Friedrichshafen - Camerata Serena beschenkt das Publikum

Das Adventskonzert in der Kirche St. Magnus in Fischbach am 3. Advent enthielt Chorwerke vom 16. bis ins 20 Jahrhundert, von Thomas Tallis bis zu Hugo Distler

Zum Auftakt „Tochter Zion“, zum Abschluss „Ich steh an deiner Krippen hier“ – die Camerata Serena präsentiert bei ihrem Adventskonzert einen guten Teil des Beliebtesten, was die Klangperlenschatulle an adventlichen und weihnachtlichen Liedern hergibt. Umso unverständlicher, dass die Kirche St. Magnus nur mäßig besucht ist. Mit 13 Stimmen – neun Frauen und vier Männern, akustisch besonders die Soprane stark – ist die Camerata schlank, aber keineswegs dürftig aufgestellt.

Dass auch die Emotionalität nicht in die Breite geht, darauf achtet der Leiter der Camerata, Nikolaus Henseler, in seinem zugkräftigen Dirigat, besonders merklich bei „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, in einer Fassung Hans Leo Haßler. Wohltuend, dieses Luther-Lied einmal ohne das schleppende Element zu hören, das ihm eigen ist, wenn es von einer großen Kirchengemeinde gesungen wird. Wunderbar leicht und mit geschwungener Eleganz gelingt auch das „Wiegenlied der Hirten“, eine von Max Bruch bearbeitete Volksweise. Und doch ist die Camerata von einem festgelegten Ausdruck weit entfernt. Mendelssohns „Dir, Herr, will ich mich ergeben“ wird mit gleichsam niedergeschlagenen Augen gesungen und mit der Ruhe einer Demut, in der sich dennoch die Stimmen weit auffächern. So entsteht ein Klang, der einem milden, vielfarbigen Lichtstrahl entspricht.

Am bewegendsten ist wohl Regers „Schlaf wohl, Du Himmelsknabe“. Das liegt einmal an der gesanglich daunenweich ausgestalteten Melodie, in der die Soprane die Krippe mit himmelhohen Bögen überwölben. Es liegt aber auch am Text, der von der Schlichtheit eines Wiegenlieds abweicht: „Und wirst du groß, so fließt dein Blut von Golgatha herab. Ans Kreuz dich schlägt der Menschen Wut. Dann legt man dich ins Grab“. Das Bild des schlummernden Jesusknaben wird überblendet von der Vorstellung des schon begrabenen Erlösers. Die Friedlichkeit des Gesangs spendet so auch Trost für Grausamkeiten, die das Kind erst noch erwarten. „Hab immer deine Äuglein zu“, beschwört die Camerata den Säugling; durch die Doppelung der Situationen durchaus beklemmend.

Aber hier neigt sich das dreiviertelstündige Konzert schon dem Ende zu und schließt den Bogen einer Dramaturgie, die eingangs aufgenommen wird mit der Vorfreude auf die Geburt Christi, mit Dedekinds „Gelobet sei, der da kommt“ und Hugo Distlers „Nun kommt der Heiden Heiland“, denen die dazwischen liegenden drei Jahrhunderte nicht unbedingt anzuhören sind.

Mit „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ in der Fassung von Mendelssohn gelingt den Sängerinnen und Sängern der sanfteste Weckruf, der sich denken lässt. Aber in einer sehr feinen Steigerung der Dynamik gipfelt das verhaltene Rufen in einer leuchtenden „Ewigkeit“, die der kommende „Bräutigam“ Jesus eröffnet.

„Wie soll ich dich empfangen?“, diese Frage wird in Bachs Weihnachtsoratorium dem nur einmal Mensch werdenden Gottessohn gestellt, und in einem Rückgriff auf Thomas Tallis – 180 Jahre vor Bach geboren – folgt die Antwort: „If ye love me, keep my commandments, and I will pray the Father“. Von Bachs Ergebenheit wechselt die Camerata so in den Ausdruck eines aus der Höhe gesandten, aufbauenden Zuspruchs.

Eine Zugabe gibt es nicht, aber das Publikum ist ausreichend beschenkt. Und die Camerata fährt schnurstracks weiter nach Meersburg, wo das Konzert ein zweites Mal gegeben wird.

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