Friedrichshafen Bürgersolardächer in Kluftern weiterhin ein Erfolgskonzept

Seit gut 15 Jahren dreht sich im Rahmen der Lokalen Agenda 21 in Kluftern vieles um die Solarenergie. Denn vier Solardächer auf öffentlichen Gebäuden liefern zuverlässig Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Auch wenn die Anlagen immer noch ein Erfolgsmodell sind: Heute lohnen sich Bürgersolardächer wirtschaftlich nicht mehr, sagt Erwin Bär, Geschäftsführer der Bürgersolardach Kluftern.

Über 15 Jahre ist es her, dass in Kluftern die Lokale-Agenda-21-Arbeit begann. Ein Teil davon ist der Arbeitskreis (AK) Solarnutzung, aus dem damals ein knappes Jahr später die Bürgersolardach (BSD) Kluftern GbR(mbH) entstand. Immer noch und immer wieder dabei ist Arbeitskreis-Organisator und BSD-Geschäftsführer Erwin Bär, der regelmäßig im Ortschaftsrat über die Aktivitäten berichtet.

Der Arbeitskreis hat derzeit zehn Mitglieder und trifft sich am ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Gasthof "Gehrenbergblick". Mitmachen kann hier jeder, erklärt Bär. Im vergangenen Jahr stand die Nominierung von Friedrichshafen für den deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018 im Zentrum der Arbeit. "Friedrichshafen hat es unter die letzten fünf Städte mittlerer Größe geschafft", berichtet Bär. Letztlich reichte es aber nach einer Diskussion in Friedrichshafen mit Jurymitgliedern nicht zu einem Platz unter den letzten Drei. Neben vielen guten Ergebnissen, unter anderem beim Klimaschutz, sei der Flächenverbrauch durch Siedlungsbau und Verkehr sowie die intensive Landbewirtschaftung schwächer beurteilt worden.

In diesem Jahr plant der Arbeitskreis wieder einen Vortrag. Der Letzte war im März 2016 mit dem Thema "Solarnutzung für den Eigenbedarf". "Seitdem ist nichts gegangen", sagt Bär. Stolz ist er, den Experten für regenerative Energien, Professor Volker Quaschning, von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) aus Berlin gewonnen zu haben. "Klimawandel auch bei uns? Kann uns die Energiewende noch retten?", lautet das Thema seines Vortrags am Mittwoch, 19. September um 19 Uhr im Bürgerhaus Kluftern. Es geht um Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen auf internationaler, kommunaler und individueller Ebene. "Zum Glück dreht sich die Erde von West nach Ost, sonst hätten wir die Hurrikans hier", meint Bär mit Blick auf zunehmende Extremwetterereignisse.

Weiterhin eine Erfolgsgeschichte, trotz kleinerer Probleme, seien die Bürgersolardächer in Kluftern auf dem Bürgerhaus, der Grundschule, dem Bauhof und zuletzt dem Feuerwehrhaus. Im Schnitt produzieren sie zusammen konstant 103 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. "Das ist ein guter Wert", meint Bär, denn man rechne mit einem Leistungsverlust von einem Prozent pro Jahr durch die Eintrübung der Gläser der Panels. Im März 2004 ging die erste Anlage in Betrieb. Damals, erzählt Bär, habe man praktisch 1:1 die Präsentation, den Dachnutzungsvertrag und den Gesellschaftervertrag von der Lokalen Agenda 21 in Markdorf übernommen und nur die Namen ausgetauscht. Dort sei man in Leimbach wenige Wochen früher dran gewesen.

Heute lohne sich ein Bürgersolardach nicht mehr, stellt er fest. Damals sei eine feste Einspeisevergütung für die Anlagen auf 20 Jahre Laufzeit festgelegt worden. Über die Jahre sei die Einspeisevergütung für aktuelle Vorhaben aber so gering geworden, dass neue Bürgersolardachanlagen nicht mehr wirtschaftlich seien. Auch im Privathaushaltsbereich lohnten sich neue Anlagen inzwischen nur, wenn der erzeugte Solarstrom selbst verbraucht werde, wobei die zunehmende Elektromobilität, Pufferspeicher vorausgesetzt, hier erweiterte Möglichkeiten biete, erläutert Bär. Der Arbeitskreis zeige Interessierten auch die Möglichkeiten der Förderung auf, beispielsweise durch das städtische Programm Klimaschutz durch Energiesparen, und unterstütze bei der Planung.

Bär pflegt auch die Daten der Solarbundesliga, ein Vergleich von Städten, Gemeinden und Ortsteilen in Deutschland bei den Fotovoltaik- und Solarthermieanlagen. Friedrichshafen liegt dort auf Platz 53 von 275 Städten mittlerer Größe, die Ortschaft Kluftern auf Platz 225 von 921. Konkret bedeutet dies (Stand 31. Dezember 2017), dass in Friedrichshafen 20,7 Prozent des privaten Strombedarfs durch Fotovoltaik (Sonnenstrom) abgedeckt werden, in Kluftern 35,3 Prozent. Durch Solarthermie (Sonnenwärme) werden in Friedrichshafen 12,9 Prozent des privaten Warmwasserbedarfs abgedeckt, in Kluftern sind es 20 Prozent. Bei der Solarthermie gebe es aber keine aktuellen Zahlen des Gesamtbestands, weil die Stadt nur das zählt, was sie fördert. Im kommenden Jahr gehe er in Rente, dann werde er einen Aufruf in Kluftern machen, denn er ist sicher: "Wir sind besser als der Tabellenplatz."

Solarbundesliga

Im Bodenseekreis sieht die Wertung in der Solarbundesliga unter den teilnehmenden Gemeinden (Solarthermie und Fotovoltaik) wie folgt aus: Frickingen vor Daisendorf, Neukirch, Friedrichshafen, Oberteuringen, Kressbronn, Meckenbeuren, Tettnang, Eriskirch, Langenargen, Salem und Markdorf.

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