Eriskirch Treibholzkunst im Naturschutzzentrum

Der Kressbronner Peter Gebhard zeigt seine Skulpturen bis April 2018 in Eriskirch.

Was hat die nordische Mythologie mit Treibholz gemein? Aus zwei am Meer angeschwemmten Baumstämmen sollen die drei Götter Odin, Hönir und Lodur die ersten Menschen Ask und Embla geschaffen haben. Dies greift Peter Gebhard für seine eigene Schöpfung auf: Die monumentale drei Meter hohe Skulptur „Embla“ dominiert den Raum. Ohne viel Fantasie lassen sich weibliche Merkmale erkennen. Etwas schade nur, dass es sich ausgerechnet dabei um eines der wenigen Werke handelt, die nicht aus Treibholz gearbeitet wurden.

Die Arbeiten Gebhards mögen gerade im Bodenseeraum keine Singularität darstellen. Doch sollte man sie nicht unterschätzen. Es ist eine Gabe, die völlig verschiedenen Holzstrukturen in einem gefundenen Stück zu erkennen und entsprechend zu betonen. Die Arbeit „Adlerkopf“ lässt anhand dieser Strukturen Auge und Schnabel erkennen. Eine Herausforderung sind zudem die völlig unterschiedlichen Härten in einem Holzstück. Die Hilfsmittel des Künstlers reichen dabei von der Kettensäge bis hin zu filigranen Werkzeugen, wie sie auch ein Zahnarzt verwendet. Gebhard hört dabei im richtigen Moment mit der Bearbeitung auf.

Es ist mühsam, die Oberfläche in häufig wochenlanger Arbeit derart fein hinzubekommen, wie es Peter Gebhard gelingt. Die sich dahinter verbergende Emotion, Leidenschaft und Tiefe tritt oft hervor. Das Herzstück der Ausstellung, „Tamina“, ist solch ein Exempel. In einem Stausee im Taminatal in der Nähe von Chur gefunden, verarbeitete Gebhard diese Arvenwurzel vor Ort in freier Natur. Die außergewöhnliche unwettergepeitschte Geschichte der von den Höhen der Berge durch den engen Bergbach getriebenen Arve, macht einen wunderbaren Kontrast zwischen Natur und Bearbeitung möglich. Es ist eine von Gebhards komplexeren Arbeiten, neigt er sonst doch eher zu einfacheren und klareren Formen.

Am Ufer des Bodensees aufgewachsen, beschäftigte sich Gebhard bereits als Kind mit Treibholz. Nach einem Umweg als Maschinenbauingenieur hat er zu seiner „wahren Bestimmung“, wie er es ausdrückt, zurückgefunden. Seine Objekte findet er überwiegend am Bodenseeufer. Erst seit 2015 betätigt er sich als Künstler und zeigt dabei einen immensen Schaffensdrang: Es ist bereits die 13. Ausstellung in diesem Jahr. Gebhards Werke waren unter anderem schon in München und Bregenz zu sehen.

Die musikalische Umrahmung der Vernissage hätte sich kaum passender einfügen können. Viz Michael Kremietz aus Argenbühl nimmt die zahlreichen Besucher auf eine meditative Klangkunstreise mit. Überragend ist es, was er aus dem Didgeridoo herausholt. Dieses traditionelle Blasinstrument der australischen Aborigines hat er tatsächlich aus Treibholz eines Nebenbaches der Argen geschaffen. Klanghölzer und eine „Wasserharfe“ runden die Performance ab.

Bleibt die Frage, warum Gerhard Kersting, der Leiter des Naturschutzzentrums Eriskirch, stets von „Schwemmholz“ spricht und Peter Gebhard von „Treibholz“. Letzteres werde im eigentlichen Sinn nur für vom Meer angeschwemmtes Holz verwendet, sei aber für ihn positiver konnotiert, meint der Künstler. Seiner Ausstellung gelingt es, den vermeintlichen Gegensatz zwischen Natur und Kultur zu überwinden.

Die Ausstellung ist während des ganzen Winters bei freiem Eintritt noch bis Anfang April 2018 zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

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