schneider.

Begleitung für Schwerstkranke und Sterbende

Die Helfer vom Hospizverein bieten Schwerstkranken und Sterbenden Begleitung an. "Das sind geschulte Ehrenamtliche, unerschrocken und mit der Qualifikation zum Aushalten", sagt Brigitte Tauscher-Bährle vom Hospizverein. Der Verein sagte seine Zusammenarbeit mit dem Klinikum sofort zu. "Es gibt Menschen, die können auch als Sterbende nicht nach Hause und auch nicht ins Hospiz, sie brauchen intensive fachärztliche Behandlung", sagt Tauscher-Bährle. An dem neuen Palliativzimmer gefällt ihr vor allem, dass es viel Platz für Angehörige bietet. "Wenn Angehörige da sind, sind wir nur begleitend und rückenstärkend tätig", sagt sie. "Das Zimmer ist ein wichtiger Baustein in der Palliativtherapie", fasst Klinikdirektor Jochen Wolf zusammen.

Das Zimmer ist ein gemeinsames Projekt von Klinikum, Förderverein und Hospizverein. Von links: Brigitte Tauscher-Bährle, (Hospizverein), Marina Stiller (Hospizverein), Detlev Jäger (Chefarzt Kardiologie), Evelyn Schneider (kommissarische Pflegedirektorin), Mona Schmidt (Oberärztin und Onkologin), Jochen Wolf (Klinikdirektor), Hans-Joachim Simmendinger (Vorsitzender Verein der Freunde und Förderer des Klinikums), Seda Kalp (Onkologische Schwester), Wilhelm Beiter (Förderverein), Josef Weißhaupt (Förderverein) Marcus Brinkmann (Planung und Bauleitung) und Wolfgang Otto (Förderverein).
Das Zimmer ist ein gemeinsames Projekt von Klinikum, Förderverein und Hospizverein. Von links: Brigitte Tauscher-Bährle, (Hospizverein), Marina Stiller (Hospizverein), Detlev Jäger (Chefarzt Kardiologie), Evelyn Schneider (kommissarische Pflegedirektorin), Mona Schmidt (Oberärztin und Onkologin), Jochen Wolf (Klinikdirektor), Hans-Joachim Simmendinger (Vorsitzender Verein der Freunde und Förderer des Klinikums), Seda Kalp (Onkologische Schwester), Wilhelm Beiter (Förderverein), Josef Weißhaupt (Förderverein) Marcus Brinkmann (Planung und Bauleitung) und Wolfgang Otto (Förderverein). | Bild: Corinna Raupach

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