Frickingen Aaron Thiekötter aus Altheim möchte zu den Paralympics 2020

Der 18-jährige Aaron Thiekötter aus Altheim bei Frickingen hat im Herbst 2016 bei einem Camp für beinamputierte Jugendliche sein Talent für die Leichtathletik entdeckt. Jetzt zieht er nach Leverkusen, um bei Bayer 04 Leverkusen unter professionellen Bedingungen zu trainieren und eine Ausbildung zu machen. Sein Ziel sind die Paralympics 2020 in Tokio.

Frickingen – Aaron Thiekötter ist ein fast ganz normaler 18-Jähriger. Er ist in Altheim aufgewachsen und hat vor zwei Jahren seinen Realschulabschluss gemacht, im vergangenen Jahr schloss er das Berufskolleg ab. Eigentlich strebte er eine Banklehre in Überlingen an. Bis dahin ist die Geschichte noch eine ganz gewöhnliche. Seit Herbst hat sich das Leben von Aaron Thiekötter allerdings gewaltig geändert.

Im Alter von drei Jahren verlor er bei einem Unfall mit einem Rasenmäher-Traktor seinen rechten Unterschenkel inklusive Knie. Seither lebt er mit einer Prothese. Sein Techniker aus Villingen-Schwenningen machte ihn vergangenes Jahr darauf aufmerksam, dass es in Hannover ein Camp für beinamputierte Jugendliche gebe, wo man wertvolle Tipps bekomme. Aaron Thiekötter meldete sich an. Diese Woche sollte ein Wendepunkt in seinem Leben werden.

„Wir haben in dieser Woche Tipps bekommen, wie man mit Prothesen umgehen kann und was alles möglich ist“, erzählt er. „An einem Tag kamen dann Vertreter vom TSV Bayer 04 Leverkusen, die uns gezeigt haben, dass man auch Sport machen kann.“ Für den 18-Jährigen war das Neuland. Er hatte noch nie mit professionellem Behindertensport zu tun gehabt. Doch als er eine solche Sportprothese anprobierte und sich offensichtlich extrem gut darin bewegte, wurde er sofort angesprochen, ob er nicht in Leverkusen einmal ein Probetraining absolvieren wolle.

„Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum sie ausgerechnet mich angesprochen haben“, sagt Aaron Thiekötter grinsend. Früher habe er zwar viel Sport getrieben, aber zu diesem Zeitpunkt schon länger nicht mehr. „Ich hatte damals 94 Kilo und war alles andere als fit.“ Die Einladung zum Probetraining im Januar nahm er an. Da taten sich für den 18-Jährigen ungeahnte Optionen auf. Er begann im Fitnessstudio zu trainieren und wog zu seinem Termin nur noch 76 Kilo. „Das hat sicher beeindruckt und gezeigt, dass ich einen großen Wille habe“, sagt er. „Ich bekam dann auch die Zusage, nach Leverkusen zu können.“
 

Der erste 100-Meter-Lauf von Aaron Thiekötter (Dritter von links). Mit dabei waren Paralympics-Sieger Scott Reardon aus Ausstralien (rechts), der Engländer Richard Whitehead (Zweiter von links), Silbermedaillengewinner bei den Paralympics in Rio, sowie der deutsche Paralympics-Teilnehmer Leon Schäfer (links). Bild: Privat
Der erste 100-Meter-Lauf von Aaron Thiekötter (Dritter von links). Mit dabei waren Paralympics-Sieger Scott Reardon aus Ausstralien (rechts), der Engländer Richard Whitehead (Zweiter von links), Silbermedaillengewinner bei den Paralympics in Rio, sowie der deutsche Paralympics-Teilnehmer Leon Schäfer (links). Bild: Privat | Bild: Elvira Thiekötter

Aaron Thiekötter beginnt nun keine Banklehre, sondern eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement bei Bayer in Leverkusen. In seiner Anstellung ist er für sein Training und für Wettkämpfen freigestellt, sodass er unter professionellen Bedingungen trainieren kann. Der Großteil der paralympischen Nationalmannschaft ist in Leverkusen, sodass er seine direkte Konkurrenz regelmäßig sieht. Der 18-Jährige hat ein klares Ziel: „Ich will zu den Paralympics 2020 in Tokio.“

Der Weg dorthin ist zwar noch weit, aber nicht unmöglich. Ab Mitte August zieht er nach Leverkusen und wird nahezu jeden Tag trainieren. Seinen ersten Wettkampf hat er ebenfalls schon absolviert. „Den werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, erzählt er. „Ich sollte 100 Meter laufen und dachte, ich laufe gegen jugendliche Talente.“ Es kam aber ganz anders. Kurz zuvor hatte er seine Sportprothese bekommen, die er selbst als das etwas andere Sportgerät bezeichnet. Einen Tag vor dem Rennen stand er damit zum ersten Mal überhaupt in einem Startblock.

Und kurz vor dem Start erfuhr er, wer neben ihm laufen wird: der Engländer Richard Whitehead, Silbermedaillengewinner der Paralympics 2016, und Scott Reardon, Goldmedaillengewinner der Paralympics 2016. „Das war für mich natürlich ein Riesenschock“, sagt er. „Die waren aber ganz nett, auch wenn ich unglaublich weit hinterherlief.“ Und er verbessert sich gleich: „Noch!“

Zur Person

Aaron Thiekötter, 18 Jahre alt, kommt aus Altheim. Mit drei Jahren verlor er seinen rechten Unterschenkel inklusive Knie, als er unter einen Rasenmähertraktor kam. Dennoch spielte er bis zur E-Jugend Fußball und anschließend Tischtennis und betrieb Kampfsport. In seiner Jugend trieb er dann aber kaum noch Sport.

Im Herbst wurde er dann bei einem Camp für beinamputierte Jugendliche vom TSV Bayer 04 Leverkusen entdeckt und gefördert. Seitdem trainiert er viel im Fitness-Studio und zieht im August nach Leverkusen. Dort absolviert er bei Bayer eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement und kann unter Profibedingungen trainieren.

In der Zwischenzeit wurde er in Berlin klassifiziert und startet in der Klasse T42. Er wird in der Leichtathletik über 100 Meter, 200 Meter und Weitsprung starten. Sein Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio.

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