Friedrichshafen Großes Interesse an gemeinsamem Ackerbau

Eine positive Bilanz wurde bei der Mitglieder-Vollversammlung des Vereins solidarische Landwirtschaft (Solawi) Bodensee am Samstag im Dorfgemeinschaftshaus in Raderach nach einem Jahr gezogen. Das 250 Quadratmeter große Foliengewächshaus wurde inzwischen errichtet und Katrin Fieberitz als Gärtnerin angestellt. Mehr als 60 Mitglieder hat der Verein inzwischen, der sich eine soziokratische Organisation geben will

Vor rund einem Jahr wurde der Verein Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Bodensee gegründet. Am Samstagnachmittag fand die Mitglieder-Vollversammlung im Dorfgemeinschaftshaus in Raderach statt. Der Vorstand, bestehend aus Odette Lassonczyk, Sylvia Schoch und Markus Hener wurde dabei einstimmig entlastet. Vorstandswahlen gibt es alle zwei Jahre.

Nach einer persönlichen Vorstellung jeder Teilnehmerin und jedes Teilnehmers der Versammlung berichtete Markus Hener, dass der Verein inzwischen mehr als 60 Mitglieder habe. Rund 120 Menschen, nach Haushalten gerechnet, nutzen damit bisher in diesem Jahr die angebauten Produkte. Dabei sollen rund 20 Tonnen Gemüse auf einem Hektar Acker und in einem 250 Quadratmeter großen Foliengewächshaus wachsen und an die Mitglieder weitergegeben werden. „Der Folientunnel ist aufgebaut und bepflanzt“, sagte Hener. Bis der Boden „Gemüseerde“ sei, würden aber noch ein paar Jahre vergehen. Stand Samstag waren 70 Anteile an der Ernte gebucht, 30 weitere seien in diesem Jahr noch möglich. Darunter sind auch drei Anteile der Stadt Friedrichshafen. Dieses Gemüse soll in die Obdachlosenunterkunft gehen. Ursprünglich war es für den Kindergarten in Raderach gedacht, was sich jedoch nicht umsetzen lässt. Die Kinder sollen jetzt regelmäßig den Anbau auf dem Acker verfolgen können, wie Sylvia Schoch berichtete. Außerdem soll es ein Projekt mit Flüchtlingen geben, sagte die inzwischen angestellte Gärtnerin Katrin Fieberitz.

Das Land ist von Landwirt Gerhard Schoch in Raderach gepachtet, dem der Vorstand für seine Hilfe dankte, denn die Mitglieder sind alle Quereinsteiger, so Hener. Theoretisch wäre eine Erweiterung der Fläche in Zukunft auf rund zwei Hektar möglich. „Es war sehr viel Arbeit“, bilanzierte Hener das bisher erreichte, stellte aber auch fest, hier erlebe man ein „kleines Wunder“, weil sich vieles ineinander gefügt habe. Noch nicht hergerichtet ist der Bauwagen, der am Feld aufgestellt werden soll und auch verschiedene weitere Dinge stehen noch an: Wasser- und Stromversorgung, Ausgabestelle und mehr Gerätschaften beispielsweise.

Klar machte Hener das Konzept der Produktion für den eigenen Tisch: „Das ist kein Service, sondern ein Angebot dabei zu sein.“ Am Know-how fehle es im Verein in vielen Dingen nicht, die Zeit sei aber manchmal ein Problem. Jedes Mitglied solle sich einbringen. So fallen etwa 80 Stunden pro Woche im Anbau, über zirka 32 Wochen, an, die nicht alleine von Katrin Fieberitz bewältigt werden können. Es wird Feierabendtermine geben. Aus der Versammlung kam auch der Vorschlag am Feld eine Aufgabenliste zu platzieren, damit Mitglieder auch in Abwesenheit der Gärtnerin, die meist vormittags dort ist, Aufgaben erledigen können. Außerdem werden für die Arbeitsgruppen noch engagierte Menschen gesucht, neben der Landwirtschaft im Bereich Bau und Technik, Mitgliederbetreuung und -verwaltung, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, EDV und Internet, Organisation und Kommunikation sowie für weitere zeitlich begrenzte Anlaufprojekte. In der Arbeitsgruppe Organisation soll die künftige Vereinsstruktur von Solawi Bodensee entwickelt werden, wie Odette Lassonczyk berichtete. Es soll keine „klassisch“ hierarchisch geleiteter Verein entstehen, sondern es sei an eine soziokratische Organisationsform gedacht.

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