Friedrichshafen Do-Days: Vom Simulator bis zum Arbeitspferd

Bei den Do-Days an Dornier-Museum und Flughafen Friedrichshafen waren wieder zahlreiche fliegende Oldtimer zu bewundern. Piloten und Techniker standen den Besuchern Rede und Antwort. Jürgen und Daniela Felber sowie Steffen und Jutta Breymaier genossen ihren Rundflug in der Do 27, den sie bei einer SÜDKURIER-Aktion gewonnen hatten.

Friedrichshafen – Konzentriert sitzt Phil-Jannes Leveille in einem kleinen, filigranen Helikopter und steuert ihn vom Sitz des Copiloten aus. „Der Junge ist talentiert“, ruft Fluglehrer Jürgen Kempa begeistert dessen Vater zu. „Schauen Sie“, sagt er und hebt die Hände, „ich brauche nichts zu machen.“ Als der 14-Jährige die große schwarze Virtual-Reality-Brille abnimmt und aussteigt, strahlt er über das ganze Gesicht. Die Alouette ist auf einem Anhänger montiert und dient seit ihrem Absturz als Simulator zur Ausbildung von Hubschrauberpiloten. „Helikopter fliegen ist das Schwierigste überhaupt“, sagt Fluglehrer Juan Ortiz. Um Menschen dafür zu begeistern, besuchen die beiden mit ihrer mobilen Alouette 2 Veranstaltungen wie die Do-Days des Dornier-Museums.

Neben dem libellenartigen Fluggerät steht „CH-53GS“, ein 27 Meter langes, nato-olivgrünes Monster mit 22 Meter langen Rotorblättern. „Unser Arbeitspferd“, sagt der Hauptfeldwebel der Luftwaffe, der für die Bordtechnik zuständig ist, und erzählt von den vielen Einsätzen des 40-jährigen Oldtimers. Ob Soldatentransport in Afghanistan oder Brandbekämpfung in Griechenland: Der Hubschrauber sei zuverlässig und solle noch lange fliegen. Wie seine Kameraden ist der Bordtechniker belagert von interessierten Besuchern, die an seinen Lippen hängen, wenn er von seinem Arbeitstier schwärmt.

Inzwischen ist klar, dass sich die Rundflüge weiter verzögern werden, da die dafür vorgesehenen Maschinen aufgrund der Wetterbedingungen nicht anfliegen können. Dafür strömen die Menschen die Rampe zum riesigen Laderaum einer Transall hinauf und stehen Schlange vor dem Cockpit. Das Lufttransportgeschwader 61 hat sie in diesem Jahr silbern lackieren lassen. Eine Gams, das Wappentier des Geschwaders, ziert den 32 Meter langen Transporter Baujahr 1972, die „Silberne Gams“, von der sich das Geschwader in diesem Jahr verabschieden muss. „Sie liegt ganz ruhig in der Luft und verzeiht viele Fehler, auch beim Landen“, sagt der junge Co-Pilot Hendrik Schmitt etwas wehmütig. Aus dem vorderen Ausgang kommen ein Imperial Gunner und ein Storm Trooper aus „Star wars“ hervor und sorgen für Handy-Foto-Fieber.

So langsam macht das Wetter, was von ihm an einem solchen Tag erwartet wird. Die ersten Rundflüge sollen ab 14 Uhr starten. Bis dahin bilden sich lange Schlangen vor dem Würstchenstand auf der Terrasse. Kinder toben in der Zeppelin-Hüpfburg und liefern sich spannende Rennen auf roten und gelben Tretfliegern. „Wettermäßig ist der heutige Tag noch etwas verhalten“, sagt David Dornier, Direktor des Dornier-Museums. Er findet es angenehm, dass die Besuchermassen nicht auf einmal hereinströmen, bedauert jedoch, dass nur wenige Gastflugzeuge zu sehen sind. „Viele Gäste konnten wegen des schlechten Wetters nicht anreisen. Sie fliegen auf Sicht und es wäre zu gefährlich gewesen.“ Einige haben es dann doch gewagt. Die Luft bebt, als die amerikanische Trojan T28 mit ihrem Zehnzylinder-Sternmotor landet.

Dann kleben die Besucher am Zaun, der das Museumsgelände vom Rollfeld trennt. Die historischen Rundflugmaschinen sind im Anflug, darunter eine knallrot lackierte Antonov AN 2, ein Doppeldecker, der alle Blicke auf sich zieht.
 

"Habe schon morgens um 5 Uhr beim SÜDKURIER angerufen"

Eigentlich ist Martin Schifferer Pilot einer Boing 737-800, doch bei den Do-Days fliegt er eine historische Do 27. Es macht ihm Spaß, die vier Gewinner eines Rundflugs einer SÜDKURIER-Verlosungsaktion spazieren zu fliegen. "Ich habe schon morgens um 5 Uhr beim SÜDKURIER angerufen", erzählt Jürgen Felber. Er sei wie seine Frau Daniela total überrascht gewesen, als er am Freitag seinen Namen als Gewinner in der Zeitung gelesen habe. Ihnen gegenüber sitzen Steffen Breymaier und seine Frau Jutta. "Ich sitze heute zum ersten Mal in einem Flugzeug dieser Größe", sagt sie. Vielleicht ist sie ja auch ein wenig aufgeregt. Dagegen hilft auf jeden Fall der Humor des Piloten, der Kurs auf die Insel Mainau nimmt. Mit einer Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern fliegt er an der Blumeninsel vorbei, die wie ein Smaragd im spiegelglatten Wasser liegt. Martin Schifferer navigiert nach einem Ausschnitt aus einer Fliegerkarte, überprüft Öl- und Ladedruck und regelt die Zylinderkopftemperatur. Der Oldtimer, Baujahr 1959, gehört der Bundeswehr-Sportfliegergemeinschaft Fürstenfeldbruck, deren Vorsitzender er ist. Auf dem Rückweg ist Markdorf zu sehen und Schifferer meldet sich am Pflichtmeldepunkt beim Tower an. "Meine Damen und Herren, wir haben die Reiseflughöhe verlassen", scherzt er und setzt wenig später sanft auf dem Rollfeld auf. "Wir haben unser Zuhause gesehen", sagt Daniela Felber. Alle sind begeistert von dieser entschleunigten Art zu fliegen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen -
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen -
Die besten Themen
Kommentare (1)
    Jetzt kommentieren