Friedrichshafen Farbige Hörenswürdigkeiten

Das Ravensburger Vokalensemble „Diapasón“ fesselt in St. Maria in Eriskirch mit weltlichen Madrigalen

Woher der Name Madrigal stammt, ist unklar. Eine Herleitung von „cantus matricalis“, Gesang in der Muttersprache, ist jedoch denkbar. Madrigale behandeln meist weltliche Themen, die zur damaligen Zeit das ganze Volk verstehen sollte. In ihrem Konzert am Sonntagnachmittag in der Kirche St. Maria in Eriskirch gibt das Vokalensemble „Diapasón“ Hintergrundwissen rund um das Madrigal sowie zu den Inhalten der Stücke so informativ wie amüsant zum Besten. In erster Linie aber begeistert und verzaubert das Ensemble aus Ravensburg mit reiner Intonierung sowie innigster Interpretation und macht die durchweg weltlichen Madrigale des 16. und 17. Jahrhunderts aus Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und England zu genussvollen „Hörenswürdigkeiten“, die sich in der schönen Akustik der Kirche in aller Schönheit entfalten. Interessant ist auch, eine ganze Reihe unbekannter Madrigale zu Gehör zu bekommen. Für die drei- bis sechsstimmigen A-Cappella-Gesänge ist die Stimmgabel ein unverzichtbares Utensil. Im Spanischen heißt sie „diapasón“, was die Gruppe zu ihrem Namen brachte.

„Folgen Sie dem roten Schirm“ heißt es dann. Der führt das Publikum zu den verschiedenen „musikalischen Sehnsuchtsorten“ in Europa, dem Motto des Konzerts. Trotz einer gewissen Ähnlichkeit in Kompositionsstil und Rhythmus unterscheiden sich die Madrigale durch das jeweilige eingefärbte Lokalkolorit.

Ausgangspunkt der Musikreise ist Italien, und da darf der große Claudio Monteverdi nicht fehlen, mit einem gefälligen und einem deutlich anspruchsvolleren Stück, das auch die Zuhörer fordert. Hier darf man über die modern anmutenden, teils „schrägen“ Harmonien staunen und wie differenziert Diapasón damit umgeht. Das wiederum macht deutlich, dass Madrigale wie auch Diapasón nicht nur im Wohlklangbereich angesiedelt sind. Dieser stimmlichen Herausforderung werden Katharina Richter und Ute Dreher (Sopran), Sarah Benkißer und Sünje Groß (Alt), Harald Ilg und Peter Schmidt (Tenor) sowie Stephan Bauck (Bass) mit Homogenität, Gesangskultur und Klangästhetik mehr als gerecht. Dabei schwelgen sie auch noch mit viel Gefühl in allen Schattierungen der Liebe – sehnliche und erfüllte – oder baden in Liebesschmerz. Im Kontrast dazu erklingen schwungvolle, fröhliche Stücke zum geselligen Feiern in tänzerisch federndem Rhythmus. Mit Tamburin und Handtrommel wird es schließlich noch ausgelassener. Bisweilen geht es dabei auch etwas keck und frech zu, worüber sich das Ensemble mit Witz in Stimme und Gestik auslässt. Ob heiter oder melancholisch, in allen Stücken behält Diapasón eine große Leichtigkeit bei. Auch Melancholie oder Traurigkeit legen sich nur wie ein leichter grauer Schleier aufs Gemüt.

In Frankreich kommt Orlando di Lasso mit „Bonjour, et puis, quelles nouvelles?“ lebhaft zu Wort oder Thoinot Arbeau mit dem bekannteren „Belle qui tiens ma vie“, wo sich Diapasón nach der Liebsten verzehrt. Temperamentvoll geht es in Spanien zu, wenn sich zum Beispiel zwei Ordensschwestern in einen einfachen Mann verlieben. Und dann wird's auch noch satirisch. In „Avec color vini clari“ wird die Kirchenmusik auf die Schippe genommen und anstelle von Gott der Wein vollmundig aufs Höchste gepriesen. In „Deutschland“ erklingt der vielsprachige di Lasso noch einmal mit „Audite Nova“. Nicht übermütig, sondern leicht hüpfend ertönt „Tanzen und Springen“ von Leo Hassler aus den Kehlen der Sänger. England ist Endstation. Hier entbrennt das Vokalensemble mit „Fyer, fyer“ in Liebe. Mit dem hinein komponierten „Tatütata“ der Feuerwehr soll der Brand gelöscht werden. Trotz großer getragener Trauer in „Too much I once lamented“ von Thomas Tomkins symbolisiert das „Fallalallala“ am Ende Hoffnung. Zu hoffen ist auch, dass Diapasón mit ihrem feinen, kultivierten Gesang in Zukunft öfter zu hören sein werden.

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