Friedrichshafen Abenteuerliche Reise führt Männer aus Kiel bis an den Bodensee

Menschen am See: Timo Kieburg und Helge Mackwitz wandern und trampen quer durchs Land. Eine Reihe von Zufällen führt die Kieler schließlich an den Bodensee.

Von schmuddeligen Matzratzen, Bekehrungsversuchen und hilfbereiten Gastgebern: Als Timo Kieburg und Helge Mackwitz am Donnerstag auf einer Bank am Häfler Seeufer sitzen, haben sie längst nicht mehr nur im Gepäck, was in die neben ihnen liegenden Rucksäcke passt. Nach knapp dreiwöchiger Reise quer durchs Land haben die Männer aus Kiel längst etliche Anekdoten dabei. Von einem Pfarrer zum Beispiel, der ihnen zwar keinen Zeltplatz anbieten konnte, sie aber mitsamt einem 50-Euro-Schein zum nächsten Campingplatz schickte. Oder von einem älteren Ehepaar, gerade selbst erst von einer Reise zurückgekehrt, das ihnen neben dem Gästezimmer auch direkt einen Hausschlüssel anvertraute und sie nicht ohne Lunchpaket weiterziehen ließ. Aber auch von Autofahrern, die die Tramper zwar mitnahmen, sie aber unterwegs auch noch zu spirituellen Veranstaltungen brachten.

"Wir sind beide an einem Punkt angekommen, an dem wir uns fragen: Macht es noch Sinn, weiter in der Gastronomie tätig zu sein", schildert Kieburg die Situation vor dem Aufbruch. Während Mackwitz schon länger vorhat, Ökotrophologie zu studieren, blieb für Kieburg die erhoffte Erkenntnis bisher aus. "Eigentlich hat man unterwegs gar nicht die Zeit, sich solche Gedanken zu machen", sagt der 24-Jährige. Antworten auf die Fragen nach einem Schlafplatz, Essen und einer Waschgelegenheit haben eben Priorität. Viel Geld benötigen die Männer nach eigenen Angaben nicht. Auf der Suche nach Schlafplätzen zum Beispiel helfen Facebookgruppen oder andere digitale Plattformen. Was das Budget von rund zehn Euro pro Person und Tag manchmal sprengt: "Bier ist unser Luxus, wir müssen überall das regionale probieren." Mit "Schokolade" beantwortet Timo Kieburg die Frage, was unterwegs fehlt. Für Helge Mackwitz ist die Antwort ganz klar "meine Freundin".

Der ursprüngliche Plan, die "Romantische Straße" zu erwandern, wurde abgewandelt. Mittlerweile trampen die Männer viel, die Stationen zwischen Würzburg und Füssen haben sie dennoch besucht. "Da muss ich mal gewesen sein", sagt Kieburg über Kyburg im Kanton Zürich, wohin die Reise schließlich führte. Die Umstände ihrer ersten Nacht, zurück in Deutschland, hätte andere wohl als Tiefpunkt bezeichnet, Kieburg und Mackwitz sprechen rückblickend über eine "Erfahrung" – allerdings eine, die sie rasch hinter sich lassen wollten. Der erste Zug, der zu bekommen war, brachte die Kieler an den Bodensee. Nach zwei Nächten in Konstanz kamen sie am Mittwoch nach Friedrichshafen. Hier fanden sie einen Schlafplatz in einer Wohngemeinschaft. Und ihr Gastgeber, ein Student, brachte sie am Abend auf die "Seedole" im Eriskircher Ried, pünktlich zu einem Sonnenuntergang, von dem die Reisenden kurz vor ihrem Aufbruch am Donnerstag noch schwärmen. Zu all den Anekdoten, die Kieburg und Mackwitz in zwei Wochen mit zurück nach Kiel bringen, sollen nun unter anderem noch welche vom Tegernsee kommen.

Wenngleich eine bedeutsame Erkenntnis vielleicht ausbleibt: Zumindest eine Idee für die Zeit nach der Auszeit nimmt auch Timo Kieburg mit. "Irgendwie habe ich mich ein bisschen in Konstanz verliebt."

 

Tipps für alle, die nun auch den Rucksack packen wollen

Nicht zu viel Gepäck: "Wir könnten quasi in der Wildnis überleben", sagt Helge Mackwitz über den Inhalt der Rucksäcke, die die Kieler mit sich durchs Land tragen. "Das ist aber eher unpraktisch."

Offen sein für Menschen und Orte: "Egal, was passiert, hat alles letztlich eine coole neue Erfahrung gebracht", so Kieburg. So habe die Unterkunft, in der die Männer zunächst eigentlich gar nicht bleiben wollten, sie letztlich an den Bodensee gebracht.

Rechtzeitig nach einem Schlafplatz umhören - ab 16 Uhr sollte das nach Erfahrung der Kieler passieren.

 

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