Eriskirch - Plastiken und Skulpturen in der "Alten Schule"

Die Kulturfreunde Eriskirch zeigen Arbeiten von Kerstin Stöckler und Lisa Kölbl-Thiele unter dem Motto "Leichtigkeit und Lebensfreude".

Es ist ein ungleiches Paar, das da im Bürgerhaus Alte Schule in Eriskirch zusammen kommt – aber der Ausstellungstitel „Leichtigkeit und Lebensfreude“ als einendes Band für die Plastiken von Kerstin Stöckler und die Aquarelle von Lisa Kölbl-Thiele ist dennoch gut gewählt.

Dabei ist die „Leichtigkeit“ der Plastiken von Kerstin Stöckler (Bad Saulgau/Altshausen) nicht unbedingt im Sinne einer „Heiterkeit“ zu verstehen – denn leicht sind die Arbeiten der 1978 geborenen Bildhauerin vor allem in ihrer optischen Wirkung und in ihrem Gewicht. Mit Papier, Harz und Draht, aber auch Bronze erschafft Stöckler menschliche Gestalten, von denen manche bis an die Grenze der körperlichen Auflösung gehen. Kerstin Stöckler verklebt schmalste Streifen gerissenen Zeitungspapiers zu Figuren, die so zerbrechlich wie das Skelett eines Sperlings wirken können – etwa in der Kleinplastik „Leichtigkeit II“: Der dünne Leib ist so entrückt, als würde er von der eigenen Seele in die Höhe gezogen.

Zerbrechlich wie das Skelett eines Sperlings: "Leichtigkeit II".
Zerbrechlich wie das Skelett eines Sperlings: "Leichtigkeit II". | Bild: Harald Ruppert

Wenn man an die schier zum Verschwinden gebrachte Figur in der modernen Kunst denkt, fällt unweigerlich der Name Alberto Giacometti. Seine Plastiken sind Ausdruck eines Weltbildes, das von Absurdität und Existenzialismus durchdrungen ist, nachdem zwei Weltkriege die geistigen Fundamente zerstörten. Kerstin Stöcklers Bezüge scheinen aber andere zu sein. Ihre Gestalten wirken, als seien sie der Schwerkraft enthoben. Oft auf nur kleinstmöglicher Fläche mit dem Sockel verankert, schweben sie fast, wo sie kippen müssten.

Kerstin Stöcklers Plastiken scheinen zu schweben, wo sie stürzen müssten.
Kerstin Stöcklers Plastiken scheinen zu schweben, wo sie stürzen müssten. | Bild: Harald Ruppert

Diese Enthobenheit erinnert an das berühmte Gemälde „Der Tanz“ von Henri Matisse; man kann im akrobatischen Umgang mit der Statik auch Verbindungen zur Bildhauerei des Manierismus feststellen, in dem die Künstler für die Darstellung der menschlichen Gestalt nach extrem „leichten“ Posen suchten, als wollten sie das Gewicht des Materials Lügen strafen. Auch Kerstin Stöcklers Plastiken ziehen die Blicke auf sich, aber sie ziehen mit dem Gegensatzpaar Gewicht/Leichtigkeit kein leeres Theater ab. Da ist etwa jene schlanke Gestalt, die mit einer Hand eine viel zu große Kugel trägt. „Die Last der Vergangenheit“ heißt diese Arbeit; ein Titel, der zeigt, dass sich die Künstlerin nicht in Schauwerten erschöpft.

Die Kulturfreunde Eriskirch zeigen im Bürgerhaus "Alte Schule" die Ausstellung "Leichtigkeit und Lebensfreude" mit Bildern von Lisa Kölbl-Thiele und Plastiken von Kerstin Stöckler.
Die Kulturfreunde Eriskirch zeigen im Bürgerhaus "Alte Schule" die Ausstellung "Leichtigkeit und Lebensfreude" mit Bildern von Lisa Kölbl-Thiele und Plastiken von Kerstin Stöckler. | Bild: Harald Ruppert

Der Malerei von Lisa Kölbl-Thiele ist die im Ausstellungstitel enthaltene „Lebensfreude“ durchgehend anzusehen. Die Lindauerin stellt, im Doppelsinn, „pfundige“ Frauen dar. Sie sind aber beileibe nicht dick, sondern „bumperlgsund“, wie man in Bayern sagt. An Cartoons erinnernd, zeigt Kölbl-Thiele, dass die Aquarelltechnik eben nicht für Landschaften und Blumensträuße reserviert ist. Die ehemalige Kunstlehrerin stellt fast ausschließlich Frauengesellschaften dar. Sogar an kaputten Autos legen die Damen fachkundig selbst Hand an. „Die Frauen-Power in Kölbl-Thieles Aquarellen zeigt kein emanzipatorisches ‚Dagegen’ oder ‚Jetzt erst recht’, sondern sie schmeichelt dem weiblichen Geschlecht mit viel Charme und Freude“, stellte bei der Vernissage die Kunsthistorikerin Andrea Dreher fest. Und so reichen die Damen den Männern bei den wirklich wichtigen Angelegenheiten eben doch die Hand: beim Tanzen.

Gesellige Runde:"Die sieben Schwäbinnen" inklusive Prosecco-Glas.
Gesellige Runde:"Die sieben Schwäbinnen" inklusive Prosecco-Glas. | Bild: Harald Ruppert

Lisa Kölbl-Thieles Frauen sind fidel und gesellig – in der Gymnastikgruppe, im Chor oder als weibliche Variante der „Sieben Schwaben“. Anders als ihr berühmtes Gegenstück sind die Frauen nicht ängstlich auf einen Faxen machenden Hasen fixiert – der ist erst gar nicht auf dem Bild. Stattdessen bahnt sich da geselliges Palaver an; zumal eine der Schwäbinnen zum Dienst am Spieß sogar ein Glas Prosecco mitgebracht hat.

Auf ins Abenteuer: Männer werden in Lisa Kölbl-Thieles Aquarellen ganz selten "gebraucht". Auch hier nicht.
Auf ins Abenteuer: Männer werden in Lisa Kölbl-Thieles Aquarellen ganz selten "gebraucht". Auch hier nicht. | Bild: Harald Ruppert

Lisa Kölbl-Thiele gewinnt ihre Motive aus dem Alltag. Und das bedeutet: Sie ist eine genaue Beobachterin ihrer Umwelt. Gerade nach Ausstellungen kämen ihr die besten Ideen, hat die Künstlerin ihrer Laudatorin verraten. Vielleicht sitzt sie ja bereits an einem neuen Blatt, das eine Szene einfängt, die sie bei der Vernissage ihrer eigenen Ausstellung gesehen hat.

Bis 15. Oktober in der Alten Schule in Eriskirch. Geöffnet Freitag/Samstag 16 bis 19 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

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