Friedrichshafen Hospiz: Sterbebegleitung hat nichts mit Sterbehilfe zu tun

Im Friedrichshafener Hospiz werden schwerkranke Menschen im letzten Lebensabschnitt begleitet. Dabei geht es aber nicht um Sterbehilfe, das ist den Hospizverantwortlichen wichtig. Weitere ehrenamtliche Mitarbeiter sind im Hospiz willkommen.

Hier haben in den vergangenen Jahren viele hundert Menschen aus dem Bodenseekreis, aber auch aus den umliegenden Landkreisen, ihren letzten Lebensabschnitt verbracht. Manchmal waren es Monate, manchmal nur Wochen oder sogar nur einzelne Tage. Die allermeisten Gäste waren Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen. Erwachsene aller Altersstufen, die ältesten waren sogar 100 Jahre alt. Die Rede ist von der Hospizstation im Franziskuszentrum. Ein Ort, an dem Schwerstkranke und Sterbende unabhängig von ihrer religiösen, ethischen oder politischen Weltanschauung aufgenommen und rund um die Uhr individuell betreut und begleitet werden – von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften.

Vor knapp 20 Jahren wurde die Hospizstation eröffnet – eine lange Zeit. Und dennoch ranken sich um den Begriff "Hospiz" auch in der Häfler Bevölkerung immer noch krasse Missverständnisse, wie Hospiz-Seelsorgerin Brigitte Tauscher-Bährle beklagt. "Immer wieder müssen wir leider feststellen, dass der Unterschied zwischen der in Deutschland verbotenen Sterbehilfe und der Sterbebegleitung, wie die Hospizbewegung sie anbietet, nicht bekannt ist. Es bleibt eine dauernde Aufgabe, immer wieder zu erklären und zu informieren", sagt sie. Dabei sei es gerade der christliche Hospizgedanke, der das Leben bejahe. "Liebevolle Zuwendung, das Vermitteln von Geborgenheit und eine an den Wünschen und Bedürfnissen der unheilbar kranken Menschen orientierte Pflege und Begleitung steht im Mittelpunkt unseres Handels", betont sie. "Betroffene und ihre Angehörigen werden mit ihren Ängsten und Nöten ernst genommen und nicht allein gelassen."

Gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen: Ulla Wiedemann und Ruth Weidmann dekorieren die Hospizstation adventlich, während Koordinatorin Birgitta Radau (Dritte von links) mit Christa Berner bespricht, was gerade anliegt.
Gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen: Ulla Wiedemann und Ruth Weidmann dekorieren die Hospizstation adventlich, während Koordinatorin Birgitta Radau (Dritte von links) mit Christa Berner bespricht, was gerade anliegt. | Bild: Brigitte Geiselhart

Dass der Bedarf für Hospizpflege – sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich – steigend ist, davon berichtet auch Birgitta Radau, die den Hospizdienst der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordiniert. Derzeit verfügt die Hospizstation im Franziskuszentrum über neun Betten.

"Das wäre für uns eine große Erleichterung gewesen – wenn wir gewusst hätten, dass es so etwas gibt." Solche und ähnliche Sätze hört Birgitta Radau oft im Nachhinein von Angehörigen, die den Tod eines schwerstkranken lieben Menschen zu beklagen haben. Gerade in Bezug auf das öffentliche Bewusstsein gebe es noch Nachholbedarf", sagt die Hospizkoordinatorin. Geworben werden soll aber auch um weitere ehrenamtlichen Hospizbegleiter.

Derzeit sind es rund 45 Männer und Frauen, die – ergänzend zum professionellen Dienst – Zeit und Empathie mitbringen, die zuhören können, fürs Gespräch bereit sind und einfach da sind – und sei es manchmal nur dafür, die Hand eines schwerstkranken Menschen zu halten. Und natürlich entsprechend geschult sind. Menschen wie Christa Berner aus Markdorf. Sie kommt einmal pro Woche, wenn es "brennt" auch gerne zweimal, und ist auch für den ambulanten Dienst bereit. "Eine sinnvolle und bereichernde Tätigkeit – ein Geben und Nehmen. In der Hospizarbeit lernt man Leute in schwierigen Situationen und mit ganz unterschiedlichen Biografien – aber auch sich selbst nochmal ganz neu kennen", sagt die pensionierte Studienrätin. "Der Alltag bleibt draußen. Die eigenen Probleme relativieren sich", so die Erfahrung von Christa Berner. "Und nicht selten entstehen Gespräche in einer Offenheit, die es woanders nie gäbe. Es ist ein Lernen auf einer ganz anderen Ebene. Dafür bin ich sehr dankbar."

Einführungskursfür Ehrenamtliche

  • Die Hospizbewegung St. Josef lädt zum nächsten Einführungskurs für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter ein. Der Kurs beginnt am Samstag, 27. Januar, mit einer Übersicht und einem ersten Kennenlernen und umfasst insgesamt 14 Abendveranstaltungen und vier Samstagsveranstaltungen. Kursinhalte sind unter anderem Aspekte der Palliativmedizin, Kommunikation und Gesprächsführung, Wege spiritueller Begleitung, auch rechtliche und ethische Fragestellungen.
  • Information und Anmeldung bei Birgitta Radau, Koordinatorin ambulanter und stationären Hospizdienst, Telefon 07541/92344116, 0173/3711226. (ght)

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