Friedrichshafen Ex-Freundin mit Pistole bedroht: 21-Jähriger muss 3150 Euro Strafe zahlen

Körperverletzungen und Bedrohungen, unter anderem mit einer Pistole und einem Messer, sowie Beleidigungen wurden einem 21-Jährigen aus Friedrichshafen vorgeworfen, der sich am Montag vor Richter Martin Hussels-Eichhorn am Amtsgericht Tettnang verantworten musste. Allerdings hatte das Gericht nach der Zeugenbefragung Probleme, die Körperverletzungen festzustellen, sodass der Angeklagte nur wegen drei Beleidigungen und einer Bedrohung zu 3150 Euro (90 Tagessätzen à 35 Euro) verurteilt wurde.

Staatsanwältin Juliane Prasse umriss den Angeklagten als "Möchtegern-Casanova", sein Verteidiger Mano Hirschel nannte das Ganze "kindisches Machoverhalten". Der 21-Jährige hatte in den vergangenen Jahren immer nur Kurzzeitbeziehungen, dann ging es weiter zur nächsten oder zurück zur vorherigen Freundin. In den Anklagen ging es um zwei Komplexe. Zum einen um die Eskalation einer vierjährige "On-Off-Beziehung" zu einer damals in Markdorf lebenden, heute 20-jährigen Frau, zum anderen um seine Beziehung zu einer heute 23-jährigen Frau aus dem Kreis Lindau, die vermutlich von ihm ein Kind hat.

Laut Anklage geriet der Mann im Juli 2016 in seiner Wohnung in Friedrichshafen in einen lauten Streit mit der Markdorferin. Es ging ums Fremdgehen. Dabei soll er ihr eine Ohrfeige verpasst haben – so sagte sie es bei der Polizei bei ihrer Anzeige aus. In der Verhandlung meinte sie, dies stimme nicht. Jedenfalls soll der Angeklagte dann eine Pistole, vermutlich eine Luftdruckwaffe, hervorgeholt und gebrüllt haben: "Wenn du weiter so schreist, knall ich dich ab und vergrab dich im Hof", sagte die 23-Jährige, teilweise unter Tränen. Anschließend soll der Mann noch ein Küchenmesser gezückt und ihr vor die Brust – so ihre Aussage in der Verhandlung – oder an den Hals – so ihre Aussage bei der Polizei – gehalten haben. Die junge Frau verließ die Wohnung, nachdem der Mann auch noch ihr Smartphone demoliert hatte. Einige Tage später traf sie ihn dennoch wieder in einem Lokal in Meckenbeuren. Wieder gerieten sie in Streit und er soll sie getreten haben. Der Angeklagte bestritt diese Vorfälle.

Nachdem er mitbekommen hatte, dass die Polizei ihn befragen wollte, rief er im Oktober 2016 in Markdorf bei der Mutter an und beschimpfte sie und ihre Tochter übelst, außerdem drohte er der Tochter: "Ich werd' sie schon erwischen." Das gab der 21-Jährige zu. Zum Gesamtbild kam eher ungewöhnliches Verhalten der 20-Jährigen hinzu: So kaufte sie ihm die Waffe, mit der sie angeblich nachher bedroht wurde, oder, gerade 18, ein Motorrad auf Kredit. Ihre Mutter meinte vor Gericht: "Ich kann nicht nachvollziehen, wie man so blöd sein kann." Ihre Tochter sagte: "Ich war einfach dumm und blind vor Liebe." Der Mann berichtete von Eifersucht und Besitzergreifung, seine heutige Freundin von Stalking. "Ich tue mich sehr schwer, die beiden ersten Vorfälle zu bewerten", stellte Hussels-Eichhorn fest und stellte nach Rücksprache mit Juliane Prasse diese Verfahren mit Blick auf die verbleibenden Anklagepunkte ein.

Mit der heute 23-jährigen Frau war der Angeklagte von Januar bis Juni 2017 zusammen. Gleich zu Anfang wurde bei einem "Unfall" ein Kind gezeugt. Der 21-Jährige ließ sich kaum noch sehen, berichtete die junge Frau, die zeitweise bei ihm in Friedrichshafen wohnte. Dann habe sich herausgestellt, dass er anstatt bei Kumpels, "bei irgendwelchen Weibern war". Sie stellte ihn zur Rede und wieder gab es einen Riesenstreit. "Er hat zu mir gesagt, ich solle aufpassen, wo ich hingehe. Er wird mir die Schwangerschaft zur Hölle machen", berichtete diese Ex-Freundin. Das Kind ist inzwischen vier Monate alt. Er hat bisher keinen Kontakt gesucht, dem ihm die junge Mutter angeboten hat. Er habe diese Treffen aber immer kurzfristig abgesagt oder sei nicht gekommen. "Ich bin eindeutig ohne ihn besser dran", stellte sie fest. Übrigens hat die Frau auch die Waffe gesehen. Sie lag bei ihm im Auto. Ein Freund der 23-Jährigen mischte sich in der Trennungsphase der beiden ein, woraufhin er eine Mitteilung vom 21-Jährigen auf dem Handy erhielt, in der es heißt, er könne die Kugeln, die in seiner Hauswand stecken, heraussuchen, damit sie in seinen Kopf kommen.

Frank Reißmüller von der Jugendgerichtshilfe bezog Stellung dazu, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen sollte. Schwierig, denn der Weg des jungen Mannes von der Schule bis zur Berufsausbildung sei kerzengerade. Am ehesten sei seine Reaktion auf das unerwartete Kind jugendtypisch. Insgesamt sehe er die Taten aber nicht als jugendtypisch an – Verteidiger Hirschler allerdings schon, der ein Anti-Agressionstraining für angebracht hielt. Hussels-Eichhorn entschied sich für Erwachsenstrafrecht und minderte den Antrag der Staatsanwaltsschaft von 40 auf 35 Euro pro Tagessatz, weil zu erwarten sei, dass der Mann demnächst Unterhalt für das Kind zahlen muss.

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