Friedrichshafen Antrittsvorlesung an der Zeppelin-Universität

Ulf Papenfuß, Lehrstuhl für Public Management und Public Policy, hat in Friedrichshafen einen mutigen Vortrag vor kommunalen Vertretern gehalten.

Es war seine Antrittsvorlesung an der Zeppelin-Universität, und dennoch ging die ihm nahe: Mit seiner Ernennungsurkunde in der Hand stand Professor Dr. Ulf Papenfuß am Donnerstag recht bewegt vor dem Publikum und nahm dankend den langen Applaus entgegen. Dann atmete er erst einmal tief durch.

Papenfuß hat ab diesem Semester den Lehrstuhl für Public Management und Public Policy an der Zeppelin-Universität inne. Zuvor war er drei Jahre lang Juniorprofessor für Public Management an der Universität Leipzig.

Professor Dr. Eckhard Schröter begrüßte seinen neuen Kollegen Papenfuß und bereitete ihm seinen Vortrag vor: Schon er sprach von wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Relevanz.

Die Vorlesung von Papenfuß war eine Diskussion über nachhaltige Daseinsorganisation und Haushaltskonsolidierung: "Public Corporate Governance und integrierte Gesamtsteuerung: Zukunftsfragen für Wissenschaft und Gesellschaft" lautete der Titel, bei dem es um die Frage ging, wie der öffentliche Sektor zielorientierter gestaltet werden kann.

10 Prozent des Bruttoinlandproduktes werden durch öffentliche Unternehmen erwirtschaftet, das sei eine "große gesellschaftspolitische und ökonomische Bedeutung", wie er betonte. Denn was fehlt, sind klare Spielregeln für eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die allgemeine Unternehmensführung sei das "am meisten durchdiskutierte Thema," doch zur Führung öffentlicher Unternehmen sei so gut wie nichts bekannt. "Das ist eine echte Forschungslücke," wie er sagte.

Papenfuß führte in eine Welt zwischen Bürokratie und Marktwirtschaft, die sich in einer Grauzone bewege. Bei börsennotierten Unternehmen ist Transparenz in der Gehälterfrage Pflicht, doch die "Offenlegung im öffentlichen Bereich liegt weit hinter der Forderung der Politik." Wer legt die Vergütung fest, was sind die Kriterien? Er spricht von einer "unterschiedlich gehandhabten Transparenzkultur", und die ist gemäß seiner Analyse in Friedrichshafen gleich null. "Wir haben hier Themen, über die wir sprechen müssen." Neben Vergütungsfragen ging es ihm auch um die Frage des Anteils von Frauen in Führungspositionen in öffentlichen Unternehmen, wobei er anführte, dass dies auch ein Kulturthema sei. Dafür gibt es Regeln, so seine Worte, "doch die gelten in öffentlichen Unternehmen nicht".

Die abschließende Zukunftsfrage, die Papenfuß stellte, war dann auch eine recht gute Definition seines neuen Lehrstuhls: Wie kann realisiert werden, dass Manager in öffentlichen Unternehmen sowohl die erforderliche Gestaltungsfreiheit, gleichzeitig aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung besitzen?

In Anbetracht der zahlreichen anwesenden kommunalen Vertreter bezeichnete ein Kollege die Antrittsrede von Papenfuß als "mutig!"

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Aktuelles zur Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen: Die Zeppelin Universität (ZU), früher Zeppelin University, ist eine private, staatlich anerkannte Universität in Friedrichshafen. Die ZU erhielt im September 2011 als erste Privat-Uni in Baden-Württemberg das Promotionsrecht.
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen -
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen-Kluftern
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren