Friedrichshafen Fehlt es an Visionen für den Fallenbrunnen?

Mit leichtem Zähneknirschen bringt der Gemeinderat Friedrichshafen die Bebauung des Geländes gegenüber dem Studentenwohnheim und der Caserne auf den Weg. Dort soll ein neues Quartier zum Arbeiten und Wohnen entstehen. Ein bisschen mehr "Pep und Individualität" fordert Eberhard Ortlieb von den Freien Wählern, Joachim Krüger spricht gar von Verramschung.

So soll sie aussehen, die neue "Fallenbrunnen-Mitte". Der Gemeinderat stimmte am Montag dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu, wenn auch mit zwei Enthaltungen (Mathilde Gombert und Regine Ankermann von den Grünen) und einer Gegenstimme (Joachim Krüger/Freie Wähler). Auf dem Gelände gegenüber von Studentenwohnheim und Caserne, sollen vier Gebäude entstehen, in denen sowohl gewohnt wie auch gearbeitet werden kann.

1,5 Hektar groß ist die Fläche, die – wie der Rest des Fallenbrunnen-Areals – mittlerweile der Stadt Friedrichshafen gehört. Seit 2014 wurden in Arbeitsgruppen Konzepte entwickelt, die schließlich in ein Wettbewerbsverfahren zur Gestaltung der Fläche mündete. Auch die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshafen (SWG) sowie externe Berater waren daran beteiligt. Die Reisch-Bau-GmbH aus Bad Saulgau hat zwischenzeitlich den Auftrag erhalten, das Architekturbüro Hirthe aus Friedrichshafen wurde von der SWG für die weitere Betreuung des Projektes beauftragt. "Es werden etwa 20 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen", erläuterte Baubürgermeister Stefan Köhler den Stadträten.

Doch völlige Begeisterung war bei den Gemeinderäten fast aller Fraktionen nicht zu spüren. Zu brav, zu zahm, zu vernünftig seien die geplanten Bauten. Joachim Krüger von den Freien Wählern war es, der schließlich am deutlichsten die Planung kritisierte. "Es fehlt ein Gesamtkonzept für dieses Areal, das ein wahres Geschenk für unsere Stadt ist", so Krüger. "Wenn wir immer nur stückchenweise an die Planung herangehen, drohen wir das Gebiet zu verramschen – wir sollten erst ein Gesamtkonzept für den Fallenbrunnen erarbeiten und danach die einzelnen Teile konzeptionieren", so Krüger, der am Ende auch als einziger gegen den Beschluss stimmte. Krüger mahnte Baubürgermeister Stefan Köhler an, dass der Fallenbrunnen sich gerade zu in idealer Weise dafür eigne, ein städtebauliches Gesamtkonzept auf den Weg zu bringen – doch davon sehe er nichts.

So sieht der Entwurf für das neue Quartier in Fallenbrunnen-Mitte aus. Manche Stadträte finden die Architektur zu konventionell und zahm.
So sieht der Entwurf für das neue Quartier in Fallenbrunnen-Mitte aus. Manche Stadträte finden die Architektur zu konventionell und zahm. | Bild: Hans-Ulrich Kilian

Regine Ankermann von den Grünen warf ein, dass es einst eine Planungsgruppe Fallenbrunnen gegeben habe, die aber offenbar nicht mehr arbeite. "Reaktivieren Sie diese Gruppe bitte", so Ankermann an. Auch CDU-Mann Daniel Oberschelp, der die Entwürfe grundsätzlich befürwortete, sprach sich für die Wiederbelebung der Planungsgruppe aus. Sanfte Kritik kam von Eberhard Ortlieb, Fraktionschef der Freien Wähler. Zwar lobte er zunächst die Pläne, die für "Charme, Flair und neuem Leben im Fallenbrunnen" sorgen werden, mahnte dann aber "mehr Mut zu Pep und Individualität" für die weiteren anstehenden Fallenbrunnen-Projekte an. "Neue Ideen sind gefragt", so Ortlieb. Auch SPD-Stadtrat Heinz Tautkus meinte, dass der Bebauungsplan "vernünftig und solide" sei – aber zu viel brav.

Nach einem gemeinsamen Besuch des Gemeinderats im franzöischen Viertel Tübingens 2015 waren die Ideen noch hochtrabend gewesen: die Umsetzung des Bauherrenmodells, ein autofreies Stadtviertel und anderes. Doch, wie Stephanie Glatthaar (Grüne) mit etwas enttäuschtem Gesicht feststellte, seien die Voraussetzungen in Friedrichshafen andere. "Wir haben das Beste herausgeholt", stellte sie fest. Gerlinde Ames (FDP) sagte, dass das eigentlich angestrebte Ziel, auf dem Gelände eine Wohnbebauung mit Alleinstellungsmerkmal entstehen zu lassen, nicht ganz erreicht sei. Der visualisierte Entwurf müsse wirklich Realität werden.

So geht es weiter

Bis auf dem Areal tatsächlich die Häuser gebaut sind, ist es noch ein weiter Weg. So sieht der Fahrplan laut Stadtverwaltung aus:

  • Juni 2018: Aufstellungsbeschluss durch den Gemeinderat
  • Juni/Juli 2018: Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung und Durchführung einer informellen Öffentlichkeitsbeteiligung durch den Vorhabenträger
  • Herbst 2018: Entwurfsbeschluss
  • Dezember 2018: Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung mit der Möglichkeit, den Bau vorab zu genehmigen
  • 1. Quartal 2019: Satzungsbeschluss und Rechtskraft

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