Kressbronn/Friedrichshafen Immer wieder kracht es auf der B 31

Sieben Menschen starben in den vergangenen fünf Jahren – bei 34 Unfällen wurden 47 Menschen schwer verletzt. Die Strecke zwischen Friedrichshafen und Lindau ist aber für die Behörden keine Unfallhäufungsstelle.

Zuletzt geschah es am Silvestertag: In Höhe Langenargen-Oberdorf starben zwei Menschen bei einem Unfall auf der B 31, wenige Tage zuvor, am 23. Dezember, wurden bei einem Frontalzusammenstoß nahe Lindau ein Mann getötet, ein weiterer schwer verletzt. Tatsächlich passieren immer wieder schwere Unfälle auf der viel befahrenen Bundesstraße zwischen Friedrichshafen und Lindau. In vielen Fällen kommt es zu fatalen Frontalzusammenstößen.

Die 25 Kilometer lange Strecke, die zum Bodenseekreis gehört, ist eine der meistbefahrenen Straßen im Kreis. Im Schnitt sind es 24 000 Fahrzeuge, die täglich dort entlangfahren. Doch die Statistik der Polizei beweist, dass die Zahlen der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden in den letzten Jahren eher rückläufig waren. "In den zurückliegenden fünf Jahren gab es insgesamt 34 Verkehrsunfälle, bei denen ein sogenannter schwerer Personenschaden eintrat, also dass Verkehrsteilnehmer durch das Unfallgeschehen zumindest schwer verletzt beziehungsweise getötet wurden", erklärt Polizeipressesprecher Markus Sauter. Die Zahlen beziehen sich auf die Jahre 2013 bis 2017, wobei noch nicht alle Unfälle aus 2017 erfasst sind.

Insgesamt starben sieben Menschen, 47 wurden schwer verletzt und 18 leicht verletzt. Trotzdem wird die Strecke nicht als sogenannte "Unfallhäufungsstrecke" eingestuft. Dies liegt vor allem daran, dass die Gründe für die Unfälle vielfältig sind und nicht mit baulichen Maßnahmen etwa zu verhindern wären. "Mal verliert ein Lastwagen einen Reifen, mal weicht jemand einem Hindernis aus und kommt ins Rutschen, mal überholt ein Autofahrer trotz Überholverbot", erklärt Tobias Deufel, Verkehrsingenieur des Regierungspräsidiums Tübingen. Er weist darauf hin, dass auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung wenig bringen würde. "Gerade auf der B 31 in diesem Bereich gibt es einen großen Anteil von Schwerlastverkehr, der die Gesamtgeschwindigkeit auf der Strecke sowieso verringert", so Deufel. Auch das Anbringen einer Mittelleitplanke – im Fachjargon Mitteltrennung genannt – würde auf der B 31 wenig bringen. "Eine solche Maßnahme hätte eine ganze Reihe von Nachteilen. Zum einen könnten Rettungsfahrzeuge nicht mehr zu einer Unfallstelle gelangen, zum anderen würde bei einer Panne eines Autos oder eines Lasters auf der Strecke sofort der gesamte Verkehr gelähmt, weil es keine Möglichkeit gäbe, um das Pannenfahrzeug herum zu fahren", erklärt der Verkehrsexperte. Er weist außerdem darauf hin, dass eine solche bauliche Maßnahme grundsätzlich nur bei vierspurigen Straßen vorgesehen ist. "Momentan gibt es wenig Möglichkeiten, baulich etwas an der momentanen Situation zu ändern", sagt Deufel. Denkbar seien allerdings die Anbringung von speziellen Markierungen oder "Rüttelstreifen" auf der Fahrbahn, die ein Geräusch erzeugen, wenn ein Auto darüber fährt.

Tobias Deufel weist aber auch darauf hin, dass die Verkehrsstatistik insgesamt zeigt, dass die schweren Unfälle weniger werden. Waren es 2014 noch 16 schwer verletzte Personen, sind es 2017 nur noch sieben. Auch Markus Sauter von der Polizei verweist auf die Auswertung der Jahre 2013 bis 2017. "Es gab keine Zunahme bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden im Jahr 2017", erklärt er.

Die Unfallkommission

Strecken mit einer erhöhten Unfallbelastung oder Bereiche, in denen eine sogenannte Unfallhäufungsstelle, festzustellen ist, werden seitens der Polizei den zuständigen Straßenverkehrsbehörden gemeldet. Diese veranlasst hierauf die Überprüfung der betreffenden Örtlichkeiten durch die „Unfallkommission“, der die Straßenverkehrsbehörde, der Straßenbaulastträger, ein Vertreter der zuständigen Kommune und die Polizei (unter Umständen auch weitere Sachverständige) angehören. Hierbei werden die Schadensfälle unfallanalytisch betrachtet, die kausalen Unfallursachen überprüft und der Verkehrsraum auf verkehrliche oder bauliche Unzulänglichkeiten überprüft. Bei festgestellten Defiziten wird durch entsprechende Maßnahmen gegengesteuert. (mom)

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