Friedrichshafen/Tettnang 32-Jähriger steht wegen 26 Straftaten vor Gericht

Wegen zahlreicher Straftaten ist ein 32-Jähriger aus Friedrichshafen vom Amtsgericht Tettnang zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Freigesprochen wurde er vom Anklagepunkt der versuchten Brandstiftung in einem Asylbewerberheim. Sieben weitere Anklagepunkte wurden eingestellt.

Der 32-Jährige, der sich wegen 26 angeklagter Taten vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Tettnang verantworten musste, ist am Freitagnachmittag zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, unter anderem wegen Widerstands in zwei Fällen, sieben Fällen von Fahrens ohne Führerschein, drei Betrugsfällen, vorsätzlicher Körperverletzung, versuchten Autodiebstahls und Raubes. Dazu kommen zwei Jahre und drei Monate Fahrverbot. Die angeklagten Taten wurden zwischen März und September 2017 begangen. Freigesprochen wurde der Mann vom Vorwurf der versuchten schweren Brandstiftung in einem Asylbewerberheim in Friedrichshafen. Sieben Anklagepunkte wurden eingestellt. "Wir haben alles abgewogen und wir haben Sie auch freigesprochen", meinte der Vorsitzende Richter Martin Hussels-Eichhorn.

Zeugen erschienen teils nicht vor Gericht

Es war nicht ganz einfach. "Ein Prozess ist wie eine Pralinenschachtel: Man weiß erst, was drin ist, wenn man sie aufmacht", meinte Hussels-Eichhorn ironisch. Am letzten Prozesstag waren fünf Zeugen geladen. Ein Asylbewerber, der damals die Brandstiftung verhindert hatte, wurde von der Polizei aus dem westlichen Bodenseekreis geholt, der zweite ist verschwunden, nachdem er abgeschoben werden sollte. Das Raubopfer, eine Frau, die nach Feststellung der Polizei zumindest zeitweise im Häfler Rotlichtmilieu arbeitete, ist ebenfalls weg. Auch der Besitzer eines Rollers, den der 32-Jährige ihm laut Anklage gestohlen haben soll, war nicht vor Gericht erschienen. Dieses Verfahren wurde eingestellt. Der 32-Jährige erklärte, er habe den Roller zur Reparatur bei sich gehabt.

Brandstiftung "im Vorbereitungsstadium steckengeblieben"

Hauptthemen am letzten Prozesstag waren die angeklagte Brandstiftung, der Raub und der Autodiebstahl. Wortreich schilderte ein Zeuge, wie der Angeklagte zwischen 2 und 3 Uhr morgens in die Asylbewerberunterkunft mit zwei Plastikflaschen Benzin gekommen sei. Diese habe er im Gebäude ausgegossen und gedroht, das Haus abzufackeln. Der Zeuge erklärte, er habe den 32-Jährigen zusammen mit einem weiteren Asylbewerber mit Worten aus dem Gebäude gedrängt. Dies bestätigte auch die verlesene Aussage des verschwundenen Asylbewerbers. Der Angeklagte bestritt dies: "Die ganze Anschuldigung ist falsch." Was die Zeugen laut Aussage nicht gesehen hatten, waren Streichhölzer oder ein Feuerzeug, um das Benzin in Brand zu setzen. Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war klar, dass Feuer gelegt werden sollte. Verteidiger Gerd Pokrop argumentierte hingegen, die Brandstiftung sei juristisch gesehen im Vorbereitungsstadium steckengeblieben. Das Schöffengericht folgte dieser Einschätzung.

Schwangerer Frau von hinten Tasche entrissen

Beim angeklagten Raub war das Gericht jedoch nicht der Ansicht des Verteidigers. Der Angeklagte sagte aus, die Frau, die er schon vorher gekannt habe, zufällig am Tattag gesehen zu haben. Sie hätte ihm zuvor sein Handy gestohlen, was er sich habe zurückholen wollen. Das sei Selbsthilfe, sagte der Verteidiger. "Wenn das Handy nach der Wegnahme noch gegenwärtig gewesen wäre, wäre dies möglicherweise Selbsthilfe, aber nicht eineinhalb Monate später", meinte hingegen Hussels-Eichhorn. Das Schöffengericht hatte kein Verständnis dafür, dass er die schwangere Frau gegen 2.15 Uhr mit einem Fahrrad verfolgte und von hinten auf der Straße angriff, um ihr eine Tasche zu entreißen.

Zu einem versuchten Autodiebstahl in Markdorf sagte der Angeklagte, er habe nur testen wollen, ob der Motor auch laufe. Der Händler habe ihm das Fahrzeug nicht verkaufen wollen. Der Angeklagte habe daher nachts die Seitenscheibe eingeschlagen und sei auf frischer Tat ertappt worden, als er gerade die Zündkabel zusammendrehen wollte. Pokrop argumentierte: "Er wollte diesen Motor hören." In der ganzen Serie der angeklagten Taten gebe es keine Diebstähle, sein Mandant sei kein Dieb. "Der Auffassung, er wollte nur hören, wie der Sound so klingt, können wir uns nicht anschließen", konstatierte Hussels-Eichhorn.

Gutachter: Angeklagter bis auf einen Fall voll schuldfähig

Der Angeklagte hatte bei Vernehmungen ausgesagt, er habe eine schwere Kopfverletzung erlitten. Bloß wie? Einmal sei es ein Motorradunfall gewesen, einmal ein Kopfsprung ins Wasser und einmal ein Schlag mit einem Glas auf seinen Kopf. Der Gutachter Tobias Hölz vom Zentrum für Psychiatrie Weissenau berichtete von verschiedenen Aufenthalten des 32-Jährigen in der Psychiatrie. Offensichtlich nehme dieser Drogen. Eine Bereitschaft, etwas gegen die Sucht zu unternehmen, erkenne er nicht. Bis auf einen Fall sei der Angeklagte voll schuldfähig.

Angeklagter will nach Hälfte der Haft abgeschoben werden

Der Staatsanwaltschaft forderte drei Jahre und drei Monate Haft, Pokrop zwei Jahre und zwei Monate. "Der Antrag des Staatsanwalts ist deutlich überzogen", meinte er. Das Gericht verhängte in manchen Einzelfällen höhere Strafen, aber auch einen Freispruch. Nun hätte das Schöffengericht noch zwei weitere Strafen der Amtsgerichte Ulm wegen Beleidigung und Heidelberg wegen Diebstahls eines Elektrorollers zu einer Gesamtstrafe zusammenziehen können. Doch die Akte aus Ulm kam nicht an. Hussels-Eichhorn empfahl dem 32-Jährigen, in der Haft einen Beruf zu lernen. Dieser antwortet, dass er die Hälfte der Haft verbüßen und abgeschoben werden wolle.

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