Friedrichshafen Häfler Athleten bei Weltmeisterschaften am Start, sie erfahren aber kaum öffentliche Würdigung

Häfler Athleten sind bei Weltmeisterschaften am Start: Der Läufer Richard Ringer und die Beachvolleyballerin Julia Sude vertreten die VfB-Farben. Eine öffentliche Würdigung erfahren die Spitzensportler aber kaum. Bei der Stadtverwaltung verweist man auf die jährliche Sportlerehrung. Immerhin: VfB-Präsident Wunibald Wösle denkt darüber nach, wie man das in Zukunft anders handhaben kann.

Während die Friedrichshafener Profivolleyballer noch in den Ferien sind, halten zwei andere Sportler des VfB Friedrichshafen die Häfler Vereinsfarben in diesen Tagen hoch – und zwar so hoch, wie es nur geht. Die Beachvolleyballerin Julia Sude baggerte mit ihrer Partnerin Chantal Laboureur, die aus Immenstaad stammt, bei der WM in Wien am vergangenen Wochenende einen fünften Platz aus dem heißen Sand. Und am späten Mittwochabend kämpfte Richard Ringer im Londoner Olympiastadion im Vorlauf der Leichtathletik-WM über 5000 Meter um den Einzug ins Finale, was ihm diesmal leider nicht gelang. Beide waren live im Fernsehen zu sehen, nur: Leider scheint das in Friedrichshafen außer die Fans der jeweiligen Sportart und Sportler kaum jemanden zu interessieren.

Nicht einmal auf den Internetseiten, weder bei der Stadt Friedrichshafen noch beim VfB, ist auch nur ein Hinweis auf die Teilnahme, geschweige denn die Ergebnisse der beiden Sportler zu finden. Die nagelneue Website der Volleyball-Amateure bringt die Einladung zur Jahresversammlung ganz vorn zur Kenntnis. Auf den Seiten der VfB-Profis steht der nationale Supercup im Oktober neben alten Pressemeldungen auf der Startseite. Auf der Seite der VfB-Leichtathleten steht Richard Ringer zwar ganz vorn drauf, aber mit seinem Erfolg bei der Europameisterschaft 2016, wo er Bronze in einem – zugegebenermaßen – legendären Rennen gewann, denn die drei Erstplatzierten kamen auf die Hunderstelsekunde zeitgleich ins Ziel.

Für Wunibald Wösle, den Präsidenten des VfB Friedrichshafen, kommt die Frage nach der etwas stiefmütterlichen Behandlung der eigenen WM-Athleten etwas überraschend. "Bei Julia war alles vorbereitet, wenn sie mit einer Medaille heimkommt", erklärt er dann. Die Trauben hängen in Friedrichshafen also hoch, auch wenn die Frage berechtigt ist, wo man mit der Würdigung "außer der Reihe" anfängt. Aber auch EM-Bronze von Richard Ringer im vergangenen Jahr war kein Grund für einen tollen Empfang oder ähnliches. Nach einigem Nachdenken und zwischen zwei wichtigen Sitzungen gibt der VfB-Präsident dann doch zu, dass man sich darüber mal Gedanken machen sollte.

Julia Sude hatte sich mit ihrer Beachpartnerin bei der WM tatsächlich etwas mehr erhofft. Denn eine Medaille lag nach dem bisherigen Saisonverlauf für die Weltranglisten-Zweiten im Rahmen des Möglichen. Erst vor wenigen Wochen gewannen sie das Beachturnier im schweizerischen Gstaad, das zur World-Tour gehört, bei der nur die weltbesten Duos um Punkte und Preisgeld kämpfen. „Natürlich überwiegt jetzt erst einmal die Enttäuschung", sagt Julia Sude nach dem Turnier. "Wir hatten viel Druck und natürlich auch selber hohe Erwartungen an uns. Unterm Strich sind wir aber stolz auf den fünften Platz." Auch Richard Ringers Hoffnung war groß, sich wie bei der WM wie vor zwei Jahren für den Finallauf zu qualifizieren. Den Kopf lässt er trotzdem nicht hängen. Vor der Fangemeinde am Bildschirm sagte er am Mittwoch auch diesen Satz: "Ich will nächstes Jahr Europameister über 10 000 Meter werden. " "Das ist mal eine Ansage", kommentiert sein Trainer Eckhardt Sperlich, der ihm noch viel zutraut. Mit knapp 27 Jahren sei ein Langstreckenläufer "in der Reife und Ernte" seiner Sportlerjahre. Der letzte Deutsche, der bei einer EM auf dieser Strecke die Nase vorn hatte, war Dieter Baumann. Da war er 34.

Für Eckhard Sperlich ist trotzdem "Luft nach oben", was die Würdigung der Leistungen von Häfler Sportlern angeht, die international vorn dabei sind. Öffentliche Anerkennung erhielten abseits der Sportlerehrung nur die Volleyballer. "Die Stadt hat sich auf eine Sportart festgelegt, die so gefördert wird. Da kann man unterschiedlicher Meinung sein", so Sperlich. Es gehe auch anders: Als der Tettnanger Mittelstreckenläufer Ruben Schwarz 2003 das Finale der U 20-EM gewann, rief keine zehn Minuten nach dem Zieleinlauf der Tettnanger Bürgermeister an und gratulierte Trainer und Sportler. Beide wurden nach der Heimkehr zu einem Empfang der Stadt im Tettnanger Schloss eingeladen, und der Sportler durfte sich im Goldenen Buch der Stadt verewigen. "Das war eine Nummer", sagt Sperlich, der sich beispielsweise das repräsentative ZF-Forum sehr gut als Alternative zum Schloss vorstellen könnte.

Aus Sicht der Stadt sieht Pressesprecherin Andrea Kreuzer die Kritik für unberechtigt. "Wir wissen die Leistungen unserer Sportler sehr wohl zu würdigen", erklärt sie auf Anfrage. Dafür sei die jährliche Sportlerehrung ja da, um alle Sportler, die bei Meisterschaften an den Start gehen, in den Mittelpunkt zu rücken. Bei besonderen Anlässen gebe es auch mal mehr. Die Olympioniken wurden feierlich nach Rio verabschiedet, danach gab es einen kleinen Empfang mit Essen. Auch für die WM-Teilnehmer könne sich die Stadt solch eine Einladung nach der Sommerpause durchaus vorstellen.

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Die Saison ist weder für Julia Sude noch für Richard Ringer vorbei. Nächste Woche steht das Finale der Europäischen Beach-Masters in Jurmarla, dem Ostsee-Badeort in Lettland, auf dem Programm, wo Sude/Laboureur als "Königinnen des Sandes" gekürt werden könnten. Ende August wird das Finale der World Tour in Hamburg ausgetragen und Anfang September die Deutsche Meisterschaft am Timmendorfer Strand.

Richard Ringer ist am 20. August zum Grand Prix in Birmingham eingeladen, bei dem der derzeit weltbeste Mittelstreckenläufer Mo Farah sein Abschiedsrennen läuft. Eine Woche später will Ringer beim ISTAF in Berlin "noch mal einen raushauen", wie er nach dem WM-Vorlauf dem ARD-Reporter ins Mikrofon versprach.

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