Friedrichshafen Bühne FN5 löst Lachsalven aus

Die Ailinger Theatergruppe spielt Michael Cooneys Komödie "Ewig rauschen die Gelder": Erik Scholzer will seine Arbeitslosigkeit vor seiner Frau verbergen und betrügt lieber das Sozialamt.

"Mein aufrichtiges Beileid! Ein schrecklicher Verlust!", sagt Frau Müllerschön von der Nachbarschaftshilfe. "Ja, schade, es wäre so schön gewesen", antwortet Norbert etwas verdattert. "Sie müssen schrecklich traurig sein!", sagt sie. "Meine Mutter sagt immer, man soll alles von der schönen Seite sehen", sagt er. Was das Publikum weiß, die beiden aber nicht: Sie reden von ganz unterschiedlichen Dingen. Frau Müllerschön hat vom Sozialamt erfahren, dass Norberts Vater am Morgen gestorben sei. Norbert glaubt, sie sei vom Frauenbund und spreche von der Kreuzfahrt, die seine Eltern nicht gewonnen haben. "Von der schönen Seite?", fragt Frau Müllerschön dann auch verwundert. "Uns bleibt immer noch der Toaster", sagt er – den sollten die Eltern als Trostpreis bekommen. Sie reißt die Arme hoch: "Wie schrecklich! Da arbeitet der Mann ein Leben lang und alles, was seiner Familie bleibt, ist ein Toaster!"

Ausgerechnet an dem Tag, als Erik Scholzer (Joachim Seliger) anfangen will, ehrlich zu werden, taucht die Außenprüferin vom Sozialamt (Eva-Maria Morandell) auf.
Ausgerechnet an dem Tag, als Erik Scholzer (Joachim Seliger) anfangen will, ehrlich zu werden, taucht die Außenprüferin vom Sozialamt (Eva-Maria Morandell) auf. | Bild: Corinna Raupach

Zweieinhalb Stunden lang reden die Schauspieler der Theatergruppe Bühne FN5 konsequent aneinander vorbei, zur Belustigung der Besucher. Schuld daran ist Erik Scholzer. Der hat vor zwei Jahren seinen Job verloren. Um das seiner Frau Linda nicht sagen zu müssen, betrügt er das Sozialamt. Er hat diverse bedürftige Untermieter erfunden, für die er Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Schlechtwetter-, Kranken-, Wohn- und Kindergeld sowie Rezepte und Atteste bezieht. Als Frau Jenninger, Außenprüferin des Sozialamts, vor der Tür steht, verstrickt er sich immer tiefer in ein Netz von Lügen und Absurditäten. Joachim Seliger als Scholzer läuft dabei hektisch hin und her, windet sich und versucht immer neue Winkelzüge.

Bestatter Bodo Himmelreich will den vermeintlichen Leichnam von Onkel Schorsch wegen Infektionsgefahr sofort in die Autopsie verlegen (v.l.: Günter Erdmann, Britta Langenberg, Ulrich Völpel, Thomas Ketterer).
Bestatter Bodo Himmelreich will den vermeintlichen Leichnam von Onkel Schorsch wegen Infektionsgefahr sofort in die Autopsie verlegen (v.l.: Günter Erdmann, Britta Langenberg, Ulrich Völpel, Thomas Ketterer). | Bild: Corinna Raupach

Ausgerechnet an diesem Tag wollte Scholzer ehrlich werden. Um das Wohngeld für seinen einzigen existierenden Untermieter Norbert Rottweiler abzustellen, ruft er beim Sozialamt an und erklärt, Norbert sei gestorben. Der ist aber nur unpässlich, sucht in der Küche nach Aspirin und soll jetzt Scholzer helfen, Frau Jenninger zu täuschen. Nobert will alles aufklären. "Das geht nicht, du bist auf einer Beerdigung", sagt Scholzer. "Auf welcher denn?", fragt Norbert. "Auf deiner, du bist heute Morgen gestorben!", erklärt Scholzer – Auftakt für Thomas Ketterer: Als Norbert vergisst er über dem Stress seine Krankheit, benimmt sich nach Bedarf tieftraurig, taubstumm oder verliebt und turnt Aerobic in Frauenkleidern.

Die Verwicklungen nehmen mit jeder weiteren Person zu: Mit Onkel Schorsch treibt Scholzer einen schwungvollen Handel mit Perücken, Korsetts, Umstandsmoden und Still-BHs. "Es wäre doch aufgefallen, wenn ich die Rezepte nicht eingelöst hätte", erklärt Scholzer. Ulrich Völpel muss als Onkel Schorsch im Verlauf des Stücks sich selbst, seinen Neffen, den toten Norbert, den toten Vater Norberts und dessen Zwillingsbruder verkörpern – bei der Verwandlung in Linda Scholzer wird er unterbrochen.

Kein Wunder, dass auch noch der Blitz in das Haus einschlägt (v.l.: Gabi Poschmann, Joachim Seliger, Carmen Mayer, Eva-Maria Morandell, Thomas Ketterer, Natalie Maier).
Kein Wunder, dass auch noch der Blitz in das Haus einschlägt (v.l.: Gabi Poschmann, Joachim Seliger, Carmen Mayer, Eva-Maria Morandell, Thomas Ketterer, Natalie Maier). | Bild: Corinna Raupach

Linda – nahe am Wasser gebaut dargestellt von Carmen Mayer – hat die Waren ihres Mannes entdeckt und eine Eheberaterin engagiert: Frau Doktor Stengel (Jutta Biegel), die mit rosa Strümpfen, dicker Brille und dünner Stimme über die Bühne trippelt. "Ist die Mutter ihres Mannes groß? Hat sie große Brüste?", fragt sie angesichts der Beweismittel und beruhigt: "Noch zieht er die Sachen wahrscheinlich nur vor dem Schlafzimmerspiegel an." Schön staubig gibt Günter Erdmann den Bestatter Bodo Himmelreich, der den vermeintlich Toten auf dem Esstisch aufbahren will. Schließlich hat Gabi Poschmann als Sozialamtschefin Storz-Halembohm einen kurzen aber knackigen Auftritt und Natalie Maier huscht als Norberts Verlobte Bettina in niedlicher Verzweiflung über die Bühne – das Chaos ist komplett.

Die Ailinger Theatergruppe Bühne FN5 gibt die Farce "Und ewig rauschen die Gelder" von Michael Cooney mit hinreißender Spielfreude und löst beim Publikum immer wieder Lachsalven aus. Eva-Maria Morandells zickig-akkurate Sozialamtsprüferin Jenninger schwankt und schwafelt nach zahlreichen Irrtümern, Kaffeetassen und Likörchen nur noch haltlos. Bei Britta Langenberg alias Sabine Müllerschön werden Sätze wie "Ich hatte ja keine Ahnung!" oder "Kopf hoch!" dank Mimik und Gestik zu komödiantischen Höhepunkten, für die sie Szenenapplaus bekommt.

Weitere Aufführungen am Samstag, 18. November um 19.30 Uhr und am Sonntag, 19. November, um 16.30 Uhr im Gemeindehaus Berg.

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