Friedrichshafen Die Orgel in der Schlosskirche soll "Zauberflöten" erhalten

Ursprünglich sollte die Orgel in der Schlosskirche in Friedrichshafen nur saniert und renoviert werden. Doch Orgelbauer Thomas Gaida überzeugte durch eine andere Idee: Die neue Orgel soll mit ausgelagerten Registern und einem zweiten Spieltisch den ganzen Kirchenraum nutzen. Die Orgel werde nach dem Umbau "vermutlich ihresgleichen suchen", ist Herzog Friedrich von Württemberg überzeugt.

Wenn der Fön auf die Westwand der Schlosskirche drückt, bröselt der Putz – auch in die Orgelpfeifen. Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel hat einen ganzen Karton solcher Stücke gesammelt, die Orgelpfeifen verstopft oder beschädigt haben. Auch sonst ist die Königin der Instrumente in die Jahre gekommen. Was bei ihrem Neubau 1970 topmodern war, ist heute altersschwach: Korrosionserscheinungen, Materialermüdung, ein Manual ist nicht mehr zu verwenden.

"Zuerst hatten wir eine konservative Lösung im Sinn, die bestehende Orgel gründlich zu reinigen und klanglich zu optimieren", sagt Wittnebel. Orgelbauer Thomas Gaida überzeugte aber durch eine andere Idee: Die neue Orgel soll mit ausgelagerten Registern und einem zweiten Spieltisch den ganzen Kirchenraum nutzen. "Es wird eine klangliche Erweiterung mit neuen Registern geben, der Klang wird nicht mehr nur von einer Seite kommen, sondern die ganze Kirche umfangen", sagt Wittnebel.

Der Orgelbauer ist zurzeit in Großbritannien unterwegs, um Register aus aufgelösten Kirchen aufzukaufen. "Das sind kostbare Antiquitäten, zum Teil Unikate." So wird die neue Orgel "flauti mirabili" – wunderbare Flöten – haben, denen ihre vielen Obertöne eigenen Ausdruck verleihen. Für den Altarraum plant der Orgelbauer eine Klangskulptur, ein Register, das auf Rollen durch den Raum gleitet. Mit einem Midi-Anschluss kann die neue Orgel auch elektronische Musik erzeugen.

Diese Erweiterung wird aufwendiger und teurer als die zunächst angedachte Renovierung. "Aber wir sehen darin auch eine Verpflichtung, diesen wunderbaren Raum für zukünftige Generationen als Gottesdienstraum zu erhalten", sagt Codekan Gottfried Claß.

Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Herzog Friedrich von Württemberg übernommen. "Ich habe das gern getan. Wir sind Nachbarn, meine katholischen Kinder haben in der Schlosskirche mitgesungen und wir sind immer gern in die Konzerte gekommen, vor allem in der Karwoche", sagt er. "Wenn der Umbau vollendet ist, wird es in der Schlosskirche eine Orgel geben, die vermutlich ihresgleichen suchen wird."

Bisher sind 300 000 Euro an Spenden zusammengekommen. Im Sommer wird die Orgel abgebaut und die westliche Innenwand restauriert. Dann beginnt die Arbeit an der Orgel. 18 Monate sind dafür veranschlagt. Im ersten Bauabschnitt wird die Orgel grundsaniert und eines der Hilfsregister eingerichtet. Die anderen Bauabschnitte folgen, wenn das Geld da ist: 200 000 Euro fehlen. "Ohne ein paar Großspenden werden wir das kaum schaffen", sagt Claß. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Pfeife oder ein Register zu finanzieren. Die "flauti mirabili" kosten 12 000 Euro.

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