Friedrichshafen - Camerata Serena bereitet A-Cappella-Programm vor

In Ravensburg und Überlingen werden "Europäische Klangwelten" präsentiert, mit Werken, die von der Spätrenaissance bis in die Moderne des 20. Jahrhunderts reichen. Im September folgen Sinfonien von Beethoven, mit Aufführungen in Friedrichshafen und Ravensburg

Als der Leiter der Camerata Serena, Nikolaus Henseler, unlängst in Meersburg ein Klavierkonzert gab, ahnte das Publikum wohl nicht, dass es einer Art Generalprobe lauschte: Am vergangenen Montag hat Henseler mit diesem Programm an der Musikhochschule Trossingen den Bachelor seines Klavierstudiums gemacht, und zwar mit einer glatten Eins.

Nun ist der Kopf wieder frei für die nächsten Konzerte der Camerata: das A-Cappella-Programm mit dem Titel „Europäische Klangwelten“, das am Samstag, 30. Juli im Festsaal des Klosters Weissenau aufgeführt wird, sowie am Sonntag, 31. Juli, in der Franziskanerkirche in Überlingen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Zum zweiten ist da ein reines Orchesterprogramm, an dem der Chor nicht beteiligt ist: Nikolaus Henseler, der in Trossingen auch Dirigat studiert, wird von Beethoven die siebte und die achte Sinfonie aufführen, als Leiter des Orchesters „La Banda“ aus Augsburg. Das Orchester musiziert auf historischen Instrumenten und hat mit der Camerata bereits Bachs „Johannespassion“ und das „Deutsche Requiem“ von Brahms aufgeführt. „Beethoven ist grundsätzlich einer der Schwierigsten“, sagt Henseler. „Die Siebte und die Achte sind reich an Kontrasten. Das beschränkt sich nicht auf laut und leise, sondern betrifft auch die Stimmungswelten. Da ist etwa in der Siebten der verhältnismäßig langsame 2. Satz, der wie ein Trauermarsch wirken kann – und dagegen die wilde Raserei im letzten Satz.“

Die Konzerte mit den Beethoven-Sinfonien finden am Samstag, 17. September, im Konzerthaus in Ravensburg und am Sonntag, 18. September, im Ludwig-Dürr-Saal des GZH in Friedrichshafen statt. Für das Ravensburger Konzert können über Reservix bereits Karten gekauft werden, der Vorverkauf für die Häfler Aufführung beginnt demnächst.

Zunächst steht aber das A-Cappella-Programm in der nächsten Woche an. Dabei geht die Camerata wieder einmal neue Wege. Zum einen, weil es, anders als sonst, keine deutschen Komponisten enthält – wenngleich mit Bruckner und Mozart zwei Österreicher aufgenommen wurden. Zum anderen werden instrumentale Beiträge eines mit Trompeten, Posaunen und Trommel besetzten Quintetts aus Trossingen eingestreut. „Blechbläser hatten wir noch nie“, sagt Henseler.

„Europäische Klangwelten“ heißt das Programm, weil die ausgewählten Komponisten neben Österreich auch aus Frankreich (Rondeau, Debussy). Italien (Gesualdo, Frescobaldi), England (Purcell, Farmer, Elgar, Bennet, R.V. Williams) und Russland (Rachmaninov) stammen. Zeitlich reicht es von der Spätrenaissance bis in die Moderne des 20. Jahrhunderts, sowohl mit geistlichen als auch weltlichen Werken.

Nur einmal treten die rund 26 Stimmen der Camerata mit den Bläsern zusammen auf: bei Purcells „Music for the funeral of Queen Mary“; mit fast 20 Minuten kein ganz kleines Stück – und Maßarbeit: „Das Werk ist genau so lang wie im Jahr 1695 der Trauerzug brauchte, um von der Kirche bis zum Grab von Königin Maria II von England zu kommen“, sagt Henseler. Um bei den zeitlich am weitesten zurückliegenden Stücken zu bleiben: für John Farmer, geboren 1570, wurde sein berühmtestes Madrigal „Fair Phyllis I saw“ ausgewählt; eine tänzerische Angelegenheit. Der schillernde Carlo Gesualdo – schließlich ging er nicht nur als komponierender Fürst in die Geschichte ein, sondern auch als Mörder, der aus Eifersucht seine Frau und ihren Geliebten ermordete – ist dagegen mit dem liturgischen Gesang „O vos omnes“ vertreten. Gesualdo schrieb ihn 1603, durch den Tod seiner Tochter schwermütig geworden. „Schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei wie mein Schmerz“, heißt es in deutscher Übersetzung.

Zutiefst friedfertig und hoffnungsfroh ist Edvard Elgars Choral „The Shower. „Perhaps at last / Some such showers past / My God would give a sunshine after rain“, heißt es darin. Ralph Vaughan Williams gibt dagegen im mittleren seiner „Three Shakespeare Songs“ Prospero eine Stimme, dem Protagonisten aus „Der Sturm“. In einer gänzlich entrückten Klangsprache betrachtet er das Leben, die ganze Welt, als Schein, der wie Wolkengebilde verschwinden wird.

Das sind nur einige wenige Aspekte eines Konzertprogramms, mit dem die Camerata Serena Tiefschürfendes zutage fördert. Dass ihr das auf bewegende Weise gelingen wird, ahnt jeder, der die Camerata schon einmal gehört hat.

Ihre Meinung ist uns wichtig
% SALE bei SÜDKURIER Inspirationen %
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren