Frickingen Wie jeder noch mehr Energie sparen kann

Eine Informationsveranstaltung für Bürger in der Graf-Burchard-Halle zum Thema Energiesparen und Klimaschutz war gut besucht. Experten sehen noch Potenzial bei der Sonnenenergie-Nutzung. Hilfreich für Eigenheimbesitzer ist dabei ein Quartierskonzept und ein Solaratlas. Eine Reihe örtlicher Handwerkern informierten über Möglichkeiten, wie man bei der Eigenheimsanierung Energie sparen kann.

Die Gemeinde Frickingen soll noch energieeffizienter werden: "Ziel ist es, uns alle für die Themen Energieverbrauch und Klimaschutz zu sensibilisieren", erklärte Bürgermeister Jürgen Stukle bei der Informationsveranstaltung für Bürger zur örtlichen Energiepolitik in der Graf-Burchard-Halle. Es sei "richtig und wichtig", dass sich die Gemeinde ihrer Verantwortung stelle, befand er. Trotzdem die Kommune beim nachhaltigen Bauen oder erneuerbaren Energien schon mehr als 30 Jahre aktiv und ganz vorne dabei ist, sollen die Aktivitäten im Klimaschutzbereich weiter vorangetrieben werden.

Auszeichnungen wie der erste Platz im kommunalen Wettbewerb "Holz pro Klima" oder die erfolgreiche Zertifizierung beim European Energy Award zeugen von gelebtem Klimaschutz. Hinzu kommt, dass das "Sonnen- Dorf" aufgrund der Vielzahl der Solaranlagen – es sind 390 bei knapp 3000 Einwohnern – statistisch gesehen den eigenen Energiebedarf decken könnte. Doch auf diesen Lorbeeren will sich die Kommune nicht ausruhen.

Solarfachmann Gottfried Grundler (rechts) informiert Astrid Hermann und Wilfried Abel aus Altheim über Minisolaranlagen für den Balkon, die per Modul-Wechselrichter die Grundlasten eines Haushaltes an Strom selbst produzieren könnten.
Solarfachmann Gottfried Grundler (rechts) informiert Astrid Hermann und Wilfried Abel aus Altheim über Minisolaranlagen für den Balkon, die per Modul-Wechselrichter die Grundlasten eines Haushaltes an Strom selbst produzieren könnten. | Bild: Martina Wolters

Tipps für Eigenheimsanierung

"Frickingen übernimmt Vorbildfunktion", sagte Stukle auch mit Blick auf das bei der Energieagentur in Auftrag gegebene energetische Quartierskonzept und das daraus hervorgegangene Solarkataster der Karlsruher Informationssysteme GmbH Smartgeomatics. Mit dem so entstandenen Solaratlas können Frickinger Bürger ab sofort ermitteln, inwieweit ihr Heim oder ihr Betrieb für das Nutzen von Sonnenergie geeignet ist. Bei einer zweitägigen Thermografieaktion im Februar hatte das Energieagentur-Team Wärmelecks aufgespürt.

Zimmermann Markus Gruber und seine Frau Andrea zeigen den Zusammenhang von Dämmung und bauphysikalischen Gegebenheiten am Modell einer Holzweichfaserdämmung.
Zimmermann Markus Gruber und seine Frau Andrea zeigen den Zusammenhang von Dämmung und bauphysikalischen Gegebenheiten am Modell einer Holzweichfaserdämmung. | Bild: Martina Wolters

Ferner hatten sie den tatsächlichen Stromverbrauch von allen Gebäuden der Kerngemeinde, den Gesamtstromverbrauch und das jeweilige Solarpotenzial ermittelt. "Frickingen ist eine richtige Solargemeinde, hat aber noch Potenzial", unterstrich Walter Göppel, der Geschäftsführer der Ravensburger Energieagentur. Er erläuterte die Vorteile von Atlas und Quartierskonzept für die Bürgerschaft. Demnach sind die Daten digital zugänglich und bieten "einen guten Ansatzpunkt" vor möglichen Eigenheimsanierungen. Mit einfacher Farbsymbolik kann abgelesen werden, ob und wenn ja welche Art von regenerierbaren Energien für den jeweiligen Hausbesitzer in Frage kommen. Wer mag, kann zusätzlich für 20 Euro eine Energieberatung in Anspruch nehmen.

Die energetische Konzeption soll in fünf Jahren fortgeschrieben werden. Göppels Abschlussbericht enthält Maßnahmen wie den Vorschlag einer Fotovoltaikanlage für die Festhalle, Car-Sharing für das Betreute Wohnen oder den Aufbau eines kommunalen Energiemanagements über das bereits vorhandene hinaus. Angedacht ist, Vereine und Schule zu involvieren. Weiterhin schlägt der Energieberater Aktionen vor, um Hauseigentümer zu motivieren, ihr eigenes Heizungssystem zu überprüfen.

Marco Vogt von der Altheimer Firma Vogt & Sitta hat eine Hocheffizienzpumpe als Schauobjekt dabei. Links: seine Partnerin Diana Jäger
Marco Vogt von der Altheimer Firma Vogt & Sitta hat eine Hocheffizienzpumpe als Schauobjekt dabei. Links: seine Partnerin Diana Jäger | Bild: Martina Wolters

Mini-Messe mit Handwerkern

Wer sich im Anschluss an weitere Vorträge zu E-Mobilität, die Zukunftssicherheit von Erdgas oder zu sonnengemachtem Strom praktisch informieren wollte, war am Donnerstag ebenso richtig. In einer Art Mini-Messe informierten örtliche Handwerker zusammen mit dem Stadtwerk am See und der Energieagentur rund um die Energiethematik. Marco Vogt von der Altheimer Firma Vogt & Sitta beispielsweise riet zum Heizungspumpentausch. Moderne Hocheffizienzpumpen verbrauchten bis zu 80 Prozent weniger Energie und verursachten weniger klimaschädliche CO2- Emissionen.

Gottfried Grundler von der gleichnamigen Energietechnik-Firma räumte mit Vorurteilen die Solarenergie betreffend auf. So seien Solarstromanlagen nicht mehr teuer. Ihr Preis sei in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent gefallen. Weiter erläuterte Grundler, es dauere nur zwei Jahre, bis die Anlage mehr Energie nutzbar mache, als für Herstellung, Betrieb und Entsorgung aufgewendet werden müsste. Der Solarfachmann lud zu den monatlich stattfindenden zweistündigen "Watt-Wanderungen". Die nächste findet am Samstag, 5. Mai, um 16 Uhr ab dem Rathaus statt.

Marco Vogt von der Altheimer Firma Vogt & Sitta hat eine Hocheffizienzpumpe als Schauobjekt dabei. Links: seine Partnerin Diana Jäger
Marco Vogt von der Altheimer Firma Vogt & Sitta hat eine Hocheffizienzpumpe als Schauobjekt dabei. Links: seine Partnerin Diana Jäger | Bild: Martina Wolters

Zimmermann Markus Gruber, der wie Gottfried Grundler zum ehrenamtlichen Energieteam der Gemeinde gehört, setzte auf ganzheitliche Beratung. Dämmarbeiten an Dach oder Fassade müssten immer im bauphysikalischen Kontext der dahinter liegenden Räume gesehen werden. Nur so könnten Tauwasser und Schimmelbildung vermieden werden.

Draußen auf dem Festhallenvorplatz wartete Steffen Moosherr von Stadtwerk am See mit einem Plug- in-Hybridmodell. Per Wall-Box geladen, fahre das Fahrzeug mit Hybridantrieb bis zu 50 Kilometer, bis es erneut eine Stromquelle brauche, erfuhren die Besucher. Bei der E-Mobilität befindet sich Frickingen auch schon in einer Vorreiterrolle. Seit drei Jahren benutzt die Frickinger Verwaltung schon ein E-Mobil als Dienstwagen, wie Bürgermeister Jürgen Stukle sagte.

Zusammen mit der Energiemanagerin Dorothea Hose-Groeneveld informierte sich Bürgermeister Jochen Stukle (rechts) bei Steffen Moosherr von Stadtwerk am See über den ausgestellten Plug-in Hybrid.
Zusammen mit der Energiemanagerin Dorothea Hose-Groeneveld informierte sich Bürgermeister Jochen Stukle (rechts) bei Steffen Moosherr von Stadtwerk am See über den ausgestellten Plug-in Hybrid. | Bild: Martina Wolters

Empfehlungen der Handwerker:

  • Ein Heizunsgtausch bringe gleich mehrere Vorteile, hörten die Frickinger Bürger von Heizungsbauer Markus Vogt: rund 100 Euro weniger Stromkosten im Jahr, geringere Wartungs- und Reparaturkosten, weniger klimaschädliche CO2-Emissionen, 30-Prozent-Förderung vom Staat (die Förderung gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) noch bis 2020).
  • "Powerto Gas": Was steckt hinter der Neuen Technologie "Power to Gas"? Laut Manuel Haag von Stadtwerlk am See wird überschüssiger Ökostrom aus Fotovoltaik und Windkraft genutzt, um Erdgas zu erzeugen. Erdgas werde in rund 50 Prozent der deutschen Haushalte genutzt und weise eine hohe Sicherheit auf durch mehrere Strömungswächter. Bei Neuanschluss mit Erdgas könnten Synergieeffekte mit modernen Glasfaserleitungen genutzt werden.
  • Solarstrom-Paneele rechnen sich nach Angaben von Fachmann Gottfried Grundler vor allem, wenn der Hausbesitzer einen Teil des Sonnenstroms selbst verbraucht. Der selbst genutzte Strom vom Dach koste nur halb so viel wie der aus der Steckdose. Entscheidend sei dann nicht die Größe der Solar-Fläche, sondern wie viel eigener Solarstrom selbst benutzt wird.
  • Über typische Wärmeverluste eines rund 30 Jahre alten Einfamilienhauses klärte Walter Göppel von der Energieagentur auf. Die Wärmefresser sind: Dach (15-20 Prozent), Fenster (20-25 Prozent), Lüftung (10-20 Prozent), Boden (5-10 Prozent), Wände (20-25 Prozent) und die Heizung (30-35 Prozent).

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