Friedrichshafen Heimspiel für AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel

75 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend vor dem Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen gegen Alice Weidel und ihre Partei AfD. Drinnen applaudierten 300 Besucher beim Wahlkampf-Auftakt der AfD. Ein Konstanzer Aktionsbündnis hatte zur Protestkundgebung gegen die AfD-Veranstaltung aufgerufen.

Eine ganze Reihe von Plakaten trennt den Vorplatz des Graf-Zeppelin-Hauses zumindest optisch. Auf der einen Seite stehen etwa 75 Teilnehmer einer Protestkundgebung, die dem Aufruf des Konstanzer Aktionsbündnisses "Gegen die Hetze der AfD, für eine solidarische Gesellschaft" gefolgt sind. Auf der anderen Seite ist der Eingang zur "guten Stube" der Stadt Friedrichshafen. Hier lassen die Ordner nach Taschenkontrolle die Bürger ein, die zur Auftaktveranstaltung im Bundestagswahlkampf der "Alternative für Deutschland" streben. Gut zwei Dutzend Polizisten stehen vor dem GZH, ohne eingreifen zu müssen.

Bis 21 Uhr war die Kundgebung eigentlich angemeldet. Aber nach gut einer halben Stunde und einigen Redebeiträgen wird die Veranstaltung für beendet erklärt – nicht ohne den Hinweis, dass die AfD drinnen öffentlich Wahlkampf macht und deshalb jeder teilnehmen könne. Letztlich sind es nur einige wenige Protestler, die im Alfred-Colsman-Saal Platz nehmen, denn die Stühle gehen aus. "Wenn alle Sitzplätze belegt sind, machen wir zu", ruft der Technische Leiter des Hauses den Sicherheitsleuten zu. 300 gehen rein, gut 50 müssen letztlich draußen bleiben, nicht nur AfD-Gegner. Etwa drei Viertel der Menschen im Saal, die den Auftritt von Alice Weidel nicht verpassen wollen, sind Senioren.

Pünktlich um 19 Uhr eröffnet Brigitte Hinger vom AfD-Kreisvorstand Bodensee die Veranstaltung. Der zweite Bundestagswahlkampf für ihre Partei werde die Feuerprobe sein, "und wir werden den Einzug in den Bundestag schaffen", ruft sie in den Saal und erntet großen Beifall. Noch größeren Applaus bekommt sie für diesen Satz: "Und wir stellen die Spitzenkandidatin." Wofür steht die AfD? Darum soll es an diesem Abend mit Alice Weidel gehen. Junge Leute aus dem Gegenlager rufen "für Rassismus, für Sexismus" dazwischen und werden von den Gästen im Saal ausgebuht. Auch bei der Rede von Markus Frohnmaier, der sich auf der AfD-Landesliste um ein Bundestagsmandat bewirbt, gibt es störende Rufe. "Wir finden es gut, dass der politische Gegner da ist", sagt er und kommt auch mit diesem Spruch gut im Saal an: "Da soll noch mal jemand sagen, die AfD hole die jungen Leute nicht auf die Straße." Zwei von den Jungen werden wenig später dennoch vom Ordnungsdienst nach draußen eskortiert. Aber auch im Foyer ist dank der Tonübertragung aus dem Colsman-Saal heraus zu hören, was der angehende Rechtsanwalt und danach Alice Weidel zu sagen haben.

Um 19.30 Uhr tritt sie dann selbst ans Rednerpult, die Spitzenkandidatin. Bevor sie über den Verfall der Rechtsordnung im Land und die AfD-Rezepte dagegen spricht, entschuldigt sich Alice Weidel dafür, dass auch hier Anhänger und Sympathisanten draußen bleiben müssten. Sie wirbt für 40 bis 50 Infostände, die die AfD hier im Wahlkreis bis zum Wahltermin anbieten werde, damit sich jeder informieren kann.

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