Friedrichshafen Freies WLAN für alle und überall

Die Initiative "Freifunk Bodensee" engagiert sich für freies WLAN. Ermöglichen soll das ein dezentrales Netz möglichst vieler "Freifunker".

Ein Bürgernetz per WLAN überall und für alle – das ist das Ziel der Initiative "Freifunk Bodensee". Was wie der Traum vom Teenagerparadies klingt, ist für die Freifunker mehr: sie wollen ein dezentrales, unabhängiges Bürgernetz mit Zugang zum Internet. "Wir wollen offene, freie Kommunikation in Bürgerhand", sagt Martin hellebrand, einer der Gründer von "bodensee.freifunk.net". "Das bedeutet, dass man nichts ausfüllen muss, um es zu nutzen und dass es auch keine Filter gibt." Das Ziel ist ein flächendeckendes "Maschennetzwerk": viele kleine Router, die sich über Funk verbinden und Kommunikation jenseits von Konzern- oder Staatsinteressen ermöglichen.

Am Wochenende haben sich die Freifunker der Region im Kulturverein Caserne getroffen, um Erfahrungen auszutauschen. Sie bieten Workshops zum Glasfaserspleissen, zum Umgang mit Spam-Mails und zum Einstieg in den Freifunk an. Um ein solches Netz zu bekommen, müssen viele mitmachen. Mitmachen heißt: einem kompatiblen Router per Download die Freifunk-Firmware aufspielen. Der konfigurierte Router wird dann mit dem eigenen Internetanschluss verbunden. Software-Updates bekommt er automatisch. "Firmware ist eine freie Software, die wir regelmäßig weiter entwickeln", sagt Hellebrand. "Wir wollen die Sicherheit auf höchster Stufe halten und immer besser und schneller werden."

Um überall das Internet nutzen zu können, soll niemand reich oder mit modernster Technik ausgestattet sein, sagt Hellebrand. Er selbst hat seinen Freifunk-Router so angebracht, dass der Platz vor dem Haus WLAN hat – für Schüler, die an der Bushaltestelle ihren Status checken, für Touristen, die sich orientieren oder für Taxifahrer, die ihre Wartezeiten überbrücken. Gerade nutzen ihn 26 Personen. "Freifunk ist auch eine Geste der Gastfreundschaft – gerade bei jungen Gästen ist heute nicht mehr die erste Frage, wo die Toilette ist, sondern wie das WLAN-Passwort lautet", sagt Hellebrand. Ein freies Netz bietet weitere Vorteile: fällt der eigene Internet-Anbieter aus, hat vielleicht der Nachbar einen anderen und das Weiterarbeiten ist per Freifunk möglich. Lokale Initiativen könnten sich dezentral verständigen.

Seit Freifunk im April 2015 gestartet ist, machen deutschlandweit rund 46 000 Teilnehmer mit, am Bodensee sind es 336. Auf der Website ist einzusehen, wo sie ihren Zugang anbieten. In Friedrichshafen finden sich 24 aktive "Knoten", dazu vier, die gerade abgeschaltet sind. Städte wie Tettnang oder Bad Säckingen sind bereits teilweise flächendeckend vernetzt. "Manchmal engagieren sich Tourist Information oder Bürgermeister, weil sie darin einen Mehrwert für die Gemeinde sehen", sagt Rüdiger Lorenz, Vorstand des Vereins "Freifunk Dreiländereck", der zwischen Zürich, Donaueschingen und Mulhouse den Aufbau freier Netzwerke fördert. Ihm ist auch der soziale Aspekt wichtig: der Verein hat in zwei Landkreisen Asylbewerberheime mit Routern ausgestattet. Die Freifunker am Bodensee haben weitere Ideen: ein schwarzes Brett für Teilnehmer, telefonieren per Freifunk oder Verbindungen über den See in die Schweiz oder nach Österreich.

So funktioniert die Freifunk-Technik

Um in den Freifunk einzusteigen ist nur wenig technisches Know-How nötig:

  • WLAN steht für Wireless Local Area Network – kabelloses lokales Netzwerk – und bezeichnet ein örtlich begrenztes Funknetz. Es ermöglicht innerhalb seiner Reichweite Datenübertragung und Verbindung zu einem Internetzugang.Synonym für WLAN wird die Bezeichnung des Funkstandards IEEE 802.11 verwendet. In anderen Ländern heißt er Wi-Fi.
  • Freifunk ist ein dezentrales, unabhängiges Bürgernetz. Jeder kann sich kostenlos über WLAN verbinden, ohne Passwort oder Registrierung. Umgekehrt kann jeder mitmachen, indem er über einen Extra-Router seinen Internetzugang für andere öffnet. Dazu lädt er die "Firmware" von der Internetseite herunter und spielt sie dem Router auf. Ein Einsteiger-Modell für einen Router kostet 15 bis 20 Euro. Dazu kommen etwa vier Euro Stromkosten im Jahr.
  • Sicherheit: Der Gastverkehr wird per VPN durch den eigenen Internetzugang zu einem Freifunk-Server geschleust. Dort gelangt er ins Internet. VPN – Virtual Private Network, oder virtuelles privates Netzwerk – ist eine Technologie, die Daten zwischen Routern und Servern verschlüsselt durchleitet. So sind eigene Geräte vor fremdem Zugriff geschützt. Die Störerhaftung betrifft Freifunker nicht, da Freifunk als Provider von der Störerhaftung befreit ist.

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