Friedrichshafen Kita und Pflegeheim unter einem Dach

Neues Wohnkonzept soll Generationen zusammenbringen

Wolf-Dieter Korek, Leiter des Geschäftsbereichs Kinder-Jugend-Familie der kirchlichen St. Elisabeth-Stiftung, zeigt stolz die künftige Cafeteria des Neubaus an der Meckenbeurer Hauptstraße. Hier entsteht ein Wohnpark mit 48 Pflegeheimplätzen, 31 altersgerechten Appartments und einer Montessori-Kindertagesstätte für 30 Kinder zwischen einem und sechs Jahren. "Das ist hier ein Ort der Begegnung, wo Alt und Jung sich treffen können", sagt Korek. Im Oktober ziehen die ersten Bewohner ein, parallel startet die Kita – und das unter einem Dach.

Ein Konzept, das in Zeiten des demografischen Wandels in vielen Kommunen Gefallen findet. Sie alle stehen vor der Frage: Wohin mit den Ältesten und Jüngsten? Dieser Frage muss sich auch Andreas Schmid, Bürgermeister in Meckenbeuren, stellen. "Sowohl der Bedarf an Pflege- als auch an Kitaplätzen steigt", sagt er, "mit diesem Projekt können wir ihn auch zukünftig decken." Als in der Ortsmitte ein Grundstück an die Projektentwicklungsgruppe Reisch verkauft wurde, war ihm und dem Gemeinderat schnell klar: Hier soll eine "eierlegende Wollmilchsau" entstehen. In der St. Elisabeth-Stiftung fanden Kommune und Investor den geeigneten Partner: Einen erfahrenen Träger, der bereits mehrere generationsübergreifende Projekte in der Region betreut.

Auch in Friedrichshafen steigt der Bedarf an Pflegeheim- und Kitaplätzen immer weiter. Vor knapp einem Jahr beschloss der Gemeinderat daher den Neubau eines Pflegeheims für 105 Senioren mit integrierter, sechsgruppiger Kita auf der grünen Wiese hinter dem alten Hallenbad, den so genannten Karl-Olga-Park. Ursprünglich sollten das Klinikum und städtische Altenpflegeheim (Karl-Olga-Haus) dort ihre Kompetenzen für Senioren in Form eines 36-Millionen-Euro-schweren Mammutprojekts bündeln. Als das Klinikum aus 2015 aus dem Projekt ausstieg, musste die Stadt neu planen.

"Im Vorfeld wurden verschiedene Pflegeheime und Konzepte angeschaut, hier ging es um Vergleiche zum Beispiel bei Fragen zur Funktionalität und zum Raumprogramm", erklärt Stadtsprecherin Monika Blank auf SÜDKURIER-Anfrage. Von der Stiftung Liebenau, die unter anderem in Klufterns Ortsmitte das Mehrgenerationenhaus "Lebensräume" leitet, wisse man dass, sich Konzepte, die Jung und Alt und einem Dach vereinen, bewährt hätten. "Wir sehen nur Vorteile in den generationenübergreifenden Begegnungen", sagt Blank, "das geht vom gemeinsamen Singen, Backen bis hin zu Begegnungen in gemeinschaftlich genutzten Teilen des Gebäudes wie dem Atrium. Insbesondere kurze Wege sind dabei hilfreich."

Vor knapp zwei Monaten bekam der Häfler Gemeinderat den ersten Vorentwurf der Architekten Thillmann aus Koblenz zu Gesicht: Im Erdgeschoss des Westflügels soll eine neue Kindertagesstätte für sechs Gruppen entstehen, im Ostflügel 15 Tagespflegeplätze sowie Platz für die Verwaltung. Im ersten und zweiten Obergeschoss werden sieben Pflegegruppen mit insgesamt 105 Pflegeplätzen in Einzelzimmern sowie 15 Kurzzeit-Pflegeplätze entstehen. Eine der wesentlichen Fragen in der Raumplanung ist auch hier wie in Meckenbeuren: Passen die Bedürfnisse von älteren, oft auch kranken Menschen und lauten, lebendigen (Klein)Kindern tatsächlich zusammen? "Sowohl der Tagesablauf im Kindergarten wie auch die Senioreneinrichtung sind durch die Zusammenlegung nicht gestört", erklärt Stadtsprecherin Blank. Für beide Bereiche gebe es viele Rückzugsmöglichkeiten und auch klar abgetrennte Gebäudeteile, weshalb hier keine Probleme oder Störungen zu erwarten seien.

Gleiches gilt auch in Meckenbeuren: Während die Kita im Erdgeschoss untergebracht ist, wohnen die Senioren in den oberen Stockwerken. Begegnungen gibt es im Innenhof und in der Cafeteria. Meckenbeurens neuer Wohnpark-Leiter Sven Kühl hat sogar die komplett gegensätzliche Erfahrung gemacht: "Im Altenheim macht man sich immer Gedanken, wie man überhaupt Kinder zum Singen, Basteln, Backen ins Haus bekommt. Wir müssen lediglich nur die Tür aufmachen, um lautes Kinderlachen zu hören. Das ist doch toll! Und alles Weitere wird wachsen."

Zeitplan Karl-Olga-Park

  • So gehts weiter: Voraussichtlich im Herbst werden sich die Ausschüsse des Gemeinderates mit der Planung des Karl-Olga-Parks beschäftigen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Anschließend geht es um die Detail- und Kostenplanung.
  • Die Zeit drängt: Da das städtische Karl-Olga-Haus ab 2019 nicht mehr im Einklang mit der Heimverordnung als Seniorenheim betrieben werden kann, muss bis dahin eine Alternative stehen. (sab)

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