Friedrichshafen Abgeordneter Martin Hahn findet Blinkas Paten-Huhn-Projekt klasse

Wer eine Patenschaft für ein Raderacher Huhn übernimmt, bekommt regelmäßig frische Eier und zu Saisonende ein Suppenhuhn – Für Lukas Blinka ist es ein Hobby, für Landtagsabgeordneten Martin Hahn eine zukunftsweisende Vermarktungsstrategie

Sie heißen Chantal, Frieda, Eulalia oder Appollo 13, Happy und Freibier und picken im Schatten von Obstbäumen im Gras. Gut 100 Hühner hält Lukas Blinka am Waldrand bei Raderach. Der Hahn im Gehege heißt Sissi – Blinkas dreijährige Tochter Lili hat sich das ausgedacht. "Meine Eltern nennen ihn King, aber ich nenne ihn Sissi", sagt sie. Das ist ihr Recht, sie ist Sissis Patin. Regelmäßig besucht sie die Hühner und hat Spaß daran, sie zu füttern. Dabei wäre das nicht nötig: Im Stall steht ein vollautomatischer Futterapparat, an dem sich Chantal und Appollo 13 selbst versorgen.

Auch die anderen Hühner haben ihre Namen von ihren Paten. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Idee so angenommen wird", sagt Lukas Blinka. Sein Angebot: Für 109,80 Euro pro Jahr bekommt ein Pate sechs frische Freilandeier in der Woche und im Frühjahr ein abgepacktes Suppenhuhn. Bei der ersten Vorstellung im Frühjahr meldeten sich so viele Interessenten, dass Blinka eine Warteliste eröffnen musste. Die Paten dürfen ihre Hühner jederzeit besuchen und beim Ausmisten, Untersuchen oder Eierholen helfen.

"Das ist eine gute Marktposition", sagt der Landtagsabgeordnete Martin Hahn, selbst Landwirt im Nebenerwerb, als er das Projekt besucht. "Durch die garantierte Abnahme fällt das Marktrisiko weg." Gerade für kleine Landwirte sei die Abgabe ihrer verderblichen Ware zum Tagespreis am Markt oft ungünstig und nicht kostendeckend. "Die Folge ist die hohe Konzentration in der Tierhaltung mit all ihren negativen Folgen", sagt Hahn. Daher müssten kleine Betriebe auf andere Vermarktungswege setzen, die Idee mit dem Patenhuhn sei einer.

Blinka verdient kein Geld mit seinen Hühnern. "Das ist für mich ein Hobby, bei dem ich den Kopf freibekomme", sagt er. "Ich will vor allem, dass die Hühner sich wohlfühlen." Dafür haben sie viel Platz – sechs Quadratmeter pro Tier übersteigen sogar strenge Bioregeln. Den mobilen Stall setzt Blinka alle zwei Wochen um und zäunt ein anderes Stück Land ein. So gibt es immer frisches Gras zum Picken und Scharren. Im Stall bedienen sich die Tiere durch einen Stups mit dem Schnabel an der Wasseranlage. Die Legenester sind mit Dinkelspelz aufgeschüttet. Mehrere Hennen können es sich nebeneinander gemütlich machen. "Das fördert das Sozialverhalten", sagt Blinka. Außerdem seien Hühner ehrgeizig: Wenn Eulalia sieht, dass Frieda und Freibier hier Eier legen, macht sie das auch. Blinka hält gleichalte Hennen derselben Rasse in einem festen Stall direkt am Hof, er gibt ihnen das gleiche Futter. "Aber die Legeleistung hier unten ist um 20 Prozent höher", sagt er.

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