Friedrichshafen Bahnhof Fischbach: Warten auf geheimnisvollen Pächter

Der Restaurantbetrieb soll laut Stadtverwaltung 2018 nach vier Jahren Leerstand vergeben werden. Nach SÜDKURIER-Informationen verhandelt ein Gastronomie-Unternehmen seit vielen Monaten mit der Stadt. Warum sich die Verpachtung so schwierig gestaltet und warum zwei Fischbacher Wirtsfamilien längst das Interesse am Bahnhof verloren haben, lesen Sie hier.

Um den Bahnhof Fischbach herum kehrt Leben ein. Die 90 Wohnungen der Neuen Mitte sind fast bezugsfertig, Praxen haben bereits eröffnet, der lang ersehnte Supermarkt steht kurz vor Verkaufsbeginn und die Zufahrt nimmt Gestalt an. Überall wird geschafft, gewerkelt, gearbeitet – nur im Bahnhofsrestaurant selbst herrscht weiterhin Totenstille und Leerstand.

Vor gut zwei Wochen hat die Stadt Friedrichshafen einen Großteil des Mobiliars – Barhocker aus den 1930er-Jahren, üppige Kerzenhalter, Geschirr – bei einem Flohmarkt verkauft. Angeblich, so Jürgen Dietz vom Amt für Vermessung und Liegenschaften, sei man "guter Dinge", 2018 einen neuen Pächter präsentieren zu können. "Wir sind in konkreten Verhandlungen", sagte er beim Ausverkauf. Eine Aussage, die viele Fischbacher nach vier Jahren Leerstand kaum mehr glauben können. Eine SÜDKURIER-Nachfrage zum Pächter, zum Konzept, zur Sanierung und zum genauen Zeitplan blieb bei der Stadtverwaltung bis zum späten Dienstagabend unbeantwortet.

Die Neue Mitte (rechts) ist so gut wie bezugsfertig: 90 Wohnungen, Geschäfte, Praxen. Passt da ein Kulturbetrieb noch rein?
Die Neue Mitte (rechts) ist so gut wie bezugsfertig: 90 Wohnungen, Geschäfte, Praxen. Passt da ein Kulturbetrieb noch rein? | Bild: Sabine Wienrich

Fakt ist: An gastroerfahrenen Interessenten mangelte es in den vergangenen vier Jahren wohl kaum. Darunter waren auch die beiden alteingesessenen Fischbacher Hotel- und Wirtsfamilien Felix (Hotel Traube am See) und Maier-Fennel (Hotel-Restaurant Maier), die den Bahnhof gerne wieder zu neuem Leben erweckt hätten. "Dieser Gastronomiebetrieb tut Fischbach sehr gut", sagt Geschäftsführer Hendrik Fennel, "wir hatten ganz zu Beginn – noch vor dem Bau der Neuen Mitte – großes Interesse, ihn fortzuführen." Damals habe es aber zu viele offene Fragen gegeben. Was soll mit dem Kulturbetrieb passieren? Was genau will die Stadt dort genau? Wer beteiligt sich wie an den Sanierungskosten? Fragen, die für jeden potenziellen Pächter von großer Bedeutung sind – und auf die es offensichtlich bis heute nicht ausreichend Antworten gibt.

"Eine Gastronomie ohne Kultur- und Eventbetrieb an einem solchen Standort zu führen ist eine große Herausforderung", erklärt Fennel. Die Familie entschied sich bereits früh dagegen – auch weil sie von der Zeppelin-Wohlfahrt den Zuschlag für die Pacht des ehemaligen Diakonissenheims ("Haus am See") erhielt. Zudem steht mit dem Umbau des Hotelbetriebs an der Zeppelinstraße ein weiterer Kraftakt an. "Wir haben unsere Bewerbung dann lieber zurückgezogen", sagt Fennel.

Auch Familie Felix war unter den frühen Mitbewerbern für die Pacht der Gastronomie. "Der Bahnhof Fischbach war immer etwas ganz Besonderes für unseren Ort", ist sich Geschäftsführer Uwe Felix sicher. Nach ersten Gesprächen mit der Stadtverwaltung sei jedoch klar gewesen, dass die Sache schwierig wird. "Es gibt hier einen typischen gesellschaftlichen Interessenskonflikt", stellt Felix fest, "zum einen wollen alle die Gastronomie gerne nutzen, zum anderen will aber niemand abends den Lärm vor der Haustüre." Wirtschaftlich sei eine auf den Tag begrenzte Gastronomie aber sehr schwierig – und in dieser Lage ohne Laufpublikum kaum finanziell tragbar. "Nimmt man als Gastronom aber die notwendigen Events und den abendlichen Kneipenbetrieb mit, sind die Nachbarschaftskonflikte vorprogrammiert", sagt Felix. Und im Hinblick auf die Neubauwohnungen der Neuen Mitte sei es nur eine Frage der Zeit, bis den ersten Anwohnern der nächtliche An- und Abfahrtverkehr und die Kneipengäste stören. Und so habe sich auch seine Familie dagegen entschieden, die Bewerbung weiterzuverfolgen.

Hört man sich in der Häfler Gastroszene um, wird schnell klar, wer noch im Rennen sein kann: Die Culina OHG mit Geschäftsführer Reinhard Klumpp hält mit ihrer Tochter Culina Events bereits seit der Insolvenz des Bahnhofs den Kulturbetrieb in der Lokhalle am Leben. "Die Stadt hat mir zugesagt, dass ich bis Ende 2018 weiter ein Programm auf die Beine stellen kann", bestätigt der frühere Bahnhofbesitzer Peter Berchtold, der freiberuflich für Culina Events arbeitet. Bereits vor gut einem Jahr war Klumpp in Verhandlungen mit der Stadt. Damals bestätigte Berchtold das noch, heute will er lieber nichts mehr dazu sagen. Aus gut informierten Kreisen ist zu hören, dass die Verhandlungen um Details wie beispielsweise die Aufteilung der Sanierungskosten zwischen dem möglichen Pächter und der Stadtverwaltung, immer noch nicht abgeschlossen sind – und die Stadt den Betrieb keineswegs subventionieren will. Dafür seien aber wiederum die Auflagen an Lärmschutz hoch. Klumpp selbst weilt derzeit im Ausland und war nicht erreichbar.

 

Bewegte Geschichte

Von der pulsierenden Kneipe zum Insolvenzfall – der Kulturbahnhof Fischbach hat eine bewegte Geschichte.

  • Glanzzeiten: Lange Tanzabende, Kneipenkultur, Kabarett – viele Fischbacher bekommen leuchtende Augen, wenn sie von "ihrem Bahnhof" erzählen.
  • Insolvenz: Im März 2014 meldete Peter Berchtold, der den Bahnhof etabliert hat, mit der Berchtold und Felder GmbH Zahlungsunfähigkeit an. Damals kritisierte Berchtold die zu geringe Unterstützung durch die Stadt Friedrichshafen. Schon 2013 habe er – Berchtold – gegenüber der Stadt dargelegt, dass es immer schwieriger werde, den Veranstaltungsbetrieb zu stemmen. Ziel war es zunächst, die Immobilie und den Kulturbetrieb als Gesamtpaket zu verkaufen. Schon damals war klar, dass Investoren für ein solches Unternehmen nur sehr schwer zu finden sind.
  • Städtischer Kauf: Nur wenig nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens kaufte die Stadt die sanierungsbedürftige Immobilie samt Erbbaurecht Peter Berchtold ab. Er führt seither den Kulturbetrieb weiter, das Lokal steht leer. (sab)

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