Friedrichshafen Erst zehn Jahre alt und schon ganz vorne dabei: Leon Jost vom Württembergischen Yachtclub Friedrichshafen startet bei der WM

Er eifert damit seinem 14 Jahre alten Bruder Luca nach, der bereits 2017 bei der Segel-WM in Thailand dabei war. Gemeinsam hat das Brüderpaar ein Ziel: Leon will mit seinem großen Bruder Luca gemeinsam im 29er bei den Olympischen Spielen im Boot sitzen.

Von den kleinen fliegenden Kisten, den Optimisten, sind nur noch die Mastspitzen zu sehen. Der Wind lässt die Schaumkämme der Wellen kippen und am Bodensee ginge spätestens jetzt hektisch blinkend die Sturmwarnung an. Doch während am Schwäbischen Meer jede Yacht in den Hafen flüchtet, kämpft ein Zehnjähriger mit 33 Kilo Kampfgewicht auf der Ostsee vor Warnemünde um den Regattasieg.

Sein 2,3 Meter langes Boot der Jüngstenklasse ist vollgelaufen, aber das interessiert ihn jetzt nicht. "So kurz vor dem Ziel hätte es sich nicht mehr gelohnt es auszuschöpfen", erzählt Leon Jost mit verschmitztem Lächeln. So fuhr er seinen 79 Konkurrenten um die Ohren, verwies auch 14-jährige Segler auf die Ränge und sicherte sich mit einem sechsten Platz in der Ausscheidungsregatta die Fahrkarte zur Weltmeisterschaft. So jung, wie noch keiner zuvor.

Hartes Training und ein Jahr Vorbereitung

Es muss in der Familie liegen. Denn zur WM hatte es im vergangenen Jahr auch sein heute 14-jähriger Bruder Luca, wie er Mitglied des Württembergischen Yachtclubs, geschafft. Und auch er hat trotz harten Trainings und einjähriger, intensiver Vorbereitungszeit nicht damit gerechnet, mit den besten Seglern aus 50 Nationen nach Thailand fliegen zu dürfen. Dort angekommen, stand ganz klar der Stolz für Deutschland zu starten und seine Leistung im Vordergrund.

Eher zufällig in den Ferien beim Segeln gelandet

Wie Leon kam Luca eher zufällig bei einem Ferientraining zum Segeln und wurde sofort vom Ehrgeiz gepackt. "Der Leistungsfortschritt, der Vergleich mit den anderen und in großen Feldern vorne mitzufahren, das alles hat mich motiviert", sagt der Schüler, der zusammen mit seinem Bruder das Valentin-Heider-Gymnasium in Lindau besucht und dank seiner guten Leistungen jederzeit zu Regatten darf. Seit letztem Sommer erfolgreich in einem anderen, höchst anspruchsvollen Boot, das zur olympischen Klasse führt. Für die Studienwahl nach dem Abitur ist für den Achtklässler deshalb eines klar: Die Universität muss möglichst nahe am Wasser liegen.

Luca (links) und Leon Jost vom Württembergischen Yachtclub Friedrichshafen sind Segler aus Leidenschaft. Der 14-Jährige hat 2017 schon an der WM teilgenommen, sein jüngerer Bruder ist auf demselben Kurs.
Luca (links) und Leon Jost vom Württembergischen Yachtclub Friedrichshafen sind Segler aus Leidenschaft. Der 14-Jährige hat 2017 schon an der WM teilgenommen, sein jüngerer Bruder ist auf demselben Kurs. | Bild: Anette Bengelsdorf

Auf auf der Skipiste spitze

Auch Leon kann sich gut vorstellen, mit seinem großen Bruder im 29er auf dem Weg nach Olympia die Regattaszene aufzumischen. Selbstverständlich als Steuermann. Im August geht's aber erst mal zur Opti-Weltmeisterschaft. "Ich freue mich auf Zypern", sagt er und weiß bereits was es bedeutet, mit den Besten um die Wette zu segeln. Bei der WM-Vorbereitungsregatta in Holland trat er am letzten Wochenende schon gegen den amtierenden Weltmeister an und landete prompt auf dem 17. Platz.

"Man muss gut starten, gucken und schnell segeln, dann ist man vorne dabei", beschreibt der Knirps sein Erfolgsrezept. Darüber hinaus müsse man fit sein, laufen gehen, Übungen machen, sonst habe man keine Muskeln. Die hat er sich schon beim Skifahren antrainiert.

Zwei Sportarten parallel gehen nicht

Dort gehörte er bis vor kurzem ebenfalls zum Kader, will aber zukünftig nur noch beim Kreis-Cup starten. "Beim Skifahren hätte ich nicht die gleichen Chancen gehabt", begründet er ganz pragmatisch seine Entscheidung für den Segelsport. Sein älterer Bruder gewann im Winter in Laterns die Stadtmeisterschaft. Doch beide Sportarten auf hohem Niveau kam auch für ihn nicht in Frage. "In jedem Halbjahr haben wir nur zwei bis drei Wochenenden frei", sagt er und unter der Woche stehen neben Hausaufgaben Segeltraining und Athletik an.

Weder Vater noch Mutter können segeln

Die Eltern halten sich bei alledem zurück, unterstützen ihre Söhne mental und opfern ihren Urlaub, um die Champions quer durch Europa zu fahren. Weder Vater noch Mutter können segeln, stehen bei Regatten nicht mit dem Fernglas am Strand und versuchen keinen Druck aufzubauen. Der herrsche im Wettkampf von ganz alleine.

 

Olympisches Segeln

Die Grundausbildung erfolgt bis zum 14. Lebensjahr im Optimisten. Danach teilen sich die Segler in weiterführende Klassen auf. Für die Einzelkämpfer führt der Laser 4.7 zum Laser Radial für Frauen und Laser Standard für Männer oder die Schwergewichte zum Finn. Liebhaber von klassischen Zweimannbooten beider Geschlechter segeln 420er, der zum 470er führt. Athletische Abenteurer spezialisieren sich auf die Skiffs, die nur unter Fahrt in der Horizontalen bleiben. Zunächst der 29er, dann der größere 49erFX, der für Frauen olympisch ist und für die Männer der 49er. Nur das Zweirumpfboot Nacra 17 kann gemischt gesegelt werden.

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