Ravensburg Candy Dulfer und Band brachten den Funk ins Haus

Das Konzert im Konzerthaus Ravensburg war der fetzige Höhepunkt des Tans4Jazz-Festivals

Das Wichtigste vorab: Doch, man kann blond, hübsch und langbeinig – und trotzdem eine erstklassige Musikerin sein. Vorurteile über ihr Aussehen hat die 48-jährige Holländerin spätestens mit 21 gekontert, als sie für vier Jahre in der Band von Prince einstieg und mit „Saxuality“ ihre erste Soloscheibe rausbrachte.

Seither sind über 25 Jahre vergangen und man durfte im Ravensburger Konzerthaus eine – in jeder Hinsicht – ausgereifte Musikerin mit ebensolcher Band erwarten. "Keine Band der Welt zelebriert den Funk knackiger und moderner", gab’s Vorschuss vom Ansager des Veranstalters "Jazztime Ravensburg". Wer unlängst in der Region "Tower of Power" und Maceo Parker hatte und Candy Dulfer zuletzt vor 15 Jahren im Bahnhof Fischbach gesehen hatte, fand das erstmal recht hoch gegriffen.

Alles egal: Als Candy die Bühne betrat, goldgelockt und goldbefrackt, in schwarzer Hose statt ihrer berüchtigten Miniröcke, fuhr die Begeisterung sofort von Null auf Hundert. Goldiges Lachen, goldiger Akzent: "So ein schönes Theater hier", schwärmte Candy, "ihr seid aber auch wunderschön". Das Konzerthaus war gut voll, das Publikum so im Alter "40 plus".

Mit "How It’s Done" von ihrer neuen CD "Together" ging es knackig los, dann gleich ein Tribut an Prince: "Out of Time". Zu "Lily was here" erzählte sie die Geschichte ihrer Zusammenarbeit mit "Eurhythmics" Dave Stewart ("ich hab das seither bestimmt hunderttausendmal gespielt") und jammte danach 15 Minuten über das acht-taktige Motiv mit drei Pop-Akkorden. Von knallig-funky bis zur Ballade nur mit Gitarre. "Chance, würdest du da bitte noch etwas herzhaften Soul drübergeben…?" Chance Howard war der Special Guest des Abends: Candys Band-Kollege bei Prince und der Inbegriff einer schwarzen Wuchtbrumme mit Mörder-Stimme. Ob Stevie-Wonder-Scat zum Hohner-Clavinet-Sound oder Anfeuerungen à la James Brown: Chance Howard brachte Stimmung in die Bude: "Yeah, wir bringen den Funk ins Haus!"

Fette Bläsersätze waren früher – jetzt hat Candy zwei junge schwarze Sänger auf der Bühne, darunter Ivan Peroti, Gewinner von "Voice of Holland". Das gibt, plus Candy, einen messerscharfen Satzgesang, präzise und pointiert. Andererseits bekommt man das Altsaxofon alleine, selbst wenn es super gespielt wird, irgendwann über. Musikalisch Dialoge lieferte sich Candy mangels anderer Bläser, wenn nicht singend mit Chance, am ehesten mit Gitarrist Ulco Bed.

Alles war hier dabei: Leicht schräger Funk aus den 70ern, schwarze Dance-Grooves aus den 80ern und – besonders von der neuen CD – beinhart moderner Dancefloor-Sound mit Tiefbässen, dass die Wände förmlich wackelten. Hip-Hop bei 2Pac’s "California Love" und Candy am Vocoder-Sax, manchmal auch Balladen mit jenem Fusion-Schmelz, den wir schon bei David Sanborn nicht so mochten.

Die Kracher, auf die alle warteten, gab’s zum Schluss: Candys 1993er-Hit "Sax a Go Go" mit fließendem Übergang zu "Pick Up The Pieces", das sie fröhlich jammend auf 20 Minuten streckten. Erste von drei Zugaben: "Cool", das liebste Stück von Meister Prince.

Candy & Co. sorgten für Partystimmung mit "Come on y’all, clap your hands!" und richtigen Funky-Krachern, in der Qualität wie bei Maceo Parker, nur leider mit matschigerem Sound. Fazit: Ein Abend mit bestens eingespielter Band, die in Ravensburg den Abschluss ihrer Europatournee regelrecht feierte.

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