Friedrichshafen Berauschend und zu Herzen gehend

Konzert des Philharmonischen Chor Friedrichshafen mit Werken von Händel und Mozart in St. Magnus wird zum wahren Musikereignis

Überwältigender vollmundiger Jubel erschallt bereits beim ersten Einsatz des Philharmonischen Chores Friedrichshafen am Sonntag in St. Magnus. Mit fein dosierter Dynamik hat die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben (KBO) diesen Anfang mit Streichern und Oboen, dann mit Pauken und Trompeten vorbereitet: mit sanft huschenden Arpeggien beginnend und mit Steigerungswellen auf den Höhepunkt zustrebend. Auf dem Programm stehen die „Coronation Anthems“ (Krönungshymnen) von Händel sowie „Exsultate Jubilate“ und die Krönungsmesse von Mozart. Dazu hat Chorleiter MD Joachim Trost exzellente Solisten ausgewählt. Und so wird dieses Konzert schließlich zum wahren Musikereignis. Für Pfarrer Michael Benner ist es gleichzeitig ein Geschenk zum anstehenden 60. Jubiläum seiner Kirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Beide Klangköper sind schließlich Garanten für Klangkultur und Hörgenuss. Trost hat die Aufführenden fest im Griff und im Blick. Elegant und mit wachsender Freude zeichnet er vor, was die Aufführenden mit beispielhafter Präsenz, feiner Klangkultur und schwelgerischer Klangfreude umsetzen.

Seit der Uraufführung 1727 ist die am Anfang stehende Hymne „Zadok the Priest“ zur Salbung des Monarchen Salomon die populärste aller vier barocker Hymnen, die bis heute bei den britischen Krönungsfeierlichkeiten aufgeführt wird. „Rejoiced“ (freut sich) kommt mit gezügelter Freude daher, dabei tanzen die Chorstimmen auf dem federnden Dreivierteltakt der KBO. Das majestätisch schreitende „God save the King“ mündet in jauchzende Amen-Alleluja-Ketten mit alternierenden akkuraten Koloraturen einer Stimmgruppe über oder unter angestoßenen, wie Lachen klingenden, Achtelakkorden der anderen Stimmgruppe. Bei „Let thy hand be strengthened“, das von der gestärkten und erhabenen Hand handelt, ist Gelassenheit zu spüren, „Let justice and judgement“ (Gericht und Gerechtigkeit) lotet der Chor als breit angelegtes flehentliches Bitten aus, gefolgt von einem hoffnungsvollen Alleluja, das auf große Gebärden verzichtet. Im viersätzigen „The king shall rejoice“ voller segensreicher Wünsche und im abschließenden „My heart is inditing“ (mein Herz dichtet) zeigt der Chor seine flexible Gestaltungsfreude. Nach der Orchestereinleitung bieten die vier perfekt harmonierenden Solisten reinen Hörgenuss. Erhebender Gesang für die Behütung des Königs beschließt die letzte Hymne der Coronation Anthems, doch Freude und Jubel hallen immer noch nach.

Die Sopranistin Jasmin Maria Hörner ist ein wahres Stimmwunder mit einer Stimmkraft, die man bei dieser zarten Person nicht vermutet. Ihr „Exsultate jubilate“ wird so zur Sternstunde der Musik. Ihr Gesang leuchtet, ihre explosiven, funkelnden Spitzentöne scheinen das Kirchendach zu durchbrechen. Sie singt mit einem Lächeln im Gesicht und solcher Innigkeit, mit schimmernden, luftigen Koloraturen und atemberaubender Strahlkraft, dass man meint, es nie schöner gehört zu haben. Sehr einfühlsam nimmt sich die KBO hier zurück, um ihr genügend Raum zu lassen. Martina Gmeinder, Mezzosopran, singt den Altpart mit warmem, farbigem Ausdruck und unerschütterlicher Abgeklärtheit. Mit seinem hellen, frei strömenden Tenor überzeugt Roman Payer auch sonst als gefragter Konzert- und Liedsänger. Bassbariton Martin Danes scheint etwas indisponiert. Er hat nur wenige Momente, in denen er seine gute Stimme frei entfalten kann. Mittlerweile gilt als sicher, dass Mozart seine Krönungsmesse für die Feier des Osterfestes am 4. oder 5. April 1779 im Dom von Salzburg geschrieben hat. Sie ist ein Juwel geistlicher Chorliteratur, in der der Chor noch einmal alle Register zieht. Charakteristisch darin sind die sinfonischen Elemente sowie die klare Trennung von Solo- und Chorstimmen. Im „Kyrie“ zeigt sich die dichte Geschlossenheit des Chores. Nach beherztem Ansingen des „Kyrie“ sinkt er einheitlich in sanftes Piano zurück. Auf den festlich geprägten Duktus folgt eine lyrisch-empfindsame Melodik der Sopranistin. Im Gloria und Credo ist des Chores Versiertheit wieder zu bewundern, wie gewandt er mit den Solisten abwechselt, mit Steigerungen und Pianostellen umgeht, die ganz flauschig gelingen. Nach dramatisch ausgeführtem „Crucifixus“ und Leidenspassagen, jubelt der Chor mit „Resurrexit“ von der Freude der Auferstehung. Das erhebende „Sanctus“ schließt mit einem himmelwärts strebenden „Hosanna“, das auch das zu Herzen gehende „Benedictus“ der Solisten am Ende überstrahlt. Das innige Sopransolo im Agnus Dei gibt der Seele Nahrung. Und so strahlend wie begonnen, endet das Konzert mit inständigem, kraftvollem Bitten um Frieden. Beflügelt von der herrlichen Musik hat der Philharmonische Chor, in kongenialer Ergänzung mit der glänzenden KBO, ein berauschendes Konzert hingelegt.

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