Friedrichshafen „De Strawanza“ beglücken im Kulturschuppen

Die Musiker von „De Strawanzen“ machen Musik, die glücklich macht.

Wenn Mathi Kainz mit dem Sopransaxophon „Schneeflöckchen – Weißröckchen“ anstimmt, meint man die Schneeflocken vom Himmel herabschweben zu sehen und wähnt sich selbst drinnen in der warmen Stube, mit Blick nach draußen durch die vereiste Fensterscheibe. Susanne Ober eder lässt die Drehorgel einstimmen, JuGhan begleitet am Kontrabass und Michal Karbowski übernimmt die Melodie mit der Gitarre. Jedes Instrument trägt mit der eigenen Klangfarbe dazu bei, dass die Musik wie ein freundlicher Schneeflockentanz erklingt.

Bei „Es wird scho glei dumper“ beginnt die Drehorgel und das Tenorsaxophon greift das Thema auf. Die Gitarrenbegleitung erinnert an Glöckchen und der Kontrabass trägt die weichen Klänge auf seinen Schwingen in den Saal. Jeder Song ist so arrangiert, dass alle vier ihre Bühnenpräsenz und ihr Können als Jazzmusiker zeigen können. Maria lassen sie im Bolero-Rhythmus durch den Dornwald gehen, Oh Tannenbaum schüttelt und tänzelt sich die Schneemassen von den Zweigen.

Sie nennen sich „De Strawanza“, was sie mit fröhlichem Umherziehen umschreiben. Der Name verweist auf ihren Ursprung als Straßenmusiker, wobei die drei Männer studierte Musiker sind, wie Susanne bemerkt. Sie ist die Autodidaktin in der Gruppe und spielt das überraschendste Instrument. 2010 entdeckten sie und Mathi in Überlingen eine Drehorgel und hatten die Schnapsidee, ihre Musik mit diesem Leierkasten zu verbinden.

Für ein Lied braucht es fünfzehn Meter Papier und 10 000 eingestanzte Löcher. Bis vor kurzem machte Susanne das mit einer alten, umgebauten Schreibmaschine, 1000 Löcher in der Stunde. Inzwischen verwenden sie eine computergesteuerte Stanzmaschine, die sie von Diplomanden der Hochschule ihres Heimatortes geschenkt bekommen haben. Die beiden treten damit als Duo auf und seit 2013 spielen sie auch als Quartett mit Michal und JuGhan aus Polen.

Zum Repertoire des Abends gehören neben den instrumental interpretierten Weihnachtsliedern auch eigene Swing-, Bossanova-, Tango-, Valse-Musette und Samba-Adaptionen internationaler Titel. Susanne interpretiert mit ihrer schönen, klaren Stimme „La Foule“, ein Chanson, mit dem Edith Piaf berühmt wurde. Sie singt italienisch zu „Pink Panther“, danach ein Liebeslied auf Spanisch und überzeugt ebenso wohlklingend mit ihrer Interpretation eines brasilianischen Liedes, bei der das Girl vom Mühlviertel gut an den Strand von Ipanema passen würde. Auch João Gilberto und Stan Getz hätten ihre Freude an den Arrangements des österreichisch-polnischen Joint Ventures. Mathi Kainz wechselt mühelos zwischen Sopran- und Tenorsaxophon, er spielt mit dem ganzen Körper. Nach der Pause tauen auch Michal und JuGhan immer mehr auf. Ihre Musik spiegelt sich auf ihren Gesichtern und in ihren Bewegungen. Der Bassist zupft, streicht und klopft auf seinem Instrument, der fingerfertige Gitarrist entlockt seinen beiden Gitarren harte und weiche, feine und schmachtende Töne. „De Strawanza“ machen Musik, bei der es warm ums Herz wird und fröhlich in der Seele.

Ein Paar wagt gar ein Tänzchen und zeigt so, was die Musik eben auch macht: sie geht in die Beine. Mit Swing-Jazz geht's in die Zugabe: „Tu Vuò Fà L'Americano“ spielen die vier und mit einem einleitenden Quietschen der Drehorgelwalze verabschieden sie sich mit ihrer Version von „Stille Nacht“ in den vierten Advent.

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