Friedrichshafen Alles was Odem hat, lobt Gott

Philharmonischer Chor: Meisterwerke von Mendelssohn Bartholdy und Bruckner mit der Südwestdeutschen Philharmonie im GZH

Der zahlenmäßig große Philharmonische Chor Friedrichshafen und die üppig besetzte Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz ergaben zusammen ein imposantes Bild im Hugo-Eckener-Saal am Sonntagnachmittag.

Der „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy benötigt diese Größe. Liest man doch von Aufführungen, insbesondere bei Chor-Festen, mit mehreren hundert Sängerinnen und Sängern des seit seiner Uraufführung 1840 äußerst beliebten Werkes. Doch vor der eigentlichen Kantate wird die „Sinfonie Nr. 2 B-Dur“ mit drei orchestralen Sätzen eröffnet.

Nach dem festlichen Maestoso mit dem Hauptmotiv „Alles was Odem hat“ in drei Posaunen, übernahmen die Ersten Violinen gekonnte die Stimmführung. Sicher führte MD Joachim Trost durch die variantenreiche thematisch-motivische Arbeit in gutem Fluss. Klar strukturiert die eingeschobenen kontrapunktischen Abschnitte. Durch leicht federnde Rhythmik und abwechslungsreich Agogik entstand ein typisches Mendelssohn-Scherzo. Homogen, kompakt der eingeschobene Choral mit Holz- und Blechbläsern.

Im Kantatenteil zeigte sich der Chor bestens präpariert. In voller Klangfülle, mit sauberen Akkordblöcken, dynamisch fein schattiert, erklangen die homophonen Abschnitte. Auch über dem vollen Orchesterklang (vier Hörner, zwei Trompeten und drei Posaunen) war der Satz „Die Nacht ist vergangen“ deutlich hörbar. In den vielen eingewobenen Fugen vermischten sich markante Themeneinsätze mit lockeren Koloraturen in der Gegenmelodie. Im vermeintlich einfachen Choral „Nun danket alle Gott“, zunächst a capella vorgetragen, hätte man sich etwas mehr Spannkraft und noch mehr Aufmerksamkeit für die gestaltenden Vorgaben des Dirigenten gewünscht.

In schönem Erzählton und Textdeutlichkeit gestaltete der erfahrene Konzertsänger Tobias Haaks sein erstes Rezitativ und die nachfolgende Arie.

Seine ganze Kraft und ausdrucksstarke Höhe erlebte man in der zweiten Arie „Stricke des Todes“. Mit großer Dramatik faszinierte der Tenor beim Höhepunkt der Kantate „Hüter, ist die Nacht bald hin?“, der spannungsvoll vom Orchester vorbereitet wurde. Getragen vom lupenreinen Hornsolo verschmolzen Jutta Maria Böhnert mit ihrem klaren, hellen Sopran und Frances Pappas, Mezzosopran, zu beseelter Harmonie im Duett „Ich harrete des Herrn“. Dem vorletzten Satz „Drum sing' ich mit meinem Liede“ gaben Sopran und Tenor, zusammen mit dem einfühlsamen Orchester einen verträumten romantischen Tonfall. Nochmals forderte Trost alle Kräfte im triumphalen Schlusschor und der Kreis schloss sich mit einem letzten „Alles was Odem hat“. Viel verdienter Applaus für eine prächtige Gesamtleistung.

Nach dem Kräfte zehrenden „Lobgesang“ kam das nicht weniger fordernde „Te Deum“ von Anton Bruckner. Auch hier wieder ein groß besetztes Orchester, demgegenüber sich der Chor durchsetzen musste. Trost widerstand der Gefahr, die oft choralartig geführten Stimmen dynamisch zu übersteigern. Trefflich gelang ein Ausgleich zwischen den oft schlichten Chorsätzen, einem raffinierten Orchestersatz und den diffizilen Solostimmen. Gut gestaltet wurden die bei Bruckner typischen dynamischen Wechsel vom äußersten Piano zum dreifachen Forte-Ausbruch. Besonders ausdrucksstark die mit dem Bariton Thomas Hamberger zum Quartett erweiterten Solisten. Angeführt vom Ruhe ausstrahlenden Tenor, von der Sologeige fein umspielt, entwickelte sich ein flehendes Bitten im „Te Ergo“.

Großes Orchester mit vollen Akkorden – zuversichtliche Solisten – Chor mit komplexer, mehrstimmiger Doppelfuge – Sopran steigt bis zum c''' – dies der nachhaltige Schluss: „Auf dich, Herr, habe ich gehofft. In Ewigkeit werde ich nicht wirklich sterben“.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren